Bauernbund | 13.01.2009

Synergien noch viel stärker nutzen

Landesrat Berger: Tourismus und Landwirtschaft sind eine Schicksalsgemeinschaft

Die Zuständigkeiten in der neuen Landesregierung sind verteilt. Für die Südtiroler Landwirtschaft bleibt Hans Berger der erste Ansprechpartner. Zuständig ist Berger in den kommenden fünf Jahren aber auch für den Tourismus. Der www.sbb.it hat mit Landesrat Hans Berger über die Chancen gesprochen, die sich dadurch ergeben können.

Herr Landesrat, Landeshauptmann Durnwalder hat Ihnen neben der Landwirtschaft unter anderem den Tourismus zusätzlich zugeteilt. Außerdem hat er Sie zu seinem Stellvertreter ernannt. Sind Sie damit zufrieden? Welche Chancen sehen Sie dadurch?
Ich bin mit der Kompetenzzuteilung durchaus zufrieden und die Ernennung zum Landeshauptmannstellvertreter ist für mich eine große Ehre. Den Verlust der Abteilung Informationstechnik bedauere ich aber sehr. In der Zusammenführung von Landwirtschaft und Tourismus sehe ich eine große Chance, um die Zusammenarbeit zwischen den beiden Wirtschaftsbereichen anzuspornen. Bislang waren die Erfolge in diese Richtung eher bescheiden, und gestartete Initiativen entwickeln sich eher schleppend. Ich bin davon überzeugt, dass Landwirtschaft und Tourismus eine Schicksalsgemeinschaft sind und, auch wenn dies vielleicht nicht jeder gern hört, nur gemeinsam langfristig bestehen können. Die vorhandenen Synergien müssen viel stärker genutzt werden. So negativ die hereinbrechende Finanzkrise auch ist, so kann sie vielleicht doch auch dazu beitragen, dass dieser Prozess schneller vonstatten geht. Handlungsbedarf sehe ich dabei vor allen Dingen in den entlegenen ländlichen Gebieten, die geprägt sind von Berglandwirtschaftsbetrieben sowie von kleinen und mittleren Tourismusbetrieben.

Zwischen den beiden Verbänden Bauernbund und HGV kam es zuletzt immer wieder zu Reibereien. Wollen Sie hier in Zukunft eine Vermittlerrolle einnehmen?
Wer mich kennt, der weiß, dass ich stets um Ausgleich und Zusammenarbeit bemüht bin, doch dabei bin ich überzeugt, dass die betroffenen Akteure die ersten Schritte zu gemeinsamen Zielsetzungen unternehmen müssen. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe, die Konflikte für andere auszutragen, sehr wohl aber darin, meinen Beitrag für die Schaffung der Rahmenbedingungen zu erbringen, welche eine Zusammenarbeit erleichtern. Deshalb sehe ich einen ersten Schritt darin, in einem gemeinsamen Gespräch grundsätzliche Ziele und den Weg abzustecken, welche man gemeinsam anstreben und erreichen möchte. Ich bin jedenfalls guter Hoffnung, dass durch ausführliche Kommunikation miteinander eventuelle Gegensätze und Missverständnisse abgebaut und Zusammenarbeit aufgebaut werden kann.

Sie haben angekündigt, im Bereich der Berglandwirtschaft einen Schwerpunkt setzen zu wollen. Woran denken Sie konkret?
In meinen Augen geht es vor allen Dingen darum, auf nationaler und europäischer Ebene etwas für die Berglandwirtschaft zu erreichen, denn auf Landesebene werden die vorhandenen Möglichkeiten bereits weitgehend ausgeschöpft. Doch wenn all jene, die sich bei vielen Gelegenheiten mit der Berglandwirtschaft solidarisch erklärt haben, dies auch umsetzen, könnten evtl. auch zusätzliche Finanzmittel erreichbar sein.

Interview: Bernhard Christanell


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