Bauernbund | 09.03.2010

„Aufs Ortsebene wichtige Akzente setzen“

Er ist als Bürgermeister von Pfalzen in die Politik eingestiegen. Welche Erinnerungen Landeshauptmann Luis Durnwalder an diese Zeit hat, was er von der Forderung nach mehr Finanzmittel für die Gemeinden hält und wieso es viele Bäuerinnen und Bauern in den Gemeinden braucht, erklärt er im Interview mit www.sbb.it

sbb.it: In knapp zwei Monaten wird in Südtirols Gemeinden gewählt. Warum ist es gerade für die Landwirtschaft wichtig, gut in den Gemeindestuben vertreten zu sein?
LH Luis Durnwalder:
Gerade die Vertreter der bäuerlichen Gesellschaft beweisen seit jeher ihren tatkräftigen Einsatz für das Gemeinwohl, ganz besonders aber für die Landwirtschaft und generell für die Lösung der spezifischen Probleme im Ländlichen Raum. Dies geschieht durch die aktive Mitarbeit in Gremien, Organisationen, Vereinen, Verbänden und eben auch in den Gemeindestuben. Bis heute war der Bauernstand in den Gemeinderäten, in den Ausschüssen und auch an der Spitze diverser Gemeinden zahlreich und federführend vertreten. Die Bäuerinnen und Bauern sind sich nämlich bewusst, dass es Aufgabe der Politik ist, nicht müde zu werden, für die Landwirtschaft und für eine gesunde Entwicklung des Ländlichen Raumes auf allen Ebenen bestmögliche Lösungen zu suchen. Dabei gilt es vor allem auch auf Ortsebene wichtige Akzente zu setzen. Dies garantiert nur eine starke Vertretung des Bauernstandes in den Gemeindestuben.

Präsident Arnold Schuler hat in einem „Südtiroler Landwirt“-Interview eine „Reform“ der Gemeinden und eine bessere finanzielle Ausstattung gefordert. Welche Veränderungen sind notwendig?
Jede Körperschaft, so auch die Gemeinde, muss sich ständig an die neuen Gegebenheiten anpassen. Man kann durchaus sagen, dass die Finanzausstattung für die Gemeinden Südtirols gut ist. Über die Aufteilung der Gelder unter den Gemeinden erwarte ich mir konkrete Vorschläge seitens des Gemeindenverbandes. Dann werden wir darüber sprechen.

Nach Ihrem Treffen mit dem Niederösterreichischen Landeshauptmann und persönlichem Freund Erwin Pröll soll nun jedes Dorf ein Dorferneuerungskonzept nach niederösterreichischem Vorbild vorlegen. Was ist das Ziel einer „Dorferneuerungspolitik“?
Ja, die Südtiroler Landesregierung will in die Dorferneuerung und in die entsprechenden Konzepte künftig verstärkt investieren. Dabei soll in den nächsten Jahren möglichst für jede Gemeinde, die Interesse äußert, ein Dorferneuerungs-Konzept erarbeitet werden, das wir von Seiten des Landes mit der nötigen Beratung und einer eventuellen Anschubfinanzierung unterstützen. Niederösterreich ist in diesem Bereich europaweit führend, weshalb sich nun eine Delegation vor Ort mit dem niederösterreichischen Modell der Dorferneuerung befassen wird. In diesem Zusammenhang möchte ich unterstreichen, dass zwar der Standard der heimischen Dörfer in Sachen Infrastruktur sehr hoch ist, dass jedoch das Angebot auf Ortsebene besser vernetzt werden muss. So haben wir in den vergangenen Jahren unzählige Einrichtungen in den unterschiedlichsten Bereichen geschaffen. Diese Angebote müssen besser aufeinander abgestimmt werden, besser zusammenarbeiten, damit die Auslastung verbessert, und so der Nutzen für die Bevölkerung erhöht werden kann. Wir möchten dazu eine eigene Beratungsstruktur in Südtirol aufzubauen, von der alle Gemeinden Gebrauch machen können.

Sie waren früher selbst einmal Bürgermeister. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Durchaus eine gute Erinnerung. Damals herrschte Aufbruchstimmung. Vieles musste erst von Grund auf errichtet und neu geschaffen werden. Als sehr junger Bürgermeister - durch Zufall in die Gemeindepolitik gekommen - waren meine Mitstreiter und ich hoch motiviert, für die Heimatgemeinde zu arbeiten. Damals fehlten in meiner Heimatgemeinde noch wichtige Einrichtungen wie beispielsweise Sportstätten, Kindergarten, Vereinshaus, Feuerwehrhallen, Postamt, die Erschließung von Berghöfen, Umweltanlagen und noch Vieles mehr. Meine Nachfolger und ich haben uns tatkräftig um die Verwirklichung dieser wichtigen Einrichtungen bemüht. Heute ist Pfalzen eine moderne Gemeinde mit hoher Lebensqualität.

Int.: Michael Deltedesco