Bauernbund | 01.02.2009

„Sofortiges Hilfspaket für die Berglandwirtschaft“

Bauernbund: 10 Millionen Euro zusätzlich für die Berglandwirtschaft – Risiko Betriebsschließung

Sinkende Milchpreise bei gleichzeitig steigenden Kosten, eine immer weitere Liberalisierung der Agrarmärkte, die Konjunkturkrise und die damit verbundene Kaufzurückhaltung der Konsumenten bringt die Berglandwirtschaft in arge Bedrängnis. Der Südtiroler Bauernbund fordert daher ein sofortiges „Konjunkturpaket“ für die Berglandwirtschaft, die sich bisher mit Forderungen stets zurückgehalten hat. Finanziert werden soll das Hilfspaket durch „frische“ Geldmittel sowie Umschichtungen im Agrarhaushalt des Landes.

Konkret fordert der Südtiroler Bauernbund eine Aufstockung des Agrarhaushalts des Landes um 10 Millionen Euro. „In den letzten Jahren ist der Haushalt relativ stabil geblieben, obwohl die Herausforderungen zugenommen haben und die Kosten gestiegen sind. Nun fordern wir eine Aufstockung des Landeshaushalts. Die neuen Finanzmittel sollen ausschließlich in die Berglandwirtschaft fließen“, stellt Bauernbund-Obmann Georg Mayr klar.

Mit den neuen Geldmitteln soll die Ausgleichszulage, die die Berglandwirtschaft für Maßnahmen im Umwelt-, Tier- und Landschaftsschutz erhält, angehoben werden. Derzeit macht die Ausgleichszulage 1.500 Euro je Bergbauer aus und ist ein Ausgleich für das erschwerte Arbeiten auf den steilen Wiesen.

„Die Ausgleichszulage ist die gerechteste Hilfe, weil sie anhand der Erschwernispunkte berechnet wird. Je steiler die Wiesen und schwerer die Bearbeitungen, desto mehr Erschwernispunkte werden zuerkannt und desto höher daher die Ausgleichszulage. Mit einer Erhöhung der Ausgleichszulage können wir jenen helfen, die es am schwersten haben“, begründet Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner die Forderung des SBB.

Daneben sei die Direkthilfe eine indirekte Wirtschaftsförderung für die anderen Sektoren. „Ein Bergbauern trägt das Geld nicht auf die Bank, um es anzulegen, sondern investiert es am Hof. Und davon profitiert die heimische Wirtschaft, allen voran das Handwerk - und von der gepflegten Landschaft der Tourismus, der ohne Bergbauern nicht jedes Jahr Zuwächse verzeichnen könnte“, so Rinner.

Mit den frischen Mitteln aus dem Landeshaushalt soll einerseits der Rückgang bei den Einnahmen und andererseits die gestiegenen Ausgaben ausgeglichen werden. „Für 2009 rechnen wir mit einem sinkenden Milchpreis“, schlägt Bauernbund-Obmann Georg Mayr Alarm. Inflationsbereinigt verdiene heute ein Milchbauer weniger als in den 70er Jahren. „Seit 2001 ist der Erlös rückläufig. Studien sagen, dass der inflationsbereinigte Milchpreis in Südtirol bei 55 Eurocent liegen müsste, um die Preissteigerungen auszugleichen. Derzeit liegt der Durchschnittspreis aber nur bei knapp über 40 Eurocent“, rechnet Mayr vor. Das habe dazu geführt, dass in den letzten Jahren knapp 27 Prozent der Betriebe aus der Milchwirtschaft ausgestiegen sind. Von 7.500 Betrieben seien nur mehr 5.500 übriggeblieben.

Den Milchpreis kurzfristig zu erhöhen, ist aussichtslos. „Derzeit importiert Mitteleuropa Milch aus Rumänien - zu einem Preis von 18 Eurocent je Liter. „Mit solchen Preisen können wir nicht konkurrieren“, so Mayr.

Derzeit erwirtschaftet ein Durchschnittsbetrieb im Berggebiet etwa 9.900 Euro am Gewinnen im Jahr. Davon müssen die Familie leben und die Investitionen finanziert werden. „Ein Ding der Unmöglichkeit“, findet Mayr.

Daher muss auch die Investitionsbeihilfe korrigiert werden. „Derzeit liegen die tatsächlichen Kosten weit von den effektiven Kosten entfernt. Wenn nur ein Teil der Kosten anerkannt wird, helfen uns auch 40 Prozent Beitrag nichts, da am Ende dann nur 20 Prozent Beitrag effektiv bleiben. Auch hier muss etwas getan werden“, so Mayr.

Zuerst müsse der Landesagrarhaushalt durchforstet werden um zu sehen, ob Einsparmöglichkeiten vorhanden sind. Umschichtungen aus dem Topf der Obstwirtschaft sollen in die Berglandwirtschaft fließen. „Die Obst- und Weinbauern können die Berglandwirtschaft aber nicht alleine unterstützen. Was wir brauchen, sind frische Mittel. Soviel Solidarität innerhalb der Gesellschaft muss sein“, so Mayr. Gefordert seien auch die Politiker, die im Wahlkampf immer wieder eine Unterstützung der Bergbauern in Aussicht gestellt hätten.