Bauernbund | 17.11.2008

"Gentechnik hat kein Versprechen gehalten"

Eine überholte Technologie, die keine Probleme löst und unkalkulierbare Risiken für die Umwelt, die Konsumentengesundheit und die Volkswirtschaft in sich bringt: Auf dem GMO-Forum im Rahmen der Fachmesse Biolife ließen die Präsidenten der Bio- bzw. Biolandverbände erwartungsgemäß kein gutes Haar an der Gentechnik.

Auf etwa 120 Millionen Hektar Äcker und Wiesen wird weltweit gentechnisch verändertes Saatgut verwendet, vor allem in den USA. „In Europa liegt Spanien beim Einsatz der Gentechnik an der ersten Stelle. Dagegen beläuft sich die Bioanbaufläche auf 32 Millionen Hektar, jährlich werden mit Bioprodukten 32 Milliarden Euro umgesetzt“, erklärte Paul Zandanel von der EOS, der das Forum leitete. Nicht nur die Produktion, auch der Umsatz mit Bioprodukten steige. „Derzeit gibt jeder Schweizer 102 Euro für Bioprodukte aus, in Deutschland sind es immerhin 56 Euro je Einwohner, in Italien 32 Euro.“
Trotz der steigenden Bedeutung der Bioproduktion fühlen sich die Diskussionsteilnehmer von der Europäischen Union im Stich gelassen. „Während in vielen Bereichen des täglichen Lebens das Subsidiaritätsprinzip gilt, lässt die EU-Kommission den Regionen bei der Gentechnik kaum einen Handlungsspielraum. Nur so ist zu erklären, dass regionale Gentechnik-Verbotsgesetze vom Europäischen Gerichtshof gekippt werden“, erklärte Landesrat Hans Berger. Zudem sei die Koexistenz nicht geklärt, die Kennzeichnungspflicht beim Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut mangelhaft.
Südtirol sei Teil der gentechnikfreien Regionen und daher klar gegen die Gentechnik. „Die Gentechnik hat in Südtirol nichts zu suchen. Wir haben eine klein strukturierte Landwirtschaft, eine große ökologische Vielfalt und einen hohen Identifikationsgrad mit unseren heimischen Produkten. Das setzen wir sicherlich nicht aufs Spiel“, so Berger. Stattdessen forcieren wir mit dem „Gentechnikfrei-Siegel“ eben die Gentechnikfreiheit.
Der Präsident von Bioaustria, Rudi Vierbauch, kritisierte, dass die Gentechnik-Lobby keines ihrer Versprechen halte. „Ich sehe bei der Gentechnik weder ein Einsparpotential für die Produzenten noch eine Chance, den Welthunger zu bekämpfen. Vielmehr birgt die Gentechnik unkalkulierbare ökologische, gesundheitliche und wirtschaftliche Risiken, die heute noch niemand abschätzen kann.“ Daher müsse die EU handeln und klare Regeln gegen die Gentechnik setzen. Diese Meinung vertrat auch Andrea Ferrante, der Präsident des nationalen Bioverbandes AIAB, der die Fortschritte Italiens im Biobereich hervorhob. „Italien ist in Europa der größte Produzent von biologischen Produkten. Zudem werden derzeit in öffentlichen Mensen täglich 1,1 Millionen Essen aus biologischen Rohprodukten verteilt.
„Keiner will die Gentechnik, keiner braucht die Gentechnik“, sagte Thomas Dosch, der Präsident von Bioland Deutschland. „Durch einen vernünftigen Anbau, Fruchtfolgewechsel und einen verantwortungsvollen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln können wir auf Gentechnik leicht verzichten. Zudem spielt Gentechnik nur bei Baumwolle, Mai, Raps und Soja eine Rolle.“ Vor allem aber stehe bei der Gentechnik das Profitinteresse im Vordergrund. „Einige wenige Großkonzerne wie Monsanto bestimmen den Gentechnik-Markt. Die Produzenten sind diesen ausgeliefert“, so Dosch. Dass sich die Gentechnik langfristig nicht durchsetzen wird, davon ist Dosch überzeugt. „Der Konsument wird zunehmend kritischer und misstrauischer. Das kommt uns zugute.“ Diese Meinung vertrat auch Hanspeter Lösch, Präsident von Bioland Südtirol. Er vertritt die Interessen von über 400 Produzenten. „Südtirol spielt in Europa vor allem beim Bioäpfeln eine zentrale Rolle. Aber auch in den anderen Bereich nimmt die Bedeutung der Bioproduktion zu.“