Bauernbund | 26.02.2010

Gemeinsam die Segel für den Ländlichen Raum setzen

Zu noch mehr Zusammenarbeit im Ländlichen Raum hat Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler Politik und Verbände eingeladen. Die Chancen, die gemeinsame Initiativen von Landwirtschaft, Tourismus, Handel, Handwerk und anderen Organisationen sowie Politik bieten, werden noch immer zu wenig genutzt. Feierlicher Höhepunkt war die Verleihung des Bergbauernpreises an drei Familien.

Bereits jetzt arbeiten Bauernbund, der Hoteliers- und Gastwirteverband, der Landesverband der Handwerker, der Handels- und Dienstleistungsverband und andere sowie die Politik in vielen Bereichen zusammen. So haben die Verbände gemeinsam Widerstand gegen die Verschärfung der Bestimmungen im Bereich Arbeitssicherheit geleistet, sowie Bauernbund und HGV im Rahmen der Kampagne „Tourismus trifft Landwirtschaft“ zusammengearbeitet. „Darauf wollen wir aufbauen. Mit dem LVH werden wir in Kürze das Kooperationspotential analysieren und versuchen, gemeinsame Strategien zu entwickeln. Im Bereich Photovoltaik ist uns das gut gelungen“, so Tiefenthaler. Auch mit dem Handels- und Dienstleistungsverband sieht Tiefenthaler viele Schnittpunkte. Besonders die bäuerlichen Qualitätsprodukte böten unzählige Möglichkeiten der Zusammenarbeit, von der alle profitieren würden. Gleiches gelte für den HGV und die Touristiker, die „natürlichen“ Partner der Landwirtschaft.
An die Adresse der landwirtschaftlichen Genossenschaften richtete Tiefenthaler den Appell, noch mehr aufeinander zuzugehen. „Neue Absatzmärkte, die dringend nötig sind, können nur gemeinsam erschlossen werden“. Auch die Bäuerinnen und Bauern selbst müssen weiterhin zusammenstehen. Die kommenden Gemeinderatswahlen seien Gelegenheit dazu.
„Über allen Initiativen muss das Ziel stehen, den Ländlichen Raum zu stärken und als Lebens-, Arbeits- und Freizeitraum attraktiv zu halten“, so Tiefenthaler.

Seit 25 Jahren Dorferneuerungspolitik

Seit vielen Jahren setzt Niederösterreich auf eine starke Politik für den Ländlichen Raum – unter anderem sieht die Charta für den Ländlichen Raum dessen nachhaltige Entwicklung vor. „Seit 25 Jahren gibt es bei uns eine von mir initiierte Dorfentwicklungspolitik. Nach der geistigen und der optischen Entwicklung wollen wir nun eine soziale Entwicklung. Ziel ist, die soziale Modellregion Europas zu werden“, sagte der Niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll. Zwei der Schwerpunkte sind dabei die Altenpflege und die Bildung. „Wir schließen keine Schulen und schicken unsere Kinder nicht in die Städte. Jede auch noch so kleine Schule bleibt offen.“
Eine zentrale Rolle im Ländlichen Raum nimmt die Landwirtschaft ein. „Das Wohl der Peripherie ist eng mit dem der Landwirtschaft verbunden. Hat der Bauer Geld, hat es die ganze Welt, gilt auch heute noch. Die Landwirtschaft garantiert die Versorgungssicherheit bei Lebensmitteln und Energie. Vielleicht wird das in Zukunft wieder wichtiger“, so Pröll.
Eine zentrale Bedeutung hat in Niederösterreich die Kulturpolitik. „Eine starke Regionalkultur ist für den Ländlichen Raum unheimlich wichtig. Die kulturelle Nahversorgung ist wesentlich für die Attraktivität des Ländlichen Raumes.“
Ebenso wichtig sei, dass sich Stadt und Land nicht gleich entwickeln. „Das Land darf keine Kopie der Stadt werden, sondern muss eine Alternative dazu bleiben“, so Pröll. Ebenso wichtig sei eine gute Raumplanung und der Abbau von Spannungsfeldern. „Die Spannungsfelder Stadt und Land, Mobilität und Siedlungsdruck sowie Freizeit- und Arbeitsraum dürfen nicht zu einem Dauerthema werden.“

Vorsicht vor Kollaps
Einen „Politikwechsel“ forderte der Universitätsdozent Alfred W. Strigl. „Wenn wir die Welt weiter so ausbeuten, kommt es in 20 oder 30 Jahren zum Kollaps.“ Einziger Ausweg sei eine nachhaltige Wirtschaft. „Nachhaltig heißt, dass wir nicht mehr nutzen als nachwächst. Das gilt für die Landwirtschaft, aber auch für die anderen Gesellschaftsgruppen und Sektoren.“ 


„Helden unserer Zeit“
Feierlicher Höhepunkt war die Verleihung des Bergbauernpreises an die Familien Hermann Huber aus Pfunders, Giuseppe Rubatscher aus Wengen und Ferdinand Plattner aus Flaas oberhalb von Jenesien. „Sie bewirtschaften nicht nur mustergültig ihre Höfe, sondern engagieren sich auch ehrenamtlich in vielen Vereinen. Sie sind Vorbilder, sie sind Helden unserer Zeit“, lobte Leo Tiefenthaler.
Eine ganz besondere Auszeichnung hat der ehemalige EU-Abgeordnete Michl Ebner erhalten. Er wurde für seinen Einsatz für die heimische Landwirtschaft mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Südtiroler Bauernbundes geehrt.


Fotos:
- Landesobmann Leo Tiefenthaler
- Niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll
- Universitätsdozent Alfred W. Strigl
- Besucher der diesjährigen Landesversammlung

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