Bauernbund | 06.12.2010

„Netzwerk mit Bayern weiter ausbauen“

Eine Delegation des Südtiroler Bauernbundes hat die Landesversammlung des Baye-rischen Bauernverbandes Anfang Dezember zu einem intensiven Meinungs- und Gedankenaustausch mit den Bayerischen Amtskollegen genutzt. Im Mittelpunkt standen dabei die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik und der Klimaschutz.

In der aktuellen Diskussion über den Klimawandel will der Bayerische Bauernverband die Land- und Forstwirtschaft als wichtigen Partner im globalen Klimaschutz positionieren. Dazu hat der Bayerische Bauernverband ein Positionspapier beschlossen, das deutlich machen soll, wie viel die bayerischen Bauernfamilien schon jetzt für den Klimaschutz leisten. Gleichzeitig will der Bayerische Bauernverband aber auch zeigen, dass die Land- und Forstwirtschaft selbst vom Klimawandel betroffen ist. „Das Positionspapier und ein Faltblatt, das ebenfalls auf der Landesversammlung in Hersching vorgestellt wurde, wären auch für Südtirol interessant. Auch wir sollten auf die Bemühungen der Land- und Forstwirtschaft aufmerksam machen und uns als Klimaschützer positionieren“, so Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner, der mit Landesobmann Leo Tiefenthaler, den beiden Obmann-Stellvertretern Seppl Lamprecht und Viktor Peintner sowie weiteren Mitgliedern des SBB-Präsidiums in Bayern war.
Zweites zentrales Thema der Gespräche war die Reform der EU-Agrarpolitik. Und hier un-terscheidet sich die Position des Südtiroler Bauernbundes von jener des Bayerischen Bau-ernverbandes, vor allem in Bezug auf die erste Säule. „Bayern ist gegen eine Deckelung der Förderungen für Großbetriebe, wir begrüßen so eine Deckelung, weil die großen Betriebe sonst zu viel Geld erhalten und das die Bevölkerung nicht akzeptieren wird“, erklärte Landesobmann Leo Tiefenthaler. Auch haben die Bayerischen Bauernvertreter ein Problem mit der Definition von aktiven Bauern, Groß- und Kleinbauern. „Hier werden wir weiter mit unseren Bayerischen Kollegen reden müssen, auch weil Deutschland mit Sicherheit eine zentrale Rolle in den weiteren Verhandlungen spielen wird“, berichtete Rinner. Deutschland strebe zusammen mit Frankreich die Themenführerschaft an.
Gemeinsame Interessen haben Südtirol und Bayern hingegen, was die Maßnahmen der sog. High Level-Gruppe, einer Expertengruppe auf EU-Ebene, für die Milchwirtschaft betrifft. „Beiden wünschen wir uns stabile Märkte, ein gesichertes Einkommen für unsere Milchproduzenten und eine wettbewerbsfähige Milchwirtschaft“, so Tiefenthaler. Einig sind sich Südtirol und Bayern auch in der Frage der Kennzeichnung von Qualitätsprodukten und der Herkunft sowie in der Tierhaltung und im Tierschutz. „Derzeit ist der Europarat dabei, eine Resolution zum Tierschutz zu verabschieden. Wir wollen darin die traditionellen Tierhaltungsformen absichern“, so Direktor Rinner.

„Pflegen seit vielen Jahren enge Kontakte zu Bayern“
Das Treffen auf der Landesversammlung ist Teil einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Bauernverband, die mittlerweile seit vielen Jahren besteht. „In sehr vielen Bereichen haben wir die gleichen Interessen. Jeder alleine für sich wäre zu klein, um in Europa großartiges zu bewegen. Zusammen aber haben wir, gerade was die Berglandwirtschaft betrifft, ein deutlich stärkeres Gewicht. Deswegen wollen wir das Netzwerk mit den anderen Bergregionen weiter ausbauen“, so Rinner. Zudem profitiert der SBB vom Netzwerk und den Strukturen der Bayern. „Der Bayerische Bauernverband hat über 160.000 Mitgliedsbetreibe und damit mehr als der Österreichische Bauernbund. Zudem haben die Bayerischen Bauernvertreter eigene Mitarbeiter in Brüssel“, sagte Rinner. Neben Bayern pflegt der SBB auch enge Kontakte zu dem Bauernbünden in Tirol und der Schweiz sowie zum Österreichischen Bauernbund und den italienischen Bauernverbänden.