Bauernbund | 27.02.2009

Landesversammlung: Agrar-Gipfeltreffen im Alpenraum

Die Landwirtschaft kann viel dazu beitragen, die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise zu überstehen, sondern sogar sie zu überwinden. Diese klare Botschaft hörten Bauern und Freunde der Landwirtschaft heute, 28. Februar, auf der Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes im Waltherhaus in Bozen.

Die Sender dieser Botschaft machten die Landesversammlung zu einem regelrechten Agrar-Gipfeltreffen: Der österreichische Landwirtschaftsminsiter Niki Berlakovich, der Schweizer Bauernverband-Präsident Hansjörg Walter, der Tiroler Bauernbund-Obmann und Landeshauptmannstellvertreter Anton Steixner sowie Südtirols Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und Landesrat Hans Berger stellten ihre Ideen zum Thema „Bauer sein – Bauer bleiben“ vor.

Gleiche Ziele im Alpenraum

Dabei zeigte sich, dass die Landwirtschaft im Alpenraum vor allem am gleichen Strang zieht und gemeinsame Ziele hat: Es braucht eine flächendeckende Bewirtschaftung. Die Bauern sollen naturverbunden und konsumentenfreundlich produzieren, für diese Produkte aber auch einen möglichst hohen Erlös erhalten. Da dieser für das Auskommen der Familien und ein Bestehen am wettbewerbsorientierten Markt nicht ausreicht, braucht es langfristig auch eine Unterstützung durch die öffentliche Hand, sprich auch Rückhalt in der Politik. Um beides zu erreichen – den guten Preis und den Rückhalt in der Politik – muss die Bevölkerung hinter der Landwirtschaft stehen. Dazu braucht es ein gutes Image, und dafür wiederum kann der Bauernstand selbst am meisten tun.

Wirtschaft zum Angreifen statt Seifenblase

Die Landwirtschaft – so der Grundtenor – arbeitet im Gegensatz zur den Finanzspekulanten mit realen Werten und erwirtschafte eine reelle Wertschöpfung. „Die Krise ist für uns eine Chance, zu zeigen, wie wertvoll die Landwirtschaft ist und was sie für die Gesellschaft leistet“, so der Grundtenor. Sie habe Kraft und könne sich weiterentwickeln. Wichtig sei, mit dem dauernden Gerede über die Krise sie nicht heraufzubeschwören.

Tiefenthaler: Suche Zusammenarbeit mit Tourimus und Politik

Der neu gewählte Bauernbundobmann Leo Tiefenthaler stellte sein Programm für die nächsten Jahre vor. Eine große Chance sieht er unter anderem in der Vereinigung von Landwirtschaft und Tourismus im Ressort von Landesrat Hans Berger. „Ich hoffe, wir setzen uns möglichst bald an einen Tisch, um diese fünf Jahre fruchtbringend zu nutzen“, sagte er in Richtung Politik und in Richtung Walter Meister, Präsident des Hotelier- und Gastwirteverbandes HGV. (Rede Tiefenthaler siehe Downloads)

Berlakovich: Südtirol strategischer Partner

Der österreichische Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich sieht Südtirol als natürlichen, historischen Freund und strategischen Partner Österreichs: „Wir decken uns völlig in den agrarpolitischen Zielen, können viel voneinander lernen und werden auch in Zukunft die Zusammenarbeit suchen, um in der europäischen Agrarpolitik, aber auch im Wissens- und Erfahrungsaustausch für unsere Bauern möglichst viel zu bewegen.“
Klar sprach sich Berlakovich gegen den Anbau gentechnisch veränderter Lebensmittel in Österreich aus: „Wir dürfen die Gentechnik nicht grundsätzlich verteufeln. Aber bei unseren Strukturen in Österreich und unserer Vorstellung von Qualitätsprodukten hat sie keinen Platz.“ Trotz Bestrebungen der EU-Kommission, gentechnisch veränderten Mais zuzulassen, versuche Österreich massiv, den Ministerrat zu bewegen, das Gentechnik-Verbot in Österreich nicht aufzuheben.
Die Bauern forderte Berlakovich auf, für ihr Image zu werben: Wir haben viele Werte wie Qualität, Umweltschutz, Tierfreundlichkeit, Katastrophenschutz, bäuerliche Tradition und Kultur, Wertschöpfung im Land … Diese Werte müssen wir der Öffentlichkeit klar machen. (Rede Berlacovich siehe Downloads)

Walter: Lernen von der Schweiz

Wie man das Ansehen der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit verbessern kann, das zeigte Hansjörg Walter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, auf. Mit der Imagekampagne „Gut, gibt’s die Schweizer Bauern“ ist es gelungen, die Umfragewerte seit den 90er Jahren deutlich zu heben. Sogar Michael Schuhmacher macht mit einem Gratis-Spruch Werbung für die guten Schweizer Agrarprodukte. Während die Landwirtschaft in den 90er Jahren bei sieben Urabstimmungen durch die Bevölkerung immer verloren habe, habe sie in den letzten sieben Abstimmungen immer ihre Anliegen durchgesetzt. (Präsentation Walter siehe Downloads)

Bergbauernpreis und Steinkeller-Preis

Feierlicher Höhepunkt der Versammlung war die Verleihung des Bergbauernpreises an die drei Familien Egon und Elke Parth vom Hof Untertels in Tanas/Laas im Vinschgau, Alois und Theresia Moosmair vom Hof Stern in St. Leonhard i. Passeier und von Hubertus und Anna Appenbichler vom Hof Schacher in St. Veit/Prags. Sie sind die stillen Helden unserer Zeit, sagten Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner und Heiner Nicolussi-Leck, Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol, der den Preis von je 8000 Euro stiftet. (Laudatio Bergbauernpreis siehe Downloads)
Den Preis der Dr.-Viktoria-Steinkeller-Stiftung erhielt Familie Weissensteiner-Obertegger aus Deutschnofen für die vorbildliche Erhaltung bäuerlicher Bausubstanz an ihrem Hof.

Georg Mayr und Hans Gasser geehrt

Bewegend war die Ehrung des vor zwei Wochen aus dem Amt geschiedenen, langjährigen Landesobmannes Georg Mayr. Er und Hans Gasser – viele Jahre Bauernbund-Bezirksobmann im Eisacktal-Wipptal und Landesobmann-Stellvertreter – erhielten das Ehrenzeichen in Gold (siehe eigener Artikel).