Bauernbund | 21.12.2009

Copa/Cogeca: Sinkende EU-Agrareinkommen zeigen Bedeutung der GAP-Mittel

Kommission muss Marktordnungsinstrumente weiterhin nützen

Brüssel, 21. Dezember 2009 (www.aiz.info). - Aufgrund des drastischen Einbruchs des landwirtschaftlichen Einkommens 2009 in der EU (im Schnitt minus 12%) rufen die europäischen Bauern- und Genossenschaftsverbände Copa/Cogeca die EU-Kommission zu umgehendem Handeln auf. Sie fordern, alle Instrumente zur Verwaltung der Agrarmärkte der EU zu nutzen sowie die Verfügbarkeit von Mitteln zur Finanzierung einer starken Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2013 sicherzustellen. EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel erklärte in einer ersten Reaktion auf diese Einkommensschätzung, die Wirtschaftskrise habe offensichtlich auch den Agrarsektor erreicht und durch einen geringeren Bedarf an Nahrungsmitteln und gleichzeitig relativ hohe Produktionskosten zu dieser unbefriedigenden Situation geführt.

"Diese Situation ist schlicht inakzeptabel. Die Landwirte in der EU haben dieses Jahr in allen Bereichen eine schwere Krise durchlebt. Sie befinden sich in der Zwickmühle zwischen niedrigsten Erzeugerpreisen und hohen Produktionskosten. Das Einkommen der Landwirte beträgt im Mittel weniger als 50% des Durchschnittseinkommens in der EU und die extreme Preisvolatilität auf den Märkten stellt die Betriebe vor große Probleme. Außerdem sind sie immer größeren Wetterschwankungen wie Dürren und Überschwemmungen ausgesetzt", unterstrich Copa-Präsident Padraig Walshe.

Der Markt funktioniere einfach nicht richtig. Folglich müsse die EU-Kommission alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um den Markt angemessen zu verwalten. Die Position der Landwirte in der Lebensmittelkette sei zu stärken, was durch eine Konzentration des Angebots in den Genossenschaften und Erzeugerorganisationen erreicht werden könnte.

GAP-Mittel machen nur 0,4% des BIP aus
Der Generalsekretär von Copa/Cogeca, Pekka Pesonen, fordert in diesem Zusammenhang ausreichende Mittel zur Finanzierung einer starken künftigen GAP. "Ohne adäquate Hilfen wird die landwirtschaftliche Produktion in der EU weiter abnehmen und einen drastischen Anstieg der Verbraucherpreise für Lebensmittel zur Folge haben. Das ist auch deshalb besorgniserregend, weil nach Angaben der FAO die globale Lebensmittelproduktion bis 2050 verdoppelt werden muss, um der wachsenden Nachfrage gerecht werden zu können", warnte Pesonen.

Der Haushalt der GAP mache ohnehin lediglich 0,4% des BIP aus. Ohne die Gemeinsame Agrarpolitik würden die Verbraucher von Lebensmittelimporten abhängen, für die keinerlei Kontrolle über die Produktionsbedingungen, die Preise oder die Verfügbarkeit bestehe, so der Generalsekretär. Eine starke GAP, die die richtigen Instrumente und Anreize biete, um das Einkommen der Landwirte zu erhalten und um sicherzustellen, dass sie ihre Rolle beim Umgang mit den künftigen Herausforderungen wahrnehmen können, sei daher unerlässlich.

Fischer Boel: Kommission hält an Gemeinsamer Agrarpolitik fest
Fischer Boel verwies angesichts der negativen Einkommensentwicklung auf die Bedeutung der Direktzahlungen. Diese würden auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen, um den Landwirten ein Grundeinkommen zu garantieren. Das sei auch angesichts stark schwankender Erzeugerpreise wichtig. Marktordnungsinstrumente könnten diesbezüglich auch als Sicherheitsnetz bei kritischen Situationen dienen. Die Kommission werde sich auch weiterhin bemühen, den Betrieben zu helfen und halte an einer starken, modernen und effektiven Gemeinsamen Agrarpolitik fest, so Fischer Boel.