Bauernbund | 04.05.2011

Damit der Traktor nicht mehr umkippt

Das Arbeiten mit landwirtschaftlichen Maschinen ist gefährlich. Das steile Gelände, dazu oft ein nasser und rutschiger Boden, der hohe Zeitdruck und nicht selten eine falsche Einschätzung der Gefahren führen immer wieder zu schweren Unfällen. Das Zentrum für Verkehrssicherheit Safety Park, der Südtiroler Bauernbund, die Südtiroler Bauernjugend und das Mobilitätsressort des Landes haben deshalb ein spezielles Trainingsprogramm für das Fahren mit landwirtschaftlichen Maschinen ausgearbeitet. Damit soll die Zahl der Unfälle deutlich verringert werden.

Seit Jahren bemühen sich der Südtiroler Bauernbund und die Südtiroler Bauernjugend, die Bäuerinnen und Bauern auf die Gefahren in der Landwirtschaft hinzuweisen. Für 2011 haben Bauernbund und Bauernjugend ein „Sicherheitspaket“ geschnürt. „Neben einer Artikelserie über Arbeitssicherheit in der Verbandszeitung „Südtiroler Landwirt“ und der Vorführung von acht Kurzfilmen in den Bauernbund-Ortsgruppen werden Fahrsicherheitskurse im Safety Park angeboten“, erklärte Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler.
Die Vorreiterrolle des Safety Park unterstrich Mobilitätslandesrat Thomas Widmann. „Der Safety Park hat sich als Kompetenzzentrum in Sachen Fahrsicherheit etabliert. Mit dem Trainingsprogramm für landwirtschaftliche Maschinen und Traktoren kommt ein weiteres sehr wichtiges Kapitel dazu, und ich bin überzeugt, dass alle Landwirte von einem solchen Training profitieren – beruflich und privat“, betonte Widmann. Damit möglichst viele Landwirte teilnehmen können, hatte das Mobilitätsressort des Landes alle Hebel in Bewegung gesetzt und erreicht, dass diese Sicherheitskurse zu einem guten Teil über das gesamtstaatliche Programm zur Verkehrssicherheit finanziert werden können.

Mehr Wissen und mehr Können
Ziel des Trainings für Bäuerinnen und Bauern ist es, durch „mehr Wissen“ und „mehr Können“ das Fahren mit landwirtschaftlichen Maschinen sicherer zu machen. „Das Fahrtraining besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Fahranteil und ist nach der Methode „Training durch Erleben“ aufgebaut. Wir wollen die Fahrzeugbeherrschung bzw. –bedienung und das Verhalten in gefährlichen Situationen verbessern und den Teilnehmern Tipps für die Fahrtenplanung geben“, erklärte Franz Fabian, der technische Leiter des Safety Parks. Das große Problem in der Landwirtschaft sei, dass der physikalische Grenzbereich sehr gering sei und bereits kleinste Fehler zu schweren Unfällen führen würden. Im theoretischen Teil werden deshalb Grundlagen der Fahrphysik erarbeitet und die häufigsten Unfallursachen besprochen. Im praktischen Teil wird das fahrtechnische Feingefühl trainiert. „Die Teilnehmer üben das richtige Bremsen auf trockenem, nassem und rutschigem Untergrund – mit und ohne Anhänger. Zudem werden die Bremswege bei verschiedenen Geschwindigkeiten verglichen“, sagte der Obmann der Südtiroler Bauernjugend Hannes Dosser. Teil des Trainings seien auch das Ausweichen vor einem „plötzlichen“ Hindernis bzw. einem entgegenkommenden Fahrzeug und das Kurvenfahren auf verschiedenen Untergründen. Darüber hinaus würden die richtige Sitzposition, der Sicherheitsgurt, der Überrollbügel, die Kabine sowie die exakte Lenkradhaltung und Lenktechnik besprochen. Alles in allem dauere das Fahrsicherheitstraining etwa 7,5 Stunden. „Wir hoffen, dass möglichst viele Bäuerinnen und Bauern das Training nutzen, um ihr Fahrkönnen zu verbessern und so Unfälle vermeiden bzw. Unfallfolgen reduzieren zu können“, erklärten Dosser und Tiefenthaler.

Umfrage erhob Trainingsbedarf
Aufgebaut ist das Trainingsprogramm auf den Ergebnissen einer Fragebogenaktion. „Die Umfrage hat unter anderem ergeben, dass über zwei Drittel der Unfälle mit Maschinen abseits der Straßen geschehen. Zudem geht die größte Gefahr vom Umkippen des Traktors aus“, berichtete Leo Tiefenthaler. Alle Ergebnisse der Umfrage sind bei der Ausarbeitung des Trainings durch den Safety Park berücksichtigt worden. Die ersten Trainings für die Bäuerinnen und Bauern sind heute gestartet. Nächste Woche sind Schüler der landwirtschaftlichen Fachschulen im Safety Park. Weitere Trainings werden im Herbst 2011 angeboten. Dabei können die Initiatoren auf zwei starke Partner für das Projekt zurückgreifen: Fendt und Lochmann stellen die Traktoren bzw. Anhänger kostenlos zur Verfügung.


Bildtext: Stellten die Inhalte des Traktor-Fahrsicherheitskurse vor: Bauernjugend-Landesobmann Hannes Dosser, Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler, Landesrat Thomas Widmann, Safety Park-Direktorin Erica Furini und der technische Leiter Franz Fabian.