Bauernbund | 26.01.2009

Protest der Weinbauern weitet sich aus

Gegen die geplante Absenkung der Promillegrenze im Straßenverkehr auf 0,2 Promille machen nach Südtirol nun auch andere Provinzen mobil. Die zuständige Transportkommission scheint unterdessen einzulenken: So wie es derzeit aussieht, müssten nur mehr Führerscheinneulinge, Fahrer bis 21 Jahren und Berufslenker mit einer Verschärfung der Straßenverkehrsordnung rechnen.

Damit reagieren die Mitglieder der zuständigen Transportkommission, aber auch einige Minister und die Lega Nord, auf den Protest der Interessensverbände und Bürgerinitiativen.

„Gesundheitsminister Maurizio Sacconi hat sich bereits für eine allgemeine Senkung der Promillegrenze ausgesprochen. Die Lega Nord hat ebenfalls angekündigt, gegen eine Senkung zu stimmen. Und auch einige Mitglieder der Transportkommission sind inzwischen von einer Verschärfung abgerückt“, so Landesobmann Georg Mayr.

Als eine der ersten Provinzen hatte Südtirol gegen eine weitere Verschärfung der bereits strengen Regelung protestiert. Südtiroler Bauernbund, HGV, Politik und Weinwirtschaft, allen voran Weinbauer Günter Ambach und der Präsident des Konsortiums Südtiroler Wein Armin Dissertori, haben ein „Aktionskomitee Wein“ gegründet, um gegen die geplante Reduzierung der Promillegrenze von 0,5 Promille auf 0,2 Promille mobil zu machen.

„Der Südtiroler Bauernbund hat Argumente gegen eine Änderung der bestehenden Regelungen gesammelt und ein entsprechendes Schreiben an die italienischen Bauernverbände Confagricoltura, Coldiretti und CIA sowie an Transportminister Altero Matteoli, Innenminister Roberto Maroni und Landwirtschaftsminister Luca Zaia versendet. Das Schreiben ging auch an alle Mitglieder der Verkehrskommission“, so Landesobmann Georg Mayr. Landesrat Hans Berger hat alle italienischen Landesräte für Landwirtschaft und Tourismus informiert und aufgerufen, ebenfalls für die Interessen der Weinwirtschaft einzutreten. Der Hoteliers- und Gastwirteverband hat beim italienischen Gaststättenverband interveniert, während die Weinwirtschaft über die Weinverbände und –organisationen Druck auf die Parlamentarier ausübt. Auf die Seite der Weinwirtschaft haben sich auch die Südtiroler Abgeordneten in Rom geschlagen und bei den Mitgliedern der Transportkommission interveniert.

Protest weitet sich aus
Nach anfänglich nur sehr zaghaften Protesten der verschiedenen italienischen Verbände und Interessensgruppen scheinen diese nun den Ernst der Lange erkannt zu haben. „Mittlerweile haben Bauernverbände, der Verband der italienischen Weinerzeuger, aber auch Gastronomen und Bürger gegen die geplante Verschärfung protestiert. Diese zu überzeugen, war deshalb so schwierig, da das Problem im restlichen Italien aufgrund nur geringer Kontrollen weniger stark gefühlt wird“, so die Mitglieder des „Aktionskomitees Wein“. „Alle sind der Überzeugung, dass eine Verschärfung der Straßenverkehrsordnung die Zahl der schweren Unfälle nicht reduziert. Vielmehr sollten die Kontrollen auf dem übrigen Staatsgebiet flächendeckend ausgeweitet werden. Schließlich verursachen nicht jene Fahrer, die zum Essen ein Glas Wein trinken, die schweren Unfälle“, so Mayr. Durch die Neuregelung würde das Kulturgut Wein großen Schaden leiden und jene „bestraft“, die Wein verantwortungsbewusst und in Maßen konsumieren.

Sollte die Kommission weiter für eine allgemeine Reduzierung sein, würden weitere Schritte folgen. „Eine Möglichkeit wäre, medienwirksam jedem Abgeordneten in Rom eine Flasche Wein zu überreichen und so auf unsere Anliegen aufmerksam machen“, so Mayr.