Bauernbund | 11.11.2008

Berggebiete erhöhen Druck auf Brüssel

Gegen den sinkenden Milchpreis machen nun die Bauernverbände mobil. Bei einem Treffen heute in Innsbruck haben die Bauernbünde von Südtirol, Tirol und Bayern eine gemeinsame Berggebiets-Resolution verabschiedet, um die Zukunft der Milchproduktion im Berggebiet zu sichern.

Seit Jahresanfang ist der Milchpreis in Tirol um über 20 Prozent gefallen. In Südtirol ist der Milchpreis zwar noch relativ stabil, aber auch hierzulande ziehen dunkle Wolken auf. „Die Buchführungsergebnisse zeigen, dass das letzte Jahr das schlechteste seit 10 Jahren war. Vor allem die hohen Produktionskosten machen unseren Bauern zu schaffen. Und die derzeitige Situation auf den Weltagrarmärkten verheißt für die Zukunft nichts Gutes“, befürchtet Bauernbund-Obmann Georg Mayr. Doch gerade höchste Qualität bei Lebensmitteln und strengste Standards seien nicht zum Billigpreis zu haben.
In der gemeinsamen Resolution fordern die Vertreter des Berggebiets von der EU und ihren Mitgliedsstaaten, die Milchquoten, die die Milchproduktion in der EU regeln, bis 2015 beizubehalten. „Wir lehnen eine schrittweise Anhebung der Quoten um jährlich zwei Prozent entschieden ab. Damit wollen wir eine noch stärkere Überproduktion und einen weiteren Preisverfall bei Milch verhindern, so SBB-Obmann Mayr und der Tiroler Bauernbundobmann und LH-Stv. Anton Steixner.
Sollte trotz aller Bemühungen die Milchquote 2015 auslaufen, fordern die Berggebietsvertreter von der EU rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen für einen Ausgleich und massive Unterstützung für die Viehhaltung im Berggebiet. „Um kurzfristig reagieren zu können und den Absatz zu steigern, verlangen wir die Ausnutzung aller verfügbaren Instrumente der bestehenden Milchmarktordnung“, so Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner und der Tiroler Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger. Zudem sei ein Mengen steuerndes Instrumentariums in Europa anzudenken.
Gleichzeitig appellieren die Bauernvertreter auch an die Konsumenten in den drei Länder, zu heimischen Produkten zu greifen und werben um Verständnis beim Verbraucher für die Existenz bedrohende Lage der Milchbauern im Berggebiet. „Müssen Milchbauern im Berggebiet aufgeben, hat das dramatische Auswirkungen auf das Landschaftsbild und somit auf den Tourismus und jeden, der den Ländlichen Raum als Erholungsraum nutzt“, warnt Georg Mayr.

Gemeinsames Auftreten in Brüssel – Demonstration wird ins Auge fasst
Bei der Sitzung der Berggebiete wurde auch ein gemeinsames Auftreten in Brüssel beschlossen. Bereits am Mittwoch kommender Woche werden die drei Länder anlässlich des Agrarrates in Brüssel ihre Forderungen zur Aufrechterhaltung der Milchwirtschaft im Berggebiet deponieren. „Die Entscheidungen fallen jetzt. Wir können nicht zuwarten“, so die Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes, des Südtiroler Bauernbundes, des Tiroler Bauernbundes und der Landwirtschaftskammer Tirol. Sollten die Verhandlungen nicht das gewünschte Ergebnis bringen, werden weitere Schritte überlegt. „Eine Demonstration in Brüssel, auch mit Südtiroler Beteiligung, wird dann sehr wahrscheinlich“, so Mayr.


Zur Milchwirtschaft im den drei Ländern:
58.000 Milchbauern in Tirol, Südtirol und Bayern mit 1,5 Millionen Milchkühe produzieren mehr als acht Milliarden Liter Milch und bearbeiten rund vier Millionen Hektar Kulturlandschaft

Bild (von li.): Hans Müller, Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes, Georg Mayr, Obmann des Südtiroler Bauernbundes, LHStv. Anton Steixner, Obmann des Tiroler Bauernbundes, Max Weichenreider, Bezirkspräsident Oberbayern und Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol, kämpfen in Brüssel länderübergreifend für die Einkommen von 58.000 bäuerlichen Familien mit Milchwirtschaft im Berggebiet.