Bauernbund | 29.07.2010

Nachdenkprozess hat begonnen

In knapp fünf Jahren kommt in der gesamten EU das Aus für die Milchquoten. Sowohl in Brüssel als auch in Südtirol läuft die Ideenschmiede für die Zeit danach langsam, aber sicher an.

In der Schweiz gibt es sie seit über einem Jahr nicht mehr, in der EU sind sie ein Auslaufmodell: die Milchquoten. Bei der Frage, ob es auch ab 2015 eine Mengenregelung für die Milchproduzenten geben soll – und wenn ja, wie diese auszusehen hat, gehen die Meinungen weit auseinander: Einige Staaten – unter anderem Frankreich, Griechenland und Portugal – möchten möglichst viel Reglementierung, Großbritannien, die Niederlande, Schweden, Dänemark und Deutschland wollen von einer Einschränlung der Marktkräfte nichts wissen. Auch die Vorschläge der eigens dafür eingesetzten „hochrangigen Expertengruppe Milch“ reichen über einige grundsätzliche Ideen wie die Stärkung von Erzeugerorganisationen und die Bildung von Branchenverbänden nicht hinaus.

Massive Überproduktion soll Folgen haben
Auch in Südtirol hat das Nachdenken über die Zeit nach der Milchquote begonnen. „Wir wollen auf jeden Fall sicherstellen, dass die Milchproduktion auch in Zukunft die Haupteinnahmequelle für die Bauern im Berggebiet bleibt und die Jungbauern eine Zukunft als Milchbauern haben“, unterstreicht Joachim Reinalter, der Obmann des Sennereiverbandes Südtirol. Eine massive Überproduktion könnte man zum Beispiel durch eine Marktpreisbindung für die Übermenge zu unterbinden versuchen. „Es kann nicht sein, dass der Milchpreis für alle in den Keller sinkt, nur weil einige wenige wie die Weltmeister Milch produzieren“, stellt Reinalter klar.
Die Politik will sich heraushalten. „Eine Art Preisdifferenzierung bei Überproduktion wird es wohl geben, auch die Regelung der Produktion über die Fläche ist eine Idee. Die genauen Regeln werden sich die Genossenschaften aber selbst ausmachen müssen“, unterstreicht Landesrat Berger. Er sieht darüber hinaus noch viel Spielraum für eine verstärkte Zusammenarbeit unter den einzelnen Milchhöfen. Für eine Fusion zu einem Südtiroler Milchhof sei „die Zeit noch nicht reif“, sagt Berger.