Bauernbund | 09.07.2009

Stimme der Berge wird gehört

Der Südtiroler Bauernbund ist zuversichtlich, dass beim heutigen Gipfeltreffen ein weiterer Schritt zur Sicherung der Berglandwirtschaft in Europa getan wurde. Sieben Aplenländer haben der EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel einen entsprechenden Forderungskatalog übergeben.

„Der Südtiroler Bauernbund steht voll hinter den Forderungen, denn sie enthalten die wesentlichen Elemente, die wir zur Sicherung der europäischen und speziell auch der Südtiroler Berglandwirtschaft brauchen“, betont Obmann Leo Tiefenthaler. „Es wartet aber auch noch viel Arbeit auf uns.“
Die zentralen Punkte des Dokumentes sind: Die Ausgleichszulage sowie die erste und zweite Säule der europäischen Agrarpolitik müssen erhalten bleiben. Die Finanzausstattung für die Berggebiete muss zumindest gleich hoch wie bisher wie bisher. Es braucht eine deutliche Entbürokratisierung. Und es gilt, die Vermarktung stärker zu stützen.
Eingeladen hatte zur Tagung „Die Zukunft der Berglandwirtschaft geht uns alle an“ in Krün bei Garmisch Partenkirchen die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Gekommen waren Landwirtschaftspolitiker und –vertreter aus den sieben Alpenländern Südtirol, Tirol, Bayern, Voralberg, Trentino, Aosta und der Region Friaul/Julisch Venetien.
Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die Förderung für die Bergbauernfamilien kein Geschenk sei, sondern eine gerechte Entlohnung für ihre Leistungen an der Gesellschaft und Umwelt.

Fischer Boel: Problematik erkannt
Kommissarin Fischer Boel nahm das Forderungspaket entgegen, das sie selbst Ende März beim „Forum Berggebiete“ in Brüssel gefordert hatte. Sie habe „die Stimme aus den Bergen gehört. Schon beim Forum, aber auch durch meinen gestrigen Besuch einiger Betriebe in Garmisch habe ich gesehen, wie sensibel die Berggebiete sind und welche Bedeutung die Berglandwirtschaft in Punkto Landschafts-, Tier- und Umweltschutz hat.“ Ihr sei auch das deutlich niedrigere Einkommen der bäuerlichen Familien im Berggebiet bewusst. Die EU-Kommissarin sicherte weiters zu, im September nach Südtirol zu kommen, um sich auch hier ein Bild von der Situation der Berglandwirtschaft zu machen.
Gleichzeitig gab Fischer Boel den Fahrplan für die Zukunft vor: Die Kommission wird die Forderungen nun analysieren, vor allem auch die Stärken und Schwächen der Landwirtschaft in den Berggebieten. Geprüft wird auch, welche Maßnahmen sich konkret umsetzen lassen. In den nächsten Monaten wird sie ein entsprechendes Papier dazu vorlegen, welches in der Folge ausführlich zu diskutieren sei. „Ziel muss es sein, die Bedürfnisse der Berggebiete auch im neuen Agrarprogramm ab 2013 zu berücksichtigen. Ich sichere den Berggebieten zu, das Möglichste zu tun“, so die Kommissarin.

Südtiroler Bauernbund optimistisch
Südtirols Bauernbunddirektor Siegfried Rinner freut sich, dass Fischer Boel „unsere Anliegen und Bedürfnisse voll erkannt hat. Auch wenn sie sich in Bezug auf konkrete Maßnahmen relativ verdeckt hielt und keine konkreten Zusagen gegeben hat, sind wir optimistisch, dass in Brüssel in den nächsten Monaten etwas weiter geht.“
Deutlichere Worte fand Deutschlands Agrarministerin Ilse Aigner: „Ich stehe voll hinter diesen Forderungen und werde versuchen, im Rahmen der EU-Agrarministerrunde die einzelnen Punkte laufend abzuarbeiten!“ Allerdings sei die politische Konstellation schwierig. „Nur Deutschland und Österreich – und teilweise Frankreich – haben ein klares Interesse daran. Aber ich werde kämpfen!“, versicherte Aigner.
Indes wird der Südtiroler Bauernbund im Verbund mit Landesrat Hans Berger versuchen, weitere Kontakte zu knüpfen: Über die logischen Partner in Österreich und Bayern hinaus kommen dafür vor allem die Bauernverbände in Frankreich und Slowenien in Frage.

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EU-Kommissarin Fischer Boel (Mitte) wird sich im Herbst ein Bild von der Südtiroler Berglandwirtschaft machen. Im Bild mit SBB-Obmann Leo Tiefenthaler (r.) und Direktor Siegfried Rinner (l.)