Bauernbund | 14.10.2009

Eine ausreichende Ernährung für die gesamte Menschheit

Überlegungen zum Hunger in der Welt am Tag der Welternährung 2009 (Von Wolfgang Drahorad und Massimo Tagliavini, Laureatskurs für Wissenschaften und Agrartechnik Fakultät für Naturwissenschaften und Technologie Freie Universität Bozen)

Am 16. Oktober wird wie jedes Jahr der Tag der Welternährung veranstaltet „The word food day“. Die Weltorganisationen wie die FAO (Food and Agricolture Organisation for the United Nations), das WFP (World Food Programme) und die Weltbank haben das Motto des Tages für die Welternährung herausgegeben:
„ Wie eine ausreichende Ernährung in Zeiten der Krise sichern“.
Schon im vergangenen Jahr haben wir in einer Pressemitteilung für die Südtiroler Medien einen dringenden Aufruf der FAO veröffentlicht. Dieser berichtete von einer dramatischen Zunahme der Anzahl Hungernder in der Welt, bis über 900 Millionen Personen.
Eine Entwicklung die das Jahrtausendziel: „Millenium Development Goal“ Hunger und Armut auf der Welt innerhalb 2015 zu halbieren, in weite Ferne rückt. Seit vorigem Jahr hat sich die Situation deutlich verschlechtert. Nun sind es über einer Milliarde, ein Sechstel der Menschen, die sich aufgrund der Weltwirtschaftskrise nicht ausreichend ernähren können.
Wir haben somit im Laufe der langen Hungergeschichte der Menschheit einen traurigen Rekord erreicht.
Die Hungernden befinden sich hauptsächlich in den Entwicklungsländern. Die Schätzungen weisen hin auf 642 Millionen in Asien und Ozeanien, auf 265 Millionen in Afrika südlich der Sahara, 53 Millionen in Südamerika und 42 Millionen im mittleren Osten und Nordafrika.

Wie erwähnt, wer hungert, wer sich nicht umfassend ernähren kann leidet an Krankheiten welche es nicht erlauben in einem normalen, aktiven Leben die beruflichen Möglichkeiten und die kognitiven Fähigkeiten zu entfalten.
Es öffnet sich hiermit eine negative Spirale in welcher Armut Hunger zeugt und Hunger neue Armut.
Kinder und Frauen sind den Gefahren der Mangel- und Fehlernährung besonders ausgesetzt.
Obwohl 23 Millionen Kinder weltweit in Schulspeiseaktionen des WFP ernährt werden, leiden immer noch 40 -60% der Kinder in Entwicklungsländern an chronischen Eisenmangel.
684.000 Kinder könnten jedes Jahr mit Vitamin A und Zink vor Blindheit gerettet werden.
Die Frauen tragen weltweit zu über 60 % an der Produktion von Nahrungsmitteln und Familieneinkommen bei, doch sie sind betroffen von dem Mangel an geeigneten Nahrungsmitteln was sich besonders während der Schwangerschaft und der Zeit des Stillens dramatisch auswirkt. Der Hunger und die Fehlernährung sind laut der internationalen Organisation für Gesundheit (WHO) die größten Risiken für die menschliche Gesundheit, noch vor AIDS, Malaria und Tuberkulose.
Die Landwirtschaft kann weltweit genügend Nahrungsmittel erzeugen um den Bedarf der Menschheit zu befriedigen. Das Problem liegt in der Verteilung und im Mangel in jenen Regionen wo es sie am meisten brauchen würde.
Der Hunger in der Welt hat verschiedene Wurzeln: geschichtliche, wirtschaftliche, technische und meteorologische.
Die klimatischen Veränderungen bringen in gewissen Gebieten Trockenheit, Naturkatastrophen und Überschwemmungen. Sie sind laut FAO die wichtigsten Ursachen von Missernten. Seit dem Jahre 1950 sich bis heute haben sich die extremen Unwettergeschehen um das 14 fache erhöht. Seit dem Jahre 2006 hat eine ungewöhnliche Trockenheit das süd-östliche Afrika betroffen und Hungersnöte ausgelöst.
Die kriegerischen Konflikte spielten letzthin besonders in Afrika eine bedeutende Rolle. In Kriegsgebieten werden Bauern häufig zum Kriegsdienst eingezogen und darüber hinaus zahlt es sich nicht aus das Land zu bewirtschaften wenn es nicht sicher ist dass man die Früchte ernten kann.
Entwaldungen und schlechte Agrarpraxis verursachen einen Abbau der Bodenfruchtbarkeit. Es nimmt die Bodenerosion zu, sowie der Verlust an wertvollen Humus, zu große Vieheinheiten pro Flächeneinheit verdichten den Boden, in gewissen Gebieten versalzt er und es bilden bzw. es vergrößern sich Wüsten.
Die Verteuerung der Nahrungsmittel erreicht seit dem Jahre 2006 eine Steigerung von 24 %, mit einem Höhepunkt im Sommer 2008. Die Ursachen der Teuerung sind verschiedentlich. Sie liegen bei der Verringerung der Weltreserven an Grundnahrungsmittel, Missernten in Afrika und in Australien und Ausbreitung der Kulturen für Energiezwecken.
Zwei Beispiele diesbezüglich: 30 % der enormen USA Maisernte wird zu Energie verwandelt, fast die Hälfte der EU Rapsernte wird zu Biodiesel verarbeitet.
In den Entwicklungsländern erreichen die Ausgaben für Nahrungsmittel 60-80 % des Familieneinkommens in den westlichen Ländern sind es nur mehr 12-15 %. Leicht verständlich dass eine Erhöhung der Preise für Grundnahrungsmittel zusätzlich viele Familien in Hunger und Armut treibt.
Die Verminderung der Beiträge für die Landwirtschaft in den OECD Staaten hat zusätzlich einen Mechanismus in Gang gesetzt durch den sich Preise für Nahrungsmittel erhöhen.

Um den Hunger zu bekämpfen haben Experten große Hoffnungen auf neuen Agrartechniken gelegt, sowie auf neue Nutzpflanzen wie z. B. der trockenresistente Reis für Trockengebiete. Viele Böden könnten mit neuen Methoden kultiviert werden besonders wenn man sie bewässert. Es ist wichtig die regionale Kooperation zu verstärken, den Familienbetrieben den Zugang zu den Märkten verbessern, die Ausbildung, die Beratung und das Versuchswesen zu intensivieren.
Die Entwicklungsländer tendieren ihre Ressourcen in urbanen Projekten und oft auch in Rüstungen zu investieren. Doch sie müssen die Schwerpunkte verlagern in Richtung Verbesserung der Lebens- und Produktionsverhältnisse auf dem Lande. Sodass auch die bedenkliche Landflucht gestoppt werden kann.
Der Kampf gegen den Hunger ist ein Rennen gegen die Zeit. Die Weltbevölkerung wächst sehr schnell während die Erzeugung von Nahrungsmittel besonders dort nachhinkt wo sie am meisten gebraucht werden. Es sinkt dramatisch die für Nahrungsmittel angebaute Fläche pro Einwohner, während unser Lebensstil den knapper werdenden Ressourcen nicht mehr angepasst ist. Zu diesem Thema haben die Ökologen den Begriff „ökologischer Fußabdruck“
geprägt. Das ist ein Indikator der ein Verhältnis setzt zwischen den Verbrauch von natürlichen Ressourcen durch den Menschen und das Vermögen des Planeten diese zu regenerieren.
In der Praxis sagt uns dieser Index wie viel biologisch produktive Fläche der Mensch braucht für die Erzeugung von Nahrungsmittel und für die Entsorgung des Mülls.
Im Jahre 1961 hat die Welt 54% der Weltressourcen gebraucht. Im Jahre 2005 schon 131 %.
Beeindruckend sind diese Zahlen wenn man bedenkt dass sie auch die hungernde Bevölkerung beinhalten welche sicher nicht die Ressourcen unseres Planeten strapazieren.
Wenn die ganze Erdbevölkerung nach dem Modell Italien leben würde bräuchte man 2,3 mal, nach Amerikanischen Standards 4,5 mal unsere Erde.
Laut FAO entzünden sich die zukünftigen Konflikte im Kampf um Brot und Wasser für das jeder Erdbewohner ein Recht besitzt. Deren gleichmäßige Verteilung ist eine ethisch-moralische Pflicht.