Bauernbund | 18.05.2009

Positive Stimmung für Bauernbund-Anliegen nutzen

Zwischenbilanz über die ersten 100 Amtstage von Obmann Leo Tiefenthaler

Sie haben eine magische Bedeutung: Neuen Verantwortungsträgern werden ganz allgemein 100 Tage Einarbeitungszeit zugestanden. Zeit mit Leo Tiefenthaler eine Zwischenbilanz zu ziehen und über die neuen Herausforderungen, das Image des Bauernbundes und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu sprechen.

Leo Tiefenthaler, am 24. Mai sind Sie genau 100 Tage im Amt. Haben Sie sich Ihre neue Aufgabe so vorgestellt?
Leo Tiefenthaler: Als Bezirksobmann im Unterland und danach als Landesobmann-Stellvertreter habe ich den Südtiroler Bauernbund gut kennengelernt. Aus dieser Zeit kenne ich viele Mitarbeiter und Funktionäre und vor allem die Probleme der Landwirtschaft. Natürlich gibt es immer auch Aufgabenbereiche, die neu sind bzw. mir weniger bekannt waren. Im Großen und Ganzen aber war ich mir schon vorher der großen Verantwortung bewusst, die ein Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes trägt.

Was hat sich seit dem 13. Februar, dem Tag ihrer Wahl auf der Klausurtagung des Südtiroler Bauernbundes, verändert? Ihre Familie wird Sie jetzt weniger oft zu Gesicht bekommen, oder?
Tiefenthaler: Als Bauernbund-Obmann verbringt man viel Zeit im Büro und mit den Funktionären und Mitgliedern in den Bezirken und Ortsgruppen. Da bleibt natürlich weniger Zeit für die Familie, für Freunde und Hobbys. Ich versuche, der Familie vor allem am Wochenende mehr Zeit zu widmen. Am Hof habe ich mich organisiert und sehr verlässliche Mitarbeiter aus meinem Dorf gefunden, die mich bei den Arbeiten unterstützen.

In den letzten Tagen haben Sie eine Reihe von Antrittsbesuchen absolviert, einige stehen noch aus. Wie ist die Stimmung in Politik und Wirtschaft, bei den Ortsgruppen und in den Bezirken?
Tiefenthaler: Die Stimmung ist grundsätzlich gut, besonders in den Bezirken und Ortgruppen, obwohl es natürlich einige Anliegen und Probleme gibt, die wir gemeinsam lösen müssen. In den Gesprächen mit den Wirtschaftsverbänden war die Wirtschaftskrise ein Thema, die manche Branchen doch stärker trifft als anfänglich angenommen. Positiv ist, dass in allen Gesprächen, die ich und Direktor Siegfried Rinner mit Vertretern der Wirtschaft, der Politik und der Sozialverbände geführt haben, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit klar signalisiert worden ist. In den Aussprachen mit den politischen Vertretern und den übrigen Wirtschaftsverbänden haben wir konkrete Anliegen auf den Tisch gebracht. In der nächsten Zeit wird sich zeigen, welche unserer Forderungen umgesetzt werden können.

Welches sind die Herausforderungen der nächsten Monate?
Tiefenthaler: Es stehen einige heiße Themen an. Die Situation bei den Sicherheitssprechern sorgt derzeit für Diskussion, ebenso wie die Konzessionsgebühren und die Hagelversicherung. Hier haben und werden wir uns klar zu Wort melden, um die für unsere Mitglieder beste Lösung zu erreichen. Der Bär bleibt ein Thema, die Herausforderung schlechthin wird auch 2009 die Berglandwirtschaft sein. Der Gewässernutzugsplan wird uns heuer sicherlich auch beschäftigen.

Eine wesentliche Aufgabe eines Verbandes ist die Pflege der Kontakte mit Partner und Interessensverbündeten auch außerhalb Südtirols. Wie werden in Zukunft diese Kontakte gepflegt?
Tiefenthaler: Die Pflege der Kontakte mit Interessenspartner nördlich und südlich unseres Landes bleibt eines der Hauptanliegen. Die Berglandwirtschaftstagung in Brüssel hat gezeigt, wie wichtig es ist, gemeinsam mit Partner Themen aufs Parkett zu bringen. Am 9. und 10. Juli findet ein weiterer „Berglandwirtschaftsgipfel“ statt, diesmal in Garmisch-Partenkirchen. Schon vorher treffen wir uns zu einem Vier-Länder-Treffen in München, wo wir mit Bauernvertretern aus Tirol, Bayern und der Schweiz gemeinsame Themen diskutieren und Standpunkte erarbeiten. Im Sommer wird es eine gemeinsame Sitzung des Landesbauernrates und der Bundesvorstehung des Tiroler Bauernbundes in Brixen geben. Bereits nächste Woche findet ein Treffen mit dem österreichischen Landwirtschaftsminister Niki Berlakovic in Tirol statt. Zudem werden wir am traditionellen Ost-West-Treffen mit Bauernvertretern des Alpenraumes teilnehmen.
Wir haben aber auch gute Kontakte zu den Bauernverbänden in Rom. Diese werden wir pflegen, und wo nötig, ausbauen.

Eine jüngst im Wirtschaftsmagazins „Südtirol Panorama“ veröffentlichte Umfrage hat ergeben, dass der Südtiroler Bauernbund der beliebteste Verband ist und 97 % der Südtirolerinnen und Südtirolern bekannt ist. Wie bewerten Sie dieses Umfrageergebnis?
Tiefenthaler: Das Ergebnis ist natürlich sehr erfreulich und zeigt, dass wir als Verband und die Landwirtschat allgemein ein sehr gutes Image in der Bevölkerung haben. Diesen guten Ruf haben wir uns hart erarbeitet und dieses gute Image müssen wir alle gemeinsam verteidigen. Die große Bekanntheit in der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung und die hohe Sympathie sind das Ergebnis vieler Faktoren und nicht zuletzt auch auf eine sehr erfolgreiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zurückzuführen.

Interview: Michael Deltedesco