Bauernbund | 20.07.2009

„Brauchen keine Ausstiegshilfe für Milchbauern“

Gleich aus mehreren Gründen nehmen der Südtiroler Bauernbund und die heimische Milchwirtschaft heute an der Brennerblockade teil: Es geht um einen fairen Auszahlungspreis für die Milchproduzenten, um das Verständnis der Konsumenten für den „Mehrwert“ der heimischen Milch und um die Möglichkeit, dem Landwirtschaftsminister Luca Zaia die von seinen Ideen teils abweichende Südtiroler Position darzulegen.

Alle, die sich heute am Brenner zur Verkehrsblockade treffen, haben ein gemeinsames Ziel: einen besseren Auszahlungspreis für die Milchproduzenten. Wie der Weg dorthin aussieht, darin gehen die Meinungen aber auseinander. Dabei sind die Vertreter des Bauernbundes und Sennereiverbandes aus Südtirol nicht mit allen Vorschlägen von Luca Zaia einverstanden.
Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler ist aber überzeugt, dass eine Teilnahme an der Brennerblockade wichtig und richtig ist: „Die Milchproduzenten sitzen alle in einem Boot. Es geht darum, den Konsumenten und der EU-Politik klar zu machen, dass die Produzenten lange schon unter dem Limit des Möglichen arbeiten. Wir wollen dem Minister aber auch mitteilen, in welchen Punkten unsere Meinungen auseinander gehen.“

Zaias Vorschlag
Da die Zahl der Kleinbetriebe in der EU massiv zurückgeht und die Produktionskosten in diesen Betrieben höher sind, solle die EU den Strukturwandel nicht verhindern, sondern fördern. Laut Zaia sollten Betriebe mit weniger als 20 Stück Vieh die Möglichkeit haben, ihre Quote für rund 20 Cent pro Liter an die EU zu verkaufen. Zaia denkt vor allem an osteuropäische Länder wie Rumänien oder Polen, wo es mehr als eine Million Betriebe mit gar nur einer Milchkuh gibt.

Südtirols Weg sieht anders aus
Der Südtiroler Bauernbund und der Südtiroler Sennereiverband wollen Zaia klar machen, dass Südtirol einen anderen Weg eingeschlagen hat. „Unser Ziel ist es, möglichst alle Milchviehbetriebe zu erhalten. Die Milchproduktion ist nach wie vor die beste und oft einzige Möglichkeit, die Südtiroler Berglandwirtschaft und die Landschaft zu erhalten. Daher ist es für Südtirol von vitalem Interesse, auch die kleinsten Milchbauernfamilien in ihrer Tätigkeit zu stützen. Wir brauchen und wollen keine ‚Ausstiegshilfe’ für unsere Bauern“, so Leo Tiefenthaler.
In erster Linie soll die Stützung der Milchbauern über einen möglichst hohen Auszahlungspreis geschehen. Der Weg dahin führt laut Sennereiverband-Obmann Joachim Reinalter „über einen hohen Grad an veredelten Milchprodukten, über die hohe Qualität – garantiert durch das Qualitätszeichen Südtirol und die Gentechnik-Freiheit – und über einen treuen Konsumenten, der sich der Werte der heimischen Produkte bewusst ist.“

Schlussfolgerungen
Hauptziel einer Milchwirtschaftspolitik müsse es sein, die heimischen Produzenten und die regionale Wertschöpfungskette zu stärken.
Dazu gehört zum einen ein direkter Ausgleich der Leistungen der Bergbauern durch die EU. „Diesen Wunsch haben wir zusammen mit Partnern aus dem gesamten Alpenraum ja erst kürzlich bei EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel deponiert“, erinnert Bauernbund-Obmannstellvertreter Viktor Peintner.
Zum zweiten braucht es Maßnahmen, um die Konsumenten von den Vorteilen der heimischen Produkte zu überzeugen. „Die beste Möglichkeit dazu bietet unser Qualitätszeichen Südtirol“, so Joachim Reinalter vom Sennereiverband. „Die regionale Herkunft muss daher in der EU rechtlich abgesichert werden, damit eine Bewerbung noch besser möglich ist. Unsere Konsumenten müssen auf ‚Qualität Südtirol’ setzen, dann braucht der heimische Markt keine Importe aus dem Ausland.“
Schließlich gilt es, die genossenschaftliche Verarbeitungs- und Vermarktungstätigkeit zu stärken. Denn im Gegensatz zur Poebene, wo die Produzenten oft reine Lieferanten der Verarbeitungs- und Vermarktungsbetriebe sind, sind Südtirols Bauern dank des funktionierenden Genossenschaftswesens Produzenten, Verarbeiter und Vermarkter in einem und profitieren direkt vom Gewinn der Genossenschaft.