Bauernbund | 26.05.2010

„EU will flächendeckende Landwirtschaft“

Eine flächendeckende und funktionierende Landwirtschaft ist das politische Ziel der Europäische Kommission, erklärte Peter Kaltenegger von der Generaldirektion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission auf der gemeinsamen Sitzung des Südtiroler Landesbauernrates und der Bundesvorstehung des Tiroler Bauernbundes in der Wildschönau (Tirol).

Multifunktional, nachhaltig, wettbewerbsfähig und vor allem flächendeckend: So will die Europäische Union die Landwirtschaft auch nach dem Ende der Finanzperiode im Jahr 2013. „Die EU hat längst erkannt, dass die Zukunft des Ländlichen Raumes eng mit einer funktionierenden Landwirtschaft zusammenhängt. Daher ist es der erklärte politische Wille, dass die landwirtschaftliche Produktion auch nach 2013 abgesichert wird“, versicherte Kaltenegger.
Das gelte besonders für die Berglandwirtschaft. „Brüssel weiß, dass im Berggebiet die Arbeitsbedingungen schwieriger sind, die Erzeugungskosten höher und das Wachstum begrenzt. Hier muss auch weiterhin ein Ausgleich geschaffen werden.“
Erfreut über die Aussagen des EU-Experten waren der Südtiroler Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und sein Tiroler Amtskollege Anton Steixner. „Damit ist die EU-Kommission auf unserer Linie. Wir fordern auch weiterhin eine starke und gemeinsame Agrarpolitik mit einer starken ersten Säule, die die Direktzahlungen betrifft, und einer ebenso umfassenden zweiten Säule für die Ländliche Entwicklungspolitik.“ Besonders die Ausgleichszulage, die Höfe mit erschwerten Produktionsbedingungen erhalten, müsse aufgestockt oder zumindest beibehalten werden.
Dass dafür entsprechende Förderinstrumente nötig sind, weiß auch Kaltenegger. „Die Forderungen der Landwirtschaft sind nicht überzogen, wenn man bedenkt, dass sich die Kosten für die Gemeinsame Agrarpolitik derzeit auf 0,46 Prozent der gesamten öffentlichen Ausgaben der EU belaufen.“
Damit könne die Landwirtschaft auch weiterhin Leistungen erbringen, die die Gesellschaft wünscht. „Die nachhaltige Produktion von gesunden Lebensmitteln, die Einhaltung hoher Tier- und Umweltschutzstandards sowie die Pflege der Landschaft müssen abgegolten werden“, so Leo Tiefenthaler. Vor allem aber müsse die Landwirtschaft in die Lage versetzt werden, auf die neuen Herausforderungen, wie den Klimawandel, die Biodiversität, eine nachhaltige Wassernutzung und die Bereitstellung erneuerbarer Energieträger reagieren zu können.

Flächenverlust verhindern
Oberstes Ziel der EU-Agrarpolitik nach 2013 bleibt die Sicherung einer flächendeckenden Landwirtschaft „Wir müssen die Bauern auf ihren Höfen halten. Denn wenn der Bauern die Stalltüre erst einmal zugesperrt hat, bliebt diese meist für immer geschlossen – mit allen Konsequenzen, wie dem Verlust der Infrastruktur in der Region, der Abwanderung der Bevölkerung, dem Verlust von Arbeitsplätzen und der „Verwilderung“ der Landschaft“, so Kaltenegger. In den letzten Jahren hätten in den Gunstlagen 34 Prozent der Betriebe aufgegeben, aber nur vier Prozent der Fläche würde nicht mehr bewirtschaftet. Im Berggebiet seien im selben Zeitraum 19 Prozent Betriebe weniger, die bewirtschaftete Fläche hätte aber um elf Prozent abgenommen. „Das müssen wir in Zukunft verhindern. Und da dürfen uns 0,46 Prozent der EU-Ausgaben nicht zu viel sein“, so Kaltenegger.


Bild oben: Sie waren sich einig, dass die Berglandwirtschaft auch nach 2013 Unterstützung braucht: der Tiroler Bauernbund-Obmann und Landeshauptmann-Stellvertreter Anton Steixner, Peter Kaltenegger, Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und der Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol Josef Hechenberger.

Bild unten: Die Landwirtschaft im Berggebiet braucht eine starke und gemeinsame Agrarpolitik, die ein angemessenes Einkommen garantiert, Planungssicherheit gibt und die Verwaltung vereinfacht, waren sich Peter Kaltenegger und die Bauernbünde von Südtirol und Tirol einig.