Bauernbund | 15.04.2009

Anbau verboten

Aigner: Genmais ist „eine Gefahr für die Umwelt“

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat die genmanipulierte Maissorte MON 810 in Deutschland verboten. Damit seien jeder Anbau und jeder weitere Verkauf von Saatgut oder Mais dieser Art unzulässig, sagte die CSU-Politikerin am Dienstag in Berlin. „Die Bundesländer werden umgehend über diese Maßnahme informiert und werden die Einhaltung des Verbots überwachen“, sagte Frau Aigner.
Zur Begründung sagte die Bundeslandwirtschaftsministerin, sie sei zu dem Schluss gekommen, „dass es berechtigten Grund zu der Annahme gibt, dass der genetisch veränderte Mais der Linie MON 810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt“. Diese Auffassung sei vom Bundesumweltministerium bestätigt worden.

„Keine politische Entscheidung“
„Meine Entscheidung ist entgegen anderslautender Behauptungen keine politische Entscheidung“, fuhr die Ministerin fort. „Es ist eine fachliche Entscheidung, und dies muss es aus rechtlichen Gründen auch sein.“ Es handele sich aber nicht um eine Grundsatzentscheidung zum künftigen Umgang mit der „grünen“ Gentechnik.
Frau Aigners Ministerium hatte zuvor einen von dem amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto vorgelegten Bericht über die Verwendung der Maissorte in Deutschland ausgewertet. Auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und Gesundheitsminister Markus Söder (beide CSU) hatten sich für ein Ende der grünen Gentechnik ausgesprochen. Die Zeit für eine Entscheidung drängte, weil Ende April die Maisaussaat beginnen sollte.

Pflanzengift mit unkalkulierbaren Wirkungen
Das Erbgut der seit 2004 in der Europäischen Union zugelassenen Maissorte ist so verändert worden, dass die Pflanzen ständig ein Schädlingsgift produzieren. Während Monsanto argumentiert, dass deswegen keine Pestizide auf Feldern mit MON 810 versprüht werden müssten, fürchten Kritiker weitreichende Folgen. Die Kritik richtete sich vor allem gegen ein Insektengift, das in der Pflanze produziert wird. Dieses Gift töte nicht nur Ungeziefer, sondern schade auch wertvollen Bodenorganismen und Insekten, kritisierte die Umweltorganisation Greenpeace.

Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßten denn auch das Verbot. Die Gentechnik-Expertin von Greenpeace, Stephanie Töwe, sagte, die Entscheidung sei überfällig gewesen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegten, dass der Genmais eine Gefahr für die Umwelt darstelle. Auch andere EU-Länder hätten ihn verboten. Die Gefahren ließen sich auch mit Überwachungsplänen, die die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf die Umwelt dokumentieren sollen, nicht aus der Welt schaffen. Nun müsse Frau Aigner auch in Brüssel gegen die Neuzulassung ähnlicher Genmaissorten in der EU stimmen.

Text: FAZ.NET mit dpa