Bauernbund | 05.07.2009

Sorgenfalten trotz guter Bilanz

Agrar- und Forstbericht 2008: Verdrängung der Berglandwirtschaft geht weiter

Für Insider nicht mehr ganz neu, aber doch wie immer sehr aussagekräftig: Das sind die Zahlen und Fakten aus dem Agrar- und Forstbericht 2008, den Landeshauptmann Luis Durnwalder und Landwirtschafts-Landesrat Hans Berger Anfang Juli in Bozen vorstellten. Obwohl 2008 ein insgesamt gutes Landwirtschaftsjahr war, gibt es gar einige Punkte, welche den Verantwortlichen Sorgenfalten auf die Stirn treiben.
Auch wenn die Vorstellung des Agrar- und Forstberichtes zu einem Zeitpunkt erfolgt, zu dem die Hälfte des neuen Jahres schon wieder vorüber ist: Der Bericht ist und bleibt ein sehr nützliches Nachschlagewerk für alle, die sich ein Bild vom aktuellen Stand der Südtiroler Land- und Forstwirtschaft machen wollen.
Dieses Bild fällt in diesem Jahr in allen Sektoren recht zwiespältig aus. Ein Trend der vergangenen Jahre setzt sich fort: Die Berglandwirtschaft ist – zugunsten des Obst- und Weinbaus – weiterhin auf dem Rückzug. „Deutlich wird dies bei der Zahl der Bergbauernbetriebe. Sie ist nach wie vor rückläufig, auch wenn dieser Rückgang sich zuletzt etwas abgeschwächt hat“, erklärte Landesrat Berger. Rückläufig ist auch die angelieferte Milchmenge. Sie lag im Vorjahr bei 365 Millionen Kilogramm und damit um knapp fünf Prozent unter dem Wert des Vorjahres. „In diesem Bereich stellen wir einen Trend zur Konzentration fest. Das heißt, dass die Zahl der pro Betrieb gehaltenen Rinder steigt, während immer mehr Bauern auf andere Tiere wie Schafe, Ziegen, Pferde oder Legehennen umsteigen“, berichtete Berger. Zu beachten sei dabei jedoch, dass kein Überangebot entstehe, das die Preise für die Produkte dieser alternativen Tierrassen wieder nach unten drücke.

Milch: 2008 Rekord bei Auszahlungspreis
Mit 48,18 Cent pro Kilogramm fiel im vergangenen Jahr der durchschnittliche Milch-Auszahlungspreis so hoch aus wie noch nie. Ein Vergleich mit den Nachbarländern ist stets mit Vorsicht zu genießen, weil der Milchpreis dort laufend neu berechnet wird, während es sich in Südtirol stets um Jahresdurchschnittswerte handelt. 2009 sei mit deutlichen niedrigeren Auszahlungspreisen zu rechnen. „Eines ist jedoch klar: Um 24 bis 30 Cent pro Kilogramm Milch, wie sie derzeit in unseren Nachbarländern und Provinzen ausbezahlt werden, könnten unsere Milchbauern nicht kostendeckend produzieren“, unterstrich Berger. Er hoffe auf den üblichen Preisanstieg in den Sommermonaten, derzeit zeichne sich diese allerdings noch nicht ab. Das Land Südtirol helfe den Bergbauern, wo es geht. So würden pro Jahr für die Alpung von rund 87.000 Tieren insgesamt vier Millionen Euro an Tiergesundheitsprämien – früher bekannt als Alpungsprämie – ausbezahlt.
Dass der Rückzug der Berglandwirtschaft anhält, zeigt sich auch dadurch, dass sie in einigen Landesteilen weiter verdrängt wird. „Im oberen Vinschgau etwa stellen nach wie vor viele Bauern von der Viehwirtschaft oder dem Gemüsebau auf den Obstbau um. Im Eisacktal werden auf immer mehr Grünlandflächen Weinreben angepflanzt. Das sind erste konkrete Zeichen des Klimawandels in Südtirol“, erklärte Berger.

Obstbau: Ruhiges Jahr mit Rekordernte
Eine Rekordernte mit über einer Million Tonnen geernteter Äpfel hatten die Obstbauern 2008 zu verzeichnen. Das entspricht 49 Prozent der Apfelernte Italiens und zehn Prozent der Ernte in den 27 EU-Mitgliedstaaten. „Diese Rekordmenge ist eine große Herausforderung für die Vermarkter“, betonte Berger und verkündete, dass die geplante Zusammenarbeit mit dem Trentino beim Auftritt auf neuen Märkten unmittelbar vor der Umsetzung stehe. Relativ ruhig war das Jahr 2008 für die Obstbauern in Hinblick auf die berüchtigten Krankheiten der vergangenen Jahre: Die Zahl der gemeldeten an Apfeltriebsucht – sprich Besenwuchs – erkrankten Bäume lag mit 109.000 nur noch bei einem Drittel des Jahres 2007. Auch beim Feuerbrand gab es – im Gegensatz zum Jahr 2007 – nur ganz vereinzelte Fälle.
Der Weinbau wies im Jahr 2008 eine weitere Zunahme der Rebfläche um 38 Hektar auf, die Ernte fiel mit rund 315.000 Hektoliter Wein um knapp zehn Prozent geringer aus als im Vorjahr. Probleme gab es weniger mit den Vergilbungskrankheiten als vielmehr mit Pilzkrankheiten wie der Peronospora.
Im Aufwind ist weiterhin der Bio-Sektor. Insgesamt gab es 2008 in Südtirol 625 Bio-Betriebe. Neben der bekannten Verbreitung im Obstbau gewinnt Bio auch in der Milchwirtschaft immer mehr an Bedeutung. „Der Anteil der Bio-Frischmilch an der Gesamtmenge ist im vergangenen Jahr um über 20 Prozent gestiegen“, berichtete Berger.
Über steigenden Zuspruch konnten sich im vergangenen Jahr die Fachschulen für Land-, Haus- und Forstwirtschaft freuen. Im Schuljahr 2007/08 haben 106 Jugendliche die Fachschule fu¨r Landwirtschaft und 31 jene fu¨r Hauswirtschaft abgeschlossen. Die Zahl der Einschreibungen war mit insgesamt 763 in etwa gleich hoch wie im Vorjahr.

Holzmarkt leidet unter schlechten Preisen
Über die Forstwirtschaft berichtete als zuständiger Landesrat Landeshauptmann Luis Durnwalder. der Gesundheitszustand der Südtiroler Wälder sei nach wie vor sehr gut. Allerdings liege der jährliche Hiebsatz leider noch immer weit unter dem jährlichen Zuwachs. „Der wichtigste Grund dafür ist sicher, dass die Bauern nach wie vor viel zu wenig Geld für ihr Holz bekommen“, unterstrich Durnwalder. Die Kosten für die Schlägerung und die Holzbringung – insgesamt rund 31 Euro pro Festmeter – seien in vielen Fällen fast gleich hoch sind wie die Erlöse, die aus dem Verkauf des Holzes erzielt werden. Gemeinschaftsversteigerungen, die höhere Preise bringen könnten, fänden bei den Bauern meistens wenig Anklang. „Auch die Fernheizwerke verwenden im Schnitt zur zu einem Viertel Holz aus heimischen Wäldern, und auch der Preis, den sie den Bauern zahlen, ist mit rund 38 Euro pro Kubikmeter alles andere als zufriedenstellend“, erklärte Durnwalder. Leider seien auch die Aussichten für 2009 nicht besonders rosig. „Probleme gibt es bei der Jagd nach wie vor mit der Räude bei den Gemsen und bei der Einhaltung der Abschusspläne beim Rotwild“, erklärte Durnwalder.