Bauernbund | 26.08.2010

„Almwirtschaft ist gelebter Naturschutz“

Der Südtiroler Bauernbund wird auch künftig eine sanfte Erschließung der Almen unterstützen. Das hat der Landesbauernrat auf seiner heutigen Sitzung beschlossen. Denn wer Almen erhalten will, müsse sie erschließen und damit für die Berglandwirtschaft zugänglich machen. Almwirtschaft sei gelebter Naturschutz. Wer hingegen Almwege verhindern will, setze die Zukunft der Almen aufs Spiel – und damit auch die der Berglandwirtschaft.

Seit Jahrhunderten ist die Almwirtschaft eng mit der Viehwirtschaft verknüpft. Durch die Alpung der Tiere im Sommer und das Mähen der Almen sind charakteristische Landschaften entstanden. Diese Ökosysteme würden sog. Naturschützer nun aufs Spiel setzen. „Die Kritiker der Almerschließung vergessen, dass Almen nicht etwas natürlich Gegebenes, sondern von Menschen geschaffene offene Landschaften sind. Eine Bewirtschaftung ist für den Fortbestand der Almen deshalb unerlässlich. Wir werden uns auch zukünftig für eine sanfte Erschließung der Almen einsetzen. Wir sehen darin die einzige Möglichkeit, damit die Bauern ihren „Pflegeauftrag“ erfüllen können“, so Landesobmann Leo Tiefenthaler.
Denn nur wenn die Almen leicht zugänglich sind, werden sie bewirtschaftet, d. h. das Almgras gemäht oder Vieh aufgetrieben. „Heute kann niemand mehr verlangen, dass Bauern stundenlange Fußmärsche in Kauf nehmen, um auf die Alm zu gelangen. Ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, ohne entsprechende Wege das Vieh auf die Alm zu bringen, tierärztlich zu behandeln oder das Heu ins Tal zu liefern“, beschreibt Tiefenthaler die Situation.

Zukunft der Berglandwirtschaft nicht aufs Spiel setzen
Für den Landesbauernrat würden die Kritiker von Almwegen aber auch vergessen, dass die Berglandwirtschaft die Almen braucht. „Die Alpung der Tiere in den Sommermonaten bedeutet für die Bauern eine wesentliche Arbeitsentlastung und somit mehr Zeit für die Heuernte auf den Höfen. Zudem können sie das eingesparte Futter in den Wintermonaten gut gebrauchen.“ Wer also gegen eine Erschließung und damit gegen die Almbewirtschaftung sei, sei auch gegen die Berglandwirtschaft. Und wer eine Renaturierung fordere, gefährde eine enorme Tier- und Pflanzenvielfalt. „Knapp die Hälfte der alpinen Pflanzenarten und beispielsweise 71 Prozent der Heuschreckenarten sowie einige hundert Schmetterlingsarten finden wir auf den Almen. Zudem werden sie, aufgrund der zunehmenden Erwärmung in den tieferen Lagen, immer mehr Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen“, so Tiefenthaler.
Was passiert, wenn Almen sich selbst überlassen werden, zeigt sich in der Provinz Belluno. „Nicht bewirtschaftete Almen verwildern und verstrauchen. Wo es früher unzählige offene Landschaften gab, greifen Sträucher immer mehr um sich. Ich stelle mir schon die Frage, ob wir das wollen und ob wir uns das leisten können“, so Tiefenthaler.


Almen wichtige Naherholungsgebiete
Vor allem aber sind Almen wichtige Naherholungsgebiete für Einheimische und Touristen. „Jeder sollte sich die Frage stellen, wo er lieber seine Freizeit verbringt: in einem verstrauchten und verwilderten Gebiet oder auf einer gepflegten Alm. Einheimische wünschen sich offenen Landschaften und Gäste kommen wegen der Aussicht zu uns und wollen sicherlich nicht nur im Wald stehen“, so Tiefenthaler.
Ganz abgesehen davon seien Almen wichtiger Bestandteil des Ländlichen Raumes und würden zur Lebensqualität in der Peripherie beitragen. Und die Unterstützung und den Erhalt des ländlichen Raums sowie der Kulturlandschaft hat sich der Bauernbund auf die Fahne geschrieben.


Bildtext: Ohne Bewirtschaftung durch die Bauern würden viele Südtiroler Almen nicht mehr so gepflegt aussehen.