Bauernbund | 13.09.2009

Südtiroler Qualitätsfleisch - Zusammenarbeit

Wie man die Herstellung von Qualitätsfleisch als Nische für Bauern aus- sowie eine optimale Vermarktungs- und Vertriebsschiene aufbauen kann, waren die Fragen, die Landesrat Hans Berger gestern mit Vertretern von Tierzuchtverbänden, Vertriebs- und Vermarktungsorganisationen diskutiert hat. Gesetzt werden soll vor allem auf eine fundierte Beratung der Produzenten.

Das Viehvermarktungskonsortium Kovieh hat mit Unterstützung des Bauernbundes und des Ressorts für Landwirtschaft ein Qualitätsfleischprogramm für Südtiroler Rindfleisch aufgebaut. Die Voraussetzungen sind geschaffen, nun gilt es, in einer zweiten Phase Angebot und Vertriebskanäle auszubauen. Aus diesem Grund brachte der Bauernbund alle potentiellen Partner, die das Projekt unterstützen können, an einen Tisch.
Andreas Huber von der Firma Gastrofresh, welche die Gastronomie vor allem mit Milchprodukten und Fleisch beliefert, beleuchtete den Markt für Südtiroler Rindfleisch aus Sicht des Gastronomie-Großhandels. 400 Südtiroler Rinder wären jährlich allein über die Gastrofresh absetzbar. „Um auf dem Markt Erfolg haben zu können, braucht es eine konstante Fleischqualität, einen leistungsfähigen und flexiblen Schlacht-, Zerlege- und Verarbeitungsbetrieb, eine flächendeckende Verteilung und entsprechendes Marketing“, zählte Huber auf. Derzeit vermarktet das Kovieh über das Qualitätsfleisch-Projekt rund 100 Stück Vieh jährlich, die Tendenz ist steigend.
Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler plädierte für eine starke Unterstützung der Mastviehhaltung durch die Tierzuchtverbände. „Es muss unser erklärtes Ziel sein, Betrieben, die keine Milch mehr stellen, Wege aufzuzeigen, wie sie weiterhin betriebswirtschaftlich sinnvoll Landwirtschaft und speziell Viehzucht betreiben können.“ Die Qualitätsfleischproduktion sei einer dieser Wege. Der Bauernbund werde weiterhin seinen aktiven Beitrag leisten.

Keine Konkurrenz zur Milchviehhaltung
Einig war man sich, dass die Mastviehhaltung nicht als Konkurrenz zur Milchviehhaltung gesehen werden soll, sondern als eine Schiene, die unter gewissen betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen eine Alternative sein kann. Gerade für kleine Viehbetriebe könnte die Produktion von Qualitätsfleisch eine interessante Nische sein.
Die Vertriebswege seien nicht das Problem, auch die Nachfrage sei gegeben. „Wo es derzeit aber noch fehlt, ist das Angebot an Qualitätsfleisch oder besser: Es fehlt an einem kontinuierlichen Angebot von Fleisch in gleichbleibend hoher Qualität“, erklärte Landwirtschafts-Landesrat Hans Berger. Der Ball liege damit bei den Produzenten, die für die Nische Qualitätsfleisch sensibilisiert und bei einem eventuellen Umstieg fachmännisch beraten werden sollen. Einig war man sich, dass das Qualitätsfleisch kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis der Einhaltung strenger Qualitätskriterien – etwa bei Haltung und Fütterung – ist.

Bauern bei Umstellung beraten
In diesen Bereichen sollen die Bauern, die an einer Umstellung auf die Qualitätsfleisch-Herstellung interessiert sind, von Fachleuten betreut und begleitet werden. „Wir haben uns darauf verständigt, dass diese Beratung von den Tierzuchtverbänden angeboten werden soll, und zwar rassenunabhängig und ohne weitere Berater einstellen zu müssen“, betonte der Landesrat. Um die durch neues Personal entstehenden zusätzlichen Kosten zu vermeiden, sollen die Berater, die bereits für die Tierzuchtverbände tätig sind, für den Bereich der Qualitätsfleischproduktion besonders geschult werden. Auch wurde vereinbart, dass in der Arbeitsgruppe, die das Qualitätsfleischprojekt umsetzt, in Zukunft auch Vertreter der drei Tierzuchtverbände vertreten sein sollen.
In einem Kurzbericht ging der Obmann des Sennereiverbandes, Joachim Rainalter, auf die derzeitige Situation am Milchmarkt ein. Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler dankte den Teilnehmern an der Aussprache abschließend für die konstruktive Zusammenarbeit im Dienste der Bauern und gab sich zuversichtlich, dass das Qualitätsfleischprojekt bei Einsatz aller Zukunft habe.


Bildtext:
Wollen in Sachen Qualitätsfleisch an einem Strang ziehen: LR Berger mit den Vertretern der Tierzuchtverbände, Vertriebs- und Vermarktungsorganisationen (Foto: LPA/Pertl)

Foto oben: Helmuth Rier