Bauernbund | 04.11.2008

"Bauernstand steht kompakt zusammen"

Erfreut über das gute Abschneiden der bäuerlichen Kanidaten zeigt sich Landeshauptmann Luis Durnwalder im Interview mit Bauernbund-Online.

Herr Landeshauptmann, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer klaren Bestätigung. Trotz schwacher Umfragewerte hat die Südtiroler Volkspartei die absolute Mandatsmehrheit halten können. Und Ihr Ergebnis ist immer noch beachtlich. Hatten Sie mit diesem Ausgang gerechnet?
Luis Durnwalder: Herzlichen Dank für die Glückwünsche! Ich würde lügen, wenn ich mich nicht über ein ansprechendes Ergebnis gefreut hätte. Auch wenn das Parteiergebnis nicht ganz unseren Wünschen entspricht, können wir mit der absoluten Mandatsmehrheit zufrieden sein. Zumal wir weit über den Alpenbogen hinaus die Einzigen sind, welche die absolute Mandatsmehrheit in einem Landtag gehalten haben, und die Ausgangsposition für die SVP nach den vergangenen Parlamentswahlen nicht die beste war. Mein Vorzugsstimmenergebnis kann sich meines Erachtens auch sehen lassen. Ich habe zwar auch an Stimmen eingebüßt, im Verhältnis zu den Parteistimmen ist mein Vorzugsstimmenanteil aber sogar noch angewachsen.

Besonders im ländlichen Raum und in vielen SVP-Hochburgen sind Stimmen verloren gegangen. Wie sollen diese Stimmen zurückgeholt werden?
Ja, dies schmerzt! Wir werden jetzt die Gründe genauestens analysieren und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Vielleicht ist es uns unter anderem nicht gelungen, das gemeinsam Erreichte den Menschen besser zu kommunizieren, aber auch zu sagen, dass wir unser Land nur einig und gemeinsam in eine sichere Zukunft führen können. Vor allem bei den Arbeitern, Angestellten und bei der Jugend haben wir unsere Defizite. Wir müssen noch mehr bei den Bürgern sein, ihre Sorgen anhören, auf ihre Bedürfnisse eingehen. Ich bin überzeugt, dass wir dies schaffen werden.

91 Prozent der Bäuerinnen und Bauern haben die Südtiroler Volkspartei gewählt. Die Landwirtschaft ist innerhalb der SVP wieder die stärkste Berufsgruppe. Was bedeutet das für die weitere Politik im Lande?
Es freut mich natürlich, dass die bäuerliche Gesellschaft im Südtiroler Landtag wieder gut vertreten ist. Dies beweist, dass der Bauernstand kompakt zusammensteht, gemeinsam unser Land weiterentwickeln möchte. Gleichzeitig ist dies auch ein Zeichen dafür, dass die bisherigen Abgeordneten und auch der Südtiroler Bauernbund unsere gemeinsamen Interessen bestens vertreten und fleißig, kompetent gearbeitet haben.
Wir werden einsatzbereit weiterarbeiten, wohl wissend, dass künftig bewegtere Zeiten auf uns zukommen werden.

Viele Bäuerinnen und Bauern fragen sich nun, ob Hans Berger wieder Landesrat für Landwirtschaft wird. Wann fällt die Entscheidung?
Landesrat Hans Berger hat von Anfang an äußerst kompetent und einsatzbereit gearbeitet. Er hat wieder den zweiten Platz auf der Edelweiß-Liste erreicht und empfiehlt sich sicherlich für einen Platz in der Südtiroler Landesregierung. Über deren definitive Zusammenstellung und die Zuweisung der Kompetenzen zu sprechen ist es noch zu früh. Wir werden zahlreiche Gespräche führen und dann entscheiden.

Zusammen mit dem Südtiroler Bauernbund haben die bäuerlichen Kandidaten ein Arbeitsprogramm unterschrieben. Welche der dort formulierten Anliegen müssen sehr rasch umgesetzt werden?
Wir müssen den Schutz der landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft noch verstärken, denn sie sind die Lebensgrundlage unserer Bauern. Alle Maßnahmen zum Schutz des bäuerlichen Grund und Bodens sind jetzt rasch umzusetzen. Dazu zählen die Garantie marktgerechter Entschädigungen bei Enteignungen, die Reduzierung der Auflagen und Beschränkungen für Grundeigentümer sowie die Sicherung einer ausreichenden Wasserversorgung für die Landwirtschaft.
Der Schutz der landwirtschaftlichen Flächen schafft die Voraussetzung, dass die bäuerlichen Betriebe weiterhin gut arbeiten können. Die Agrarpolitik muss ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zielen anstreben, um den ländlichen Raum dauerhaft lebenswert zu erhalten.
Die öffentliche Hand muss deshalb die Lebensqualität und Arbeitsbedingungen verbessern. Die Anbindung an das Breitbandnetz, die Unterstützung der überbetrieblichen Zusammenarbeit wie Genossenschaften, Beratungsdienste und Forschung sind genauso Schwerpunkte wie der Schutz der Qualitätsprodukte.

Interview: Michael Deltedesco