Bauernbund | 08.10.2010

Bauern fordern solide Agrarpolitik nach 2013

Kongress der europäischen Landwirte verabschiedet Grundsatzerklärung: Einkommen der Bauern sichern

Eine Agrarpolitik, die eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft und den Bauern ein gerechtes Einkommen garantiert, forderten Bauernvertreter aus ganz Europa auf dem Kongress der europäischen Landwirte von der EU. Der Südtiroler Bauernbund, der am Kongress in Brüssel teilgenommen hat, unterstützt die Forderungen.

Am Ende des zweitägigen Kongresses, zu dem der Europäische Bauernverband Copa und der Verband der landwirtschaftlichen Genossenschaften Cogeca geladen hatte, haben die Bauernvertreter eine Grundsatzerklärung verabschiedet. Diese hebt die Notwendigkeit einer soliden EU-Agrarpolitik hervor. „Die europäische Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen, wie Klimawandel, Umwelt- und Tierschutz, Lebensmittelsicherheit, stark schwankende Preise, steigende Kosten und sinkende Einkommen. Um diese Herausforderungen zu bewältigen und den Produktionsstandort Europa langfristig abzusichern, muss die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft gestärkt werden“, so Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler, der mit den beiden Stellvertretern Seppl Lamprecht und Viktor Peintner, dem EU-Abgeordneten Herbert Dorfmann und Direktor Siegfried Rinner am Kongress in Brüssel teilgenommen hat.
Ansetzen möchten die europäischen Bauernvertreter vor allem bei der Lebensmittelkette. „Das Ungleichgewicht zwischen Genossenschaften und einigen wenigen mächtigen Supermarktketten muss dringend ausgeglichen werden, damit die Bauern einen gerechten Preis erhalten. Derzeit sind sie dem Großhandel ausgeliefert“, so Cogeco-Präsident Paolo Bruni.
Auch muss die EU weiterhin funktionierende Marktinstrumente zur Verfügung stellen, um größere Preisschwankungen durch Interventionen auszugleichen. „Das System hat im letzten Jahr bei Milch gut funktioniert“, so Tiefenthaler.
Damit könnte den Bauern auch ein gerechtes Einkommen gesichert werden. „Im letzten Jahr ist das Einkommen der Landwirte um 12 Prozent gesunken. Heute verdienen Bauern in Europa weniger als 50 Prozent der europäischen Durchschnittseinkommen“, so der Präsident des Europäischen Bauernverbandes COPA Padraig Walshe.
Wettbewerbsfähigkeit und ein höheres Einkommen würden garantieren, dass Europas Bauern weiterhin Lebensmittel produzieren und Dienstleistungen erbringen.
Gelinge dies hingegen nicht, wären der Verlust von vielen der derzeit 28 Mio. Arbeitsplätzen im Agrarsektor und die Aufgabe von Bauernhöfen zu befürchten.
Die Folge: Europa wäre zunehmend von Importen aus Nicht-EU-Staaten abhängig. „Damit geht die Kontrolle über die Produktionsbedingungen, den Preis und die Verfügbarkeit verloren. Lebensmittel- und Versorgungssicherheit sind dann nicht mehr garantiert. Das kann den Verbrauchern nicht gleichgültig sein“, so Tiefenthaler.
Aus diesem Grund erteilten die europäischen Bauern dem Handelsliberalisierungsprogramm Mercosur eine klare Absage. „Eine stärkere Öffnung der europäischen Märkte für Lateinamerika hätte verheerende Folgen für den Fleischmarkt und den Obst- und Gemüsesektor.“


Bildtext: SBB-Vizeobmann Viktor Peintner, Obmann Leo Tiefenthaler, Direktor Siegfried Rinner und Vizeobmann Seppl Lamprecht mit dem Vorsitzenden des Agrarausschusses des EU-Parlaments Paolo de Castro.