Bauernbund | 26.01.2011

„Weinmander, es isch Zeit!“

Es fielen klare Worte auf der heutigen Weinbautagung in St. Michael Eppan. Südtirols Weinwirtschaft hat einige Hausaufgaben zu erledigen. Dazu müssen alle beteiligten Kräfte überzeugt mitmachen. Das scheint nicht immer der Fall zu sein.

Sicher, Südtirols Weinwirtschaft steht derzeit gut da. Dank hervorragender Arbeit im Weinberg und im Keller bringt sie ausgezeichnete Weine hervor. Doch in der Kommunikation nach außen verkauft sie sich unter Wert. Weiters gehört auch der Umgang mit dem Vernatsch weiterhin zu den „Problemzonen“ der heimischen Weinwelt.

Seit Jahren klingt das Thema einer einheitlichen Vermarktung auf der Weinbautagung des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen (ALS) fast gebetsmühlenartig an. So deutlich wie heuer wurden die Referenten aber selten.

Berger: „Zusammenarbeit scheitert an einigen Köpfen“
Vor rund 600 Fachleuten und Landwirten redete Landwirtschaftslandesrat Hans Berger in Eppan Klartext: „Wer an Südtirol denkt, soll immer automatisch auch an ein Weinland denken.“ Um dieses Ziel zu erreichen, sei noch ein langer Weg zu gehen. Eindringlich appellierte er daran, den gemeinsamen Auftritt der gesamten Südtiroler Weinwirtschaft voranzutreiben: „Wir haben jetzt den Schriftzug ‚Südtirol’ auf den Kappen der Sieben-Zehntel-Flaschen. Diesen sollen nun schnellstens alle – und damit meine ich wirklich alle Beteiligten – umzusetzen. Wenn das schon ein Problem darstellt, dann all das andere nur Lippenbekenntnis.“ Er forderte, möglichst viele Synergien zu nutzen. Dazu aber fehle es noch immer am Willen: „Seit Jahren predigen wir Teamfähigkeit und laufen ihr seit Jahren nach, nur weil einige Köpfe nicht miteinander können!“ Er stellte klar: „Für das Ressort Landwirtschaft gibt es – in Absprache und Übereinstimmung mit der Handelskammer – für alle Maßnahmen im Sektor Weinwirtschaft nur einen einzigen Ansprechpartner: das Konsortium Südtiroler Wein und nicht die drei Verbände der Genossenschaften, Weingüter und Freien Weinbauern.“

Sortenvielfalt straffen
Interessant, dass gerade drei Produzenten-Vertreter in ihren „Visionen für den Jahrgang 2020“ weitgehend in die gleiche Kerbe schlugen. Martin Aurich vom Weingut Unterortl, Oscar Lorandi, Verkaufsleiter der Kellerei Girlan und Martin Foradori vom Weingut Hofstätter forderten in der gemeinsamen Bewerbung des Weinlandes Südtirol einen Auftritt mit wenigen Sorten. Aurich meinte: „Es braucht eine Straffung der Sorten in Lagen, Zonen und Betrieben.“ Lorandi sagte, die Vielfalt der Südtiroler Weinlandschaft sei zwar eine Stärke und müsse auch nicht verloren gehen. „Der Konsument versteht sie aber nur, wenn wir sie ihm einfach zugänglich machen, und dazu müssen wir im Marketing unsere Hausaufgaben machen.“ Er kritisierte, dass einige Kellereien bis zu 60 unterschiedliche Etiketten auf ihre Flaschen kleben und dass es zehn bis zwölf verschiedene Bezeichnungen für den Vernatsch gibt. „Dieser Wildwuchs stiftet beim Konsumenten nur Verwirrung. Weniger ist hier einfach mehr,“ so Lorandi.

Klare Regeln bei Neupflanzungen
Martin Foradori sprach von einer „nötigen Richtungsänderung“, die er schon 2003 in einen Vortrag auf der Weinbautagung gefordert habe. „Es hat sich nichts getan!“ Wie Aurich sprach Foradori den heimischen Sorten das Wort: „Cabernet und Sauvignon aus Südtirol haben die Weinwelt nicht verändert, und der Riesling wird es auch nicht tun!“ Es brauche keinen Wildwuchs an Sorten, sondern eine „Feineinstellung dessen, was wir haben und was bereits gut ist.“ Um dies zu erreichen und dem Konsumenten in der Weinvielfalt eine Orientierung zu geben, müsse sich die gesamte Südtiroler Weinwirtschaft auf eine gemeinsame Sortenempfehlung einigen: „Diese braucht klare Regeln: Welche Sorte passt zu welcher Lage.“ Es gebe in Südtirol bereits einige Großlagen wie Gries, St. Magdalena, Söll oder Mazon, mit denen man automatisch eine Sorte in Verbindung bringe. Dies könne man auf andere Lagen ummünzen. Bei Neupflanzungen sollte es dann eine klare Empfehlung geben. Diese solle sich nicht vom schnellen Profit leiten lassen, sondern von dem, was Südtirols Weine ehrlich und authentisch macht.

Dem gemeinsamen Wohlergehen unterordnen

Für Aurich muss das Ziel weiterhin lauten, sich zu einem Spitzenweinbaugebiet zu entwickeln. „Dies ist ein komplexer Vorgang, der nur gemeinsam geht“, sagte Aurich. Die vernetzte Zusammenarbeit der Südtiroler Weinwirtschaft sei der einzig mögliche Weg zu diesem Ziel, daher brauche es eine „mutige und straffe Organisation des Konsortiums Südtiroler Wein, der sich die Verbände der Weinwirtschaft zum Ziel des gemeinsamen dauerhaften Wohlergehens unterordnen. Lasst es mich mit den Worten Andreas Hofers sagen: Mander, es isch Zeit!“


Bildtexte (v.o.n.u.):
- Visionen 2020: (v.l.) Moderator Michael Oberhuber (Versuchzentrum Laimburg) mit den Referenten Oscar Lorandi, Martin Aurich und Martin Foradori
- LR Hans Berger sieht Weinkonsortium als einzigen Ansprechpartner
- 600 Besucher verfolgte die Weinbautagung in Eppan.