Bauernbund | 25.02.2009

"Will ein Obmann für alle sein"

Umsetzung des Wahlprogramms oberste Priorität - Dank an die SBB-Funktionäre

Die Berglandwirtschaft, der Zu- und Nebenerwerb, die Zusammenarbeit unter den Genossenschaften, der Schutz bäuerlichen Eigentums und eine gezielte Ausbildung der Bauern sind nur einige der Herausforderungen des neuen Landesbauernrates, erklärt Landesobmann Leo Tiefenthaler im Interview mit der SBB-Internet-Redaktion.

www.sbb.it: Zwei Drittel der Funktionäre haben auf der Klausurtagung in Terlan Leo Tiefenthaler die Stimme gegeben. Hat Sie das klare Wahlergebnis überrascht?
Leo Tiefenthaler: Ich war sehr positiv überrascht. Ich hätte mir dieses Ergebnis nicht erwartet. Ich habe mit einem knappen Wahlausgang gerechnet. Ich möchte mich bei allen Funktionären für das Vertrauen bedanken. Die Wahl zum Landesobmann ist eine große Herausforderung und mit viel Verantwortung verbunden.
Ich werde ein Obmann für alle sein und mich mit vollem Einsatz für alle Bäuerinnen und Bauern einsetzen – egal, ob sie Berg- oder Talbauern, Vollerwerbs- oder Nebenerwerbsbauern sind, aus der Berglandwirtschaft oder dem Obst- und Weinbau kommen. Ich wünsche mir eine gute Zusammenarbeit mit allen Funktionären und Mitgliedern, denn nur gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen.
Ich möchte den Funktionären aber auch danken, dass sie sich bereit erklärt haben, in den nächsten fünf Jahren Verantwortung in den Ortsgruppen und Bezirken zu übernehmen und die Interessen der Landwirtschaft dort zu vertreten.

Auf die Landwirtschaft warten große Herausforderungen. Welche Aufgaben wird der Landesbauernrat angehen?
Wir haben ein Arbeitsprogramm zusammen mit den bäuerlichen Abgeordneten erstellt, das im Wesentlichen das Wahlprogramm widerspiegelt. Dieses gilt es in den nächsten Jahren schrittweise umzusetzen.
Die größte Herausforderung für den Südtiroler Bauernbund in den nächsten Jahren wird die Berglandwirtschaft sein. Um kurzfristig zu helfen, müssen die Direktförderungen angehoben werden. Ideal wäre die Erhöhung der Ausgleichszulage. Sie ist die gerechteste und beste Förderung und kommt den extremen Bergbauern direkt zugute. Ebenfalls angehoben werden müssen die anerkannten Kosten. Die Erhöhung scheint fix zu sein. Damit geht eine alte Forderung des Südtiroler Bauernbundes endlich in Erfüllung.
Ich hoffe, dass Rom für die Hagelversicherung wieder genügend Gelder bereitstellt. Derzeit fehlen 18 bis 20 Millionen Euro alleine für Südtirol. Wir werden uns voll dafür einsetzen, dass die öffentliche Hand wieder einen Teil der Prämie übernimmt, sonst wird die Versicherung zu teuer. Erste positive Signale aus Rom gibt es bereits. Der Schutz von Grund und Boden und der Ausbau des Zu- und Nebenerwerbs sind und bleiben Schwerpunkte, ebenso eine gezielte Aus- und Weiterbildung.

Die Landesregierung hat den Landeshaushalt vorgelegt, der nun im Landtag beschlossen werden muss. Statt der vom Südtiroler Bauernbund geforderten zehn Millionen Euro mehr wurde der Agrarhaushalt um rund 4,4 Millionen Euro aufgestockt. Reicht das, um der Berglandwirtschaft wirklich zu helfen?

Ich hatte gehofft, dass die Landwirtschaft zehn Millionen Euro zusätzlich erhält. Leider ist dem nicht so. Aber auch mit 4,4 Millionen mehr können wir der Berglandwirtschaft helfen. Und vielleicht kann im Nachtragshaushalt noch Geld für die Berglandwirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Wahrscheinlich wird es auch Umschichtungen vom Obst– und Weinbau geben.

Wie kann man der Berglandwirtschaft neben einer Anhebung der Direktzahlungen noch helfen?
Wir müssen noch stärker als bisher in den Zu- und Nebenerwerb investieren. Es braucht Alternativen zur Milchwirtschaft, wobei klar sein muss, dass der Milchverkauf die wichtigste Einnahmequelle in der Berglandwirtschaft bleiben wird.
Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass die Direktvermarktung, der Urlaub auf dem Bauernhof und der Anbau von Sonderkulturen solche Alternativen sein können. Der Einstieg in einen Zu- und Nebenerwerb ist für viele Betriebe nicht einfach, aber oft der einzige Weg, um den Hof finanziell abzusichern. Hier sind die Bauern selbst gefordert, aber auch wir in der Aus- und Weiterbildung.
Ich glaube, die Milchhöfe müssen versuchen, noch mehr zusammenzuarbeiten und die Veredelung der Produkte noch mehr zu forcieren. Das hat auch Landesrat Hans Berger gefordert. Weiters müssen wir prüfen, wo es Einsparpotentiale gibt. All diese Maßnahmen helfen der Berglandwirtschaft. Letztendlich aber sollte jeder Bauer vom Verkauf seines Produktes leben können.

In Kürze wird ein neues EU-Parlament gewählt. Wird der Südtiroler Bauernbund einen Kandidaten unterstützen?
Wichtig ist, dass Südtirol in Brüssel von einem Abgeordneten vertreten wird, der die Landwirtschaft kennt. Der Landesbauernrat wird sich mit dem Thema befassen und auch einen Kandidaten unterstützen. Eines ist sicher: Hans Berger soll in Bozen bleiben. Hier hat er eine hervorragende Arbeit geleistet, die der weiterführen soll.

Interview: Michael Deltedesco