Bauernbund | 30.03.2010

Landwirtschaft: Reformen gegen die Krise

Bauernbund begrüßt Confagricoltura-Projekt zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit

Mit Kosteneinsparungen, Steuererleichterungen und einem raschen Abbau der Bürokratie will der italienische Bauernverband Confagricoltura der Krise in der Landwirtschaft entgegenwirken, hat Präsident Federico Vecchioni auf dem Confagricoltura-Kongress in Taormina (Sizilien) angekündigt.
Der Südtiroler Bauernbund, der durch Obmann Leo Tiefenthaler und Stellvertreter Seppl Lamprecht vertreten war, unterstützt die Forderungen der Confagricoltura.

Die italienische Landwirtschaft ist in Krise. Die Exporte sind deutlich zurückgegangen, die landwirtschaftlich genutzte Fläche nimmt ab und von 100 Euro Umsatz im Lebensmittelsektor bleiben den italienischen Landwirten gerade einmal drei Euro.
Mit einschneidenden Reformen will die Confagricoltura die Situation der italienischen Landwirtschaft verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern.
Gekürzt werden sollen laut Vecchioni vor allem bei den Lohnnebenkosten in der Landwirtschaft, die mit 35 Prozent deutlich höher sind als etwa in Deutschland (23 Prozent) oder den Niederlanden (18 Prozent). „Die Confagricoltura möchte die Lohnnebenkosten um sieben Prozent senken, um auf den Weltmärkten wettbewerbsfähiger zu werden“, berichtet SBB-Obmann Leo Tiefenthaler. Die Gebührenermäßigung bei den Sozialabgaben im Berggebiet, die bis Ende Juli verlängert wurde, soll definitiv festgeschrieben werden. Die Beiträge für das nationale Unfallinstitut sollen um fünf Prozent gekürzt werden.
Reduziert werden müsse aber auch die immer größer werdende Bürokratie, so die Confagricoltura. Studien zufolge gibt ein italienischer Landwirt bis zu 10 Prozent seiner Kosten für die Verwaltung aus, für Wasser und Energie hingegen „nur“ fünf Prozent. „Wir schlagen vor, dass für Fördermaßnahmen der Europäischen Union nur mehr einmal in der siebenjährigen Planungsperiode angesucht werden muss und nicht mehr jährlich für immer dieselben Beiträge“, fasst Seppl Lamprecht zusammen.
Geht es nach dem Willen der Confagricoltura, soll es zukünftig Steuererleichterungen bei Betriebsübernahmen und Betriebsvergrößerungen geben. Damit könnten die Betriebe größer und konkurrenzfähiger werden. „Ein italienischer Bauer bewirtschaftet im Schnitt nur acht Hektar, in Frankreich sind es 52 Hektar, in Deutschland immerhin noch 46 Hektar“, so Tiefenthaler.
Aber auch beim Einkauf von Produktionsmitteln will die Confagricoltura die Schrauben andrehen und den Bauern Kosten sparen helfen. „Dafür müssen sich die Bauern stärker organisieren. Derzeit sind sie dem Handel ausgeliefert. Mit Einkaufsorganisationen soll die Macht der Käufer gestärkt werden“, so Lamprecht.
Die vorgeschlagenen Reformen der Confagricoltura werden vom Südtiroler Bauernbund begrüßt. „Die Maßnahmen sind dringend nötig und kommen auch der heimischen Landwirtschaft zugute. Zwar stehen Südtirols Bauern besser da als ihre italienischen Kollegen, aber eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit ist auch in Südtirol von Vorteil“, so Tiefenthaler.
Tiefenthaler und Lamprecht haben die Konferenz aber auch genutzt, um dem Präsidenten Federico Vecchioni und dem Vorsitzenden des EU-Agrarausschusses im Europäischen Parlament Paolo de Castro die Anliegen der Südtiroler Bergbauern vorzutragen. „Beide haben ein offenes Ohr für die Wünsche unserer Bergbauern gehabt und uns ihre Unterstützung zugesichert“, freuen sich Tiefenthaler und Lamprecht.


Bildtext: Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und sein Stellvertreter Seppl Lamprecht haben in Taormina die Forderungen der Südtiroler Berglandwirtschaft nach einer starken ersten und zweiten Säule der Agrarförderung und nach weniger Bürokratie dem Präsidenten der Confagricoltura Federico Vecchioni und dem Vorsitzenden des EU-Agrarausschusses Paolo de Castro vorgetragen.