Bauernbund | 27.01.2010

„Berggebiete in zukünftiger Agrarpolitik verankern“

Die Absicherung der Berggebiete in der zukünftigen europäischen Agrarpolitik nach 2013 stand im Mittelpunkt eines Drei-Länder-Treffens, zu dem der Südtiroler Bauernbund in den Milchhof Sterzing geladen hatte. Gemeinsam mit den Verbänden in den übrigen Bergregionen soll ein starkes Netzwerk aufgebaut werden.

In den nächsten Monaten werden die Weichen für die zukünftige Agrarpolitik der EU bis 2020 gestellt. Dabei wollen die Bauernbünde von Südtirol, Tirol und Bayern ein Wörtchen mitreden. Ziel ist es, die Wünsche und Anliegen der Berglandwirtschaft in den entscheidenden Diskussionen einzubringen und in den Vorschlägen der EU-Kommission zu verankern. Konkret fordern die Bauernvertreter auch nach 2013 eine starke erste (Direktzahlungen) und zweite (Ländlicher Raum) Säule der Agrarpolitik. Einig waren sich die Teilnehmer auch, dass in der Ausgleichszulage der Schlüssel für die Zukunft der Berglandwirtschaft liegt. „Sie ist die gerechteste Förderung, weil damit die natürlichen Erschwernisse der Berggebiete und die hohen Standards in Umwelt-, Landschafts- und Tierschutz abgegolten werden“, erklärte Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler. Im Falle von stärkeren Preisschwankungen fordern die Berggebiete ein Sicherheitsnetz für die Agrarmärkte. „Wenn die Preise deutlich fallen, dürfen wir unsere Bauern nicht im Regen stehen lassen“, so der Direktor für Agrarpolitik im Bayerischen Bauernverband Matthias Borst. Die bestehenden Kontrollaufgaben sollen vereinfacht werden.
Neue Schwerpunkte in der Vermarktung der bäuerlichen Produkte forderte der Tiroler Agrarlandesrat und Bauernbund-Obmann Anton Steixner. „Unsere Vermarktungsbetriebe müssen stärker unterstützt werden. Wie im Obst- und Weinbau sollte es auch für Milchhöfe eine Investitionsförderung in Form eines Operationellen Programms geben“.
Um die Wünsche der Berggebiete im Vorschlag der EU-Kommission unterzubringen, haben die Bauernverbände eine intensive Lobby-Arbeit angekündigt. „Bei den Treffen in Krün und Alpbach ist bereits eine gute Vorarbeit geleistet worden. Wir haben erreicht, dass in Brüssel über die Berggebiete geredet wird. Nun müssen aber Taten folgen“, stellten Tiefenthaler und Steixner klar.
Bereits im März werden der Südtiroler Bauernbund und EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann deshalb in Brüssel mit dem Vorsitzenden des EU-Agrarausschusses Paolo de Castro zusammentreffen. Der Tiroler Bauernbund hofft, dass die Berggebiete über den neuen Kabinettschef Georg Häusler in den obersten Brüsseler Beamtenbüros Gehör finden. „Der Tiroler Bergbauernsohn weiß um die Situation in den Berggebieten. Er wird unser Fürsprecher werden“, ist Anton Steixner überzeugt. Der Bayerische Bauernverband wird über die deutsche Agrarministerin Ilse Aigner die Anliegen in den EU-Agrarministerrat tragen. Zudem sollen der neue EU-Agrarkommissar und die Parlamentarier der betroffenen Länder verstärkt eingebunden werden. Und nicht zuletzt müssen die Bergregionen noch enger als bisher zusammenarbeiten. „Wir wollen nach Frankreich und Slowenien auch Spanien mit ins Boot holen. Immerhin hat Spanien am meisten Berggebiet“, so Matthias Borst. Nur wenn alle an einem Strang ziehen und möglichst viele die Position der Berggebiete mittragen würden, hätten die Anliegen der Bergregionen eine Chance. Und diese gelte es zu nutzen.

Bildtext: Einig waren sich die Teilnehmer des Drei-Länder-Treffens, dass nur mit vielen Verbündeten die Anliegen der Bergregionen in Brüssel ausreichend Gehör finden werden. Daher wird am Aufbau eines starken Netzwerkes gearbeitet.