Bauernbund | 11.01.2009

"Erwarte mir Umsetzung des Wahlprogramms"

SBB-Direktor Siegfried Rinner blickt auf 2009 – Herausforderungen nehmen zu

Nach einem ereignisreichen Jahr 2008 stehen für Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner auch 2009 wichtige Themen auf der Agenda. Die Finanz- und Wirtschaftskrise wird auch Südtirols Landwirtschaft zu spüren bekommen. Die Berglandwirtschaft steht vor großen Herausforderungen, während auf politischer Ebene delikate Entscheidungen anstehen. Trotz allem ist Rinner für die nächsten Jahre positiv gestimmt.

www.sbb.it: Das abgelaufene Jahr war nicht nur ein sehr arbeitsintensives Jahr, sondern auch ein sehr turbulentes. Es gab zwei Wahlen, die Anhebung der Milchquoten wurde beschlossen, das Enteignungsgesetz angepasst und um die Kürzung im Agrarhaushalt gestritten. Zudem war 2008 ein überaus regenreiches Jahr. Wie bewerten Sie das abgelaufene Jahr.
Siegfried Rinner: 2008 war in der Tat ein sehr ereignisreiches Jahr. Der Landtagswahlkampf hat dem Bauernbund sehr viel Einsatz abverlangt, war aber unverzichtbar. Eine gute Interessensvertretung im neuen Landtag ist für die Landwirtschaft enorm wichtig. Kurz vor Ende der Amtsperiode sind noch einige Gesetze über die Bühne gegangen. Auch hier hat sich der Südtiroler Bauernbund eingebracht und Stellungnahmen verfasst bzw. Gespräche auf politischer Ebene geführt. In Brüssel jagt eine Reform die andere, beinahe alle zwei Jahre gibt es eine grundlegende Änderung in der Agrarpolitik. Gemeinsam mit den befreundeten Bauernverbänden in Tirol und Bayern haben wir auch hier die Interessen der heimischen Bauern vertreten. In Rom weht durch den Regierungswechsel ein kalter Wind. Zusammen mit dem Partnerverband Confagricoltura und den Südtiroler Abgeordneten versuchen wir, uns Gehör zu verschaffen. Die Ausgangslage ist aber alles andere als einfach. Vor allem die Diskussion um das Finanzgesetz wird, bedingt durch die leeren Kassen, von Jahr zu Jahr schwieriger. Alles in allem können wir mit 2008 aber zufrieden sein.

www.sbb.it: Blicken wir nach vorne. Der Obst- und Weinbau steht recht gut da, ebenso der Zu- und Nebenerwerb. Die Berglandwirtschaft ist seit noch stärker als in den vergangenen Jahren schon unter Druck geraten. Was können der Südtiroler Bauernbund und die Landespolitik tun, um die Berglandwirtschaft zu unterstützen?
Nach den Worten müssen nun Taten folgen. Wir müssen die Rahmenbedingungen für die Bergbauern verbessern. Dazu gehört, weitere Zu- und Nebenerwerbsmöglichkeiten zu schaffen und die Investitionsförderung den gestiegenen Kosten anzupassen. Auch müssen die Direktförderungen für jene Bergbauern, die unter erschwerten Bedingungen arbeiten, angehoben werden. Wir haben mit den Erschwernispunkten ein gutes und bewährtes System für die Berechnung und Zuteilung. Der Agrarhaushalt muss mit „frischen“ Mitteln aufgestockt werden. Umschichtungen alleine lösen das Problem nicht. Die Berglandwirtschaft muss der gesamten Gesellschaft ein Anliegen sein, deshalb braucht es jetzt die Solidarität aller Bevölkerungsgruppen. Vor allem aber muss die Landespolitik auch weiterhin die Verantwortung für die Berglandwirtschaft übernehmen, ohne nur auf Rom und Brüssel zu verweisen.

www.sbb.it: Fünf Abgeordnete des Südtiroler Bauernbundes sind im neuen Südtiroler Landtag, dazu noch einige mit bäuerlichen Wurzeln. Was erwarten Sie sich von den bäuerlichen Vertretern im Landtag? 2009 stehen einige wichtige politische Entscheidungen an.
Ich erwarte mir, dass das Wahlprogramm, das mit den Kandidaten vereinbart und von ihnen unterschrieben wurde, in den nächsten fünf Jahren umgesetzt wird. Der Südtiroler Bauernbund wird die entsprechenden Vorschläge liefern. Vieles liegt bereits auf dem Tisch. 

www.sbb.it: Im Februar wird die Bauernbund-Spitze neu gewählt, die Wahl der Orts- und Bezirksbauernräte ist mehr oder weniger abgeschlossen. Welche Veränderungen wird es für den Bauernbund geben?
Es hat eine große Erneuerung gegeben. Fast die Hälfte der Obmänner ist neu. Das ist ein positives Zeichen. Ich erwarte mir von den neu gewählten Funktionären neue Ideen und Ansichten. Die Wahl zeigt aber auch, dass im Bauernstand das Ehrenamt nach wie vor eine große Bedeutung hat, was mich besonders freut.
Was die Landesobmannwahl betrifft bin ich überzeugt, dass der neue Obmann für Kontinuität sorgen wird – bei den Dienstleistungen genauso wie auf verbandspolitischer Ebene. Den ausgeschiedenen Funktionären möchte ich für ihren Einsatz danken, den neuen Funktionären wünsche ich viel Kraft. 

www.sbb.it: Im Juni wird das EU-Parlament gewählt. Für die Landwirtschaft hat die EU eine besondere Bedeutung. Wird der Südtiroler Bauernbund deshalb selbst einen Kandidaten vorschlagen?
Die Parteien werden Kandidaten vorschlagen. Ich wünsche mir einen Kandidaten, der aus der Landwirtschaft kommt bzw. die Landwirtschaft gut kennt. Denn viele Entscheidungen, die die Landwirtschaft betreffen, werden in Brüssel getroffen. Er muss aber sicherlich alle Südtiroler vertreten in Brüssel vertreten und darum braucht er in erster Linie einen breiten Konsens. 

www.sbb.it: Im heurigen Jahr startet der Südtiroler Bauernbund ein Kampagne zum „Ländlichen Raum“. Was soll damit erreicht werden und was ist geplant?
Wir planen eine Imagekampagne für den Ländlichen Raum, die natürlich auch die Landwirtschaft betrifft. Die Landwirtschaft soll wieder einen größeren Stellenwert in der Öffentlichkeit erhalten. Es wird Radiobeiträge geben, ein Sonderheft, eine Schilderaktion, eine Veranstaltung zusammen mit dem Tourismus u.v.m. Die Agrialp wird ebenfalls im Zeichen des „Ländlichen Raumes“ stehen.

www.sbb.it: Welche weiteren Schwerpunkte stehen 2009 an?
Der Gewässernutzungsplan dürfte verabschiedet und das Enteignungsgesetz in der Frage der Entschädigung angepasst werden. Ebenso braucht es einen stärkeren Schutz von Grund und Boden, Maßnahmen für die Berglandwirtschaft und mehr Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Landwirtschaft. Hier kommt uns die neue Ressortverteilung sicher entgegen. Vor allem aber müssen wir das Image der Landwirtschaft weiter steigern. Der Bauernbund wird auch weiterhin versuchen, Erleichterungen und Vereinfachungen umzusetzen.

Interview: Michael Deltedesco