Steuerberatung | 26.11.2009

Befreite Betriebe - Kontrollen zum Jahresende

Damit ein Landwirtschaftsbetrieb von der MwSt.-Registerführung befreit ist muss er verschiedene Voraussetzungen erfüllen.

Befreite Landwirtschaftsbetriebe - Kontrollen zum Jahresende
Der Umsatz des Vorjahres (ohne Verkäufe von Anlagegütern und innerbetrieblichen Umsätzen) muss unter 7.000,00 Euro liegen und zumindest zu zwei Dritteln aus dem Verkauf von selbst erzeugten landwirtschaftlichen Produkten (mit Kompensierungssätzen) bestehen. Und sämtliche Verkäufe des laufenden Jahres, einschließlich der Veräußerung von Anlagegütern, müssen ebenfalls zu zwei Dritteln aus dem Verkauf von selbst erzeugten landwirtschaftlichen Produkten bestehen.

Das genannte Zwei-Drittel-Verhältnis kann gesprengt werden indem nicht-landwirtschaftliche Produkte wie z.B. Fleisch, Säfte, Marmeladen oder andere Produkte ohne MwSt.-Kompensierungssatz verkauft werden. Diese Güter gelten zwar für die Einkommenssteuer als landwirtschaftliche Produkte, nicht aber für die Mehrwertsteuer.
Außerdem kann der Verkauf von gebrauchten Maschinen oder Geräten, von Baugrund oder die Erbringung von Dienstleistungen dazu führen, dass dieses Zwei-Drittel-Verhältnis nicht mehr eingehalten wird.
Wurden solche Verkäufe getätigt, muss zum Jahresende kontrolliert werden, ob alle Voraussetzungen für die Befreiung von der MwSt.-Registerführung noch gegeben sind, und ob die kassierte Mehrwertsteuer auf den Verkauf von nicht-landwirtschaftlichen Produkten geschuldet ist. Dazu muss als aller erstes der Umsatz ermittelt werden. Dieser umfasst die Steuergrundlage aller Verkäufe landwirtschaftlicher und nicht-landwirtschaftlicher Produkte sowie Dienstleistungen auf Grund von Eigenrechnungen und die Steuergrundlage sämtlicher Tageseinnahmen bei Verkäufen an Endverbraucher, an andere befreite Landwirtschaftsbetriebe oder an nicht MwSt.-pflichtige Personen. Der Umsatz beinhaltet also nicht die Mehrwertsteuer. Deshalb muss bei den Tageseinnahmen die Steuergrundlage und die Mehrwertsteuer durch „Herauslösen“ ermittelt werden.
Der Verkauf von Anlagegütern und innerbetriebliche Verkäufe zählen nicht zum Umsatz.

Anhand des nachfolgenden Beispiels sollen die drei notwendigen Kontrollen zum Jahresende aufgezeigt werden.

LANDW. PRODUKTE      Gesamtbetr.     Steuergrundl.  Komp.satz    MwSt.
EIGENRECHNUNGEN             
Milchanlieferung an Genossenschaft  3.264,00  3.000,00  8,8 %  264,00
Verkauf eines Rindes an Metzger  856,00  800,00  7 %  56,00
TAGESEINNAHMEN        
Verkauf eines Rindes an Privatpers.  900,00  841,12   7 %   58,88       
VERKÄUFE LANDW. GÜTER
4.641,12

NICHT-LANDWIRT. PRODUKTE
DIENSTLEISTUNGEN
Gesamtbetr. Steuergrundl. MwSt.Satz MwSt.
EIGENRECHNUNGEN



Dienstleistung an einen Unternehmer 240,00 200,00 20% 40,00
TAGESEINNAHMEN



Verkauf einer Maschine an einen befreiten Landwirtschaftsbetrieb 2.700,00 2.250,00 20% 450,00
VERKÄUFE NICHT LANDW. PRODUKTE UND DIENSTL.
2.450,00

UMSATZ
4.841,12

GESAMTE VERKÄUFE
7.091,12


Der Vorjahresumsatz
Damit ein Landwirtschaftsbetrieb von der Registerführung befreit ist, muss der Vorjahresumsatz unter 7.000,00 Euro liegen.
Im obigen Beispiel beträgt der Umsatz 4.841,12 Euro. Damit ist der Landwirtschaftsbetrieb im Folgejahr von der Registerführung befreit, sofern auch das Zwei-Drittel-Verhältnis erfüllt wird.

Zwei-Drittel-Verhältnis – Registerführung im Folgejahr
Der Vorjahresumsatz (Verkäufe ohne Anlagegüter und innerbetriebliche Umsätze) muss zu zwei Dritteln aus dem Verkauf von selbst erzeugten landwirtschaftlichen Produkten bestehen.
Im obigen Beispiel beträgt der Umsatz 4.841,12 Euro und der Verkauf an landwirtschaftlichen Produkten 4.641,12 Euro. Damit besteht der Umsatz zu 95,57 Prozent aus dem Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten und das Zwei-Drittel-Verhältnis (66,67 Prozent) wird eingehalten.
Der Landwirtschaftsbetrieb ist im Folgejahr von der MwSt.-Registerführung befreit.
Rechnung: Verkauf landw. Güter / Umsatz (4.641,12 / 4.841,12) = 95,57%

Zwei-Drittel-Verhältnis aller Verkäufe im laufenden Jahr
Sämtliche Verkäufe im laufenden Jahr (einschließlich der Veräußerung von Anlagegütern) müssen zu zwei Dritteln aus den Verkauf von selbst erzeugten landwirtschaftlichen Produkten bestehen.
Im Beispiel beträgt die Steuergrundlage aller Verkäufe und Dienstleistungen 7.091,12 Euro und der Verkauf an landwirtschaftlichen Produkten 4.641,12 Euro.
Damit sind nur 65 Prozent aller Verkäufe landwirtschaftliche Produkte und das Zwei-Drittel-Verhältnis im laufenden Jahr wird nicht eingehalten.
Rechnung: Verkauf landw. Produkte / gesamte Verkäufe (4.641,12 / 7.091,12) = 65,45%

Verpflichtungen
Wird im laufenden Jahr das Zwei-Drittel-Verhältnis nicht eingehalten, so müssen die MwSt.-Register für dieses Jahr nachgeholt und alle erhaltenen Eigenrechnungen und die Tageseinnahmen sowie alle Eingangsrechnungen registriert werden.
Die MwSt.-Jahreserklärung und die IRAP-Erklärung sind abzufassen. Die Mehrwertsteuer aus dem Verkauf von nicht landwirtschaftlichen Produkten (Güter ohne Kompensierungssatz, Maschinen und Geräte, Baugrund) und Dienstleistungen muss bis 16. März des Folgejahres eingezahlt werden. In unserem Beispiel müssen 490,00 Euro (20% auf 2.250,00 und auf 200,00 Euro) aus dem Verkauf der Maschine und der Erbringung der Dienstleistung an den Staat abgeführt werden. Aus diesem Grund ist es wichtig den Verkaufspreis immer netto Mehrwertsteuer zu vereinbaren, die Mehrwertsteuer dazu zurechnen und auch zu kassieren. Die geschuldete Netto-Wertschöpfungssteuer IRAP wird zusammen mit den Zahlungen aus der Steuererklärung entrichtet.
Für weitere Informationen können sich betroffenen Betriebe an die Abteilung Steuerberatung des zuständigen Bezirks wenden.