Bauernbund | 22.02.2010

„Sind auf der Seite der Südtiroler Bauern“

EU-Milchmarktordnung, Arbeitssicherheit, Bürokratieabbau und der Zu- und Nebenerwerb: Bei der Durchsetzung der Anliegen der heimischen Bauern bekommt der Südtiroler Bauernbund Unterstützung vom nationalen Bauernverband Confagricoltura. Das hat Präsident Federico Vecchioni bei einem Besuch im Südtiroler Bauernbund zugesichert.

Dass der Südtiroler Bauernbund auf den einflussreichen und regierungsnahen italienischen Bauernverband Confagricoltura als starken Partner zählen kann und er „auf der Seite der Südtiroler Bauern“ ist, daran hat Federico Vecchioni beim Treffen in Bozen keinen Zweifel gelassen. Bestes Beispiel ist die europäische Milchmarktpolitik nach 2013. „Die Confagricoltura wird in Übereinstimmung mit dem Südtiroler Bauernbund über den europäischen Bauernverband COPA Vorschläge zur Stabilisierung der Preise vorlegen“, freute sich Landesobmann Leo Tiefenthaler.
Noch stärker als bei den Verhandlungen in Brüssel setzt der Südtiroler Bauernbund in Rom auf die Schützenhilfe der Confagricoltura. So wollen beide das Voucher-System ausbauen. Derzeit können mit den Wertgutscheinen nämlich nur Studenten und Pensionisten, die saisonal in der Landwirtschaft beschäftigt sind, bezahlt werden. Zukünftig soll das System auf alle Saisonarbeiter ausgeweitet werden. „Die Voucher ersparen den bäuerlichen Betrieben Ämtergänge und komplizierte Lohnabrechnungen“, erklärte SBB-Direktor Siegfried Rinner.
Unterstützung erhalten der Südtiroler Bauernbund und Landesrat Hans Berger bei ihrem Widerstand gegen neue Auflagen im Bereich der Arbeitssicherheit und des Abfalltransportes, die mit erheblichem bürokratischem, technischem und zeitlichem Mehraufwand verbunden wären. „Natürlich hat die Sicherheit in diesen Bereichen Vorrang und ist in unserem eigenen Interesse. Die Frage ist nur, wie man sie erreicht. Zettel schaffen keine Sicherheit“, so Tiefenthaler.
Einsetzen will sich Vecchioni auch dafür, dass die Reduzierung der Sozialabgaben in Berggebieten über den 31. Juli 2010 hinaus verlängert wird. Diese Regelung entlastet die bäuerlichen Arbeitgeber für die erschwerten Produktionsbedingungen in den Berggebieten.

Leer stehende Gebäude für UaB nutzen
Der Confagricoltura-Präsident aus Grosseto in der Toskana, der selbst Wein und Getreide anbaut und einen Urlaub auf dem Bauernhof-Betrieb führt, sprach sich dafür aus, leer stehende Gebäude für touristische Zwecke zu nutzen. „In der Region Toskana werden solche Initiativen besonders gefördert.“

„GVO-Verbot ist wettbewerbsverzerrend
Nicht einer Meinung waren sich Tiefenthaler, Berger und Vecchioni beim Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut. Berger und Tiefenthaler haben Vecchioni klar zu verstehen gegeben, „dass ein Anbau in Südtirol nicht in Frage kommt.“ Vecchioni zeigte Verständnis dafür, dass einzelne Regionen in Italien diesen Weg gehen. Auf gesamtstaatlicher Ebene spricht er sich aber für Koexistenzpläne aus, die sowohl den ökologischen und konventionellen Anbau als auch jenen von GVO ermöglichen. Vecchioni bemängelte, dass der Staat hier säumig sei und diese Pläne noch nicht vorgelegt hätte. „Dies kommt einem De-facto-Verbot gentechnisch veränderter Organismen gleich, und das halte ich für wettbewerbsverzerrend“, sagte Vecchioni.

Südtiroler Anliegen voran treiben
Das nächste Wiedersehen mit Vecchioni steht vom 25. bis 27. März an. Dann findet in Taormina auf Sizilien die Confagricoltura-Vollversammlung statt, zu unter anderem der EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos, die spanische Agrarratspräsidentin Elena Espinosa, der italienische Landwirtschaftsminister Luca Zaia und Parlamentspräsident Gianfranco Fini erwartet werden. Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler, Stellvertreter Seppl Lamprecht und Direktor Siegfried Rinner werden dort die Südtiroler Anliegen auf europäischer und italienischer Ebene einbringen.


Bildtext: Confagricoltura-Präsident Federico Vecchioni wird die Anliegen des Südtiroler Bauernbundes in Rom und Brüssel mittragen. Das hat er Landesrat Hans Berger und Obmann Leo Tiefenthaler zugesichert.