Bauernbund | 07.03.2010

Schweiz: Preisdruck in der Landwirtschaft bringt Konsumenten wenig

Geringere Milch- und Schweinepreise kamen nur zum Teil im Regal an

Die Schweizer Konsumenten profitieren nur wenig von sinkenden Preisen auf den Agrarmärkten. Das hält das eidgenössische Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) in seinem neuen Marktbeobachtungs-Bericht fest. So wurden die im Vorjahr stark gesunkenen Erzeugermilchpreise nicht in vollem Umfang an die Konsumenten weitergegeben. Noch schlechter stellt sich die Situation bei Schweinefleisch dar, so der BLW-Bericht.

Der Druck auf die Produzentenpreise in der Schweizer Landwirtschaft hat sich im vergangenen Jahr deutlich erhöht. Die neuesten Zahlen des BLW-Fachbereiches Marktbeobachtung zeigen, dass die Bauern für die Rohmilch zur Herstellung von Konsummilch 2008 - einem Jahr mit einem außerordentlich hohen durchschnittlichen Erzeugerpreis - 78,87 Rappen je Liter erhielten. Im Jahr 2009 bekamen sie für dieselbe Milch im Schnitt nur noch 64,68 Rappen (umgerechnet 43 Cent). Obwohl die Landwirte also 14 Rappen weniger für einen Liter Milch bekamen, verbilligte sich diese im Detailhandel für die Konsumenten lediglich um 10,46 Rappen. Im Durchschnitt wurde 2009 ein Liter Konsummilch im Detailhandel für 1,39 Franken (93 Cent) verkauft. Aber nicht nur die Milchbauern mussten Einbußen in Kauf nehmen. Für Schweine erhielten die Schweizer Produzenten im Jahr 2009 rund 60 Rappen/kg Schlachtgewicht weniger als im Jahr zuvor. Im Detailhandel wurde das Schweinefleisch den Konsumenten im Durchschnitt um 11 Rappen billiger angeboten.

Bauern, Verarbeiter, Verteil- und Detailhandel sind verpflichtet, dem BLW regelmäßig ihre Marktdaten mitzuteilen. Davon sollen nun auch die Konsumenten profitieren. Auf einer eigens eingerichteten Seite auf www.blw.admin.ch werden künftig unter der Rubrik Aktuell/Marktbeobachtung regelmäßig Daten über die Preisentwicklung von Milch, Fleisch, Früchten, Gemüse, Kartoffeln und Getreide publiziert. Ebenso finden Konsumenten, die bewusst hochwertige und unter ökologischen Bedingungen hergestellte Schweizer Landwirtschaftsprodukte einkaufen möchten, auf dieser Website eine Saisontabelle der meist gekauften Früchte- und Gemüsearten.

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) fühlt sich nunmehr in seinen Beobachtungen bestätigt. "Wir begrüßen es sehr, dass das Bundesamt die Margen berechnet ", erklärt SBV-Präsident Hansjörg Walter gegenüber der eidgenössischen "Bauernzeitung ". Die Erzeugerpreise seien in den vergangenen 15 Jahren im Schnitt um ein Viertel gesunken, die Konsumentenpreise hätten sich jedoch in dieser Zeit sogar erhöht. Es stelle sich die Frage, wohin die Einsparungen bei den Rohstoffen verschwunden sind. Leider sei der Anteil der Produzentenpreise am Endpreis immer mehr gesunken, so Walter. Selbst wenn die Bauern ihre Erzeugnisse gratis abgeben sollten, würde dies wohl nicht zu einem deutlichen Preisabschlag im Supermarktregal führen. (Schluss) kam

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