Bauernbund | 12.10.2008

Beeindruckt von Professionalität und Leidenschaft

Sie ist mit einer Auflage von 150.000 Exemplaren die größte Österreichische Wochenzeitung für den ländlichen Raum: Die „Österreichische Bauernzeitung“. Ihre Redakteue waren vergangenes Wochenede auf Einladung des Südtiroler Bauernbundes und ihrer Schwesterzeitung, dem „Südtiroler Landwirt“, zwei Tage zu Besuch in Südtirol.

Teil des dichten Informationsprogramms war ein Erfahrungsaustausch mit dem Südtiroler Bauernbund sowie ein Besuch bei einer Kellerei- und Obstgenossenschaft. Georg Keuschnigg, Verlagsleiter der Bauernzeitung, zeigte sich beeindruckt: „Landwirtschaft wird hier mit viel Professionalität und Leidenschaft betrieben. Das haben unsere Redakteure schon bei diesem kurzen, aber sehr informativen Aufenthalt gesehen.“ Man sehe, dass hier viele Faktoren gut zusammen spielen: „Der Einsatz und die Überzeugung der Bauern, die Erfahrung und das Fachwissen, unterstützt durch hervorragende Beratungs- und Forschungseinrichtungen, schlagkräftige Genossenschaften und der politische Wille, die Landwirtschaft tatkräftig zu unterstützen!“

Grenzüberschreitende Information
Für die beiden Redaktionen ging es in erster Linie um eine engere Zusammenarbeit. Georg Keuschnigg, Verlagsleiter der Bauernzeitung, sagte: „Auf politischer Ebene pflegen die Bauernbünde aus Südtirol und Österreich seit jeher einen guten Austausch. Genauso wichtig aber ist die Ebene der Kommunikation. Hier können wir sicher noch zulegen.“ Auch der Südtiroler Bauernbund-Obmann Georg Mayr und Direktor Siegfried Rinner begrüßten „jede Initiative, die zu einem engeren Informationsaustausch führt.“ Europa wachse zusammen, und es sei gut, mit einer Stimme zu sprechen. „Nicht nur aus historischen Gründen ist der Bauernbund Österreich ein natürlicher Partner“, so Mayr, „sondern auch, weil wir als ländliche Gebiete in den Alpen ähnliche Voraussetzungen und Bedürfnisse haben. Da ist es auch gut, wenn die Zeitungen sich ergänzen.“
Mayr nutzte die Gelegenheit auch, Österreich zu danken „für die viele Unterstützung, die Südtirol seit der schmerzlichen Trennung erfahren hat. Ohne Österreich stünde das Land Südtirol und die Landwirtschaft nicht da, wo sie heute stehen. Das müssen wir unter anderem auch unserer Jugend immer wieder erklären.“
 
An Österreich orientiert
Direktor Rinner berichtete über die Lage der Südtiroler Landwirtschaft in wirtschaftlicher und politischer Sicht: Mit aktuellen Daten aber auch mit dem Hinweis auf die besondere politische Situation: „Italiens Agrarpolitik hat die Berggebiete in den vergangenen Jahrzehnten eher vernachlässigt. Umso wichtiger war die aktive Politik im eigenen Lande, die mit der Erschließung der Höfe und ihrem Einsatz für günstige Arbeits- und Lebensbedingungen am Lande die Voraussetzung für belebte Täler und Dörfer gesorgt hat.“ Hier habe man sich oft am benachbarten deutschsprachigen Raum wie Österreich und Bayern orientieren können. Mayr ergänzte: „Es gibt umgekehrt aber auch erfolgreiche Modelle, die Österreich von uns übernommen hat. Auch in dieser Hinsicht fungieren wir gerne als Brückenkopf.“


 

DREI FRAGEN AN …
Fritz Kaltenegger, Direktor Öst. Bauernbund und Geschäftsführer Bauernzeitung


www.sbb.it
: Der Österreichische Bauernbund hat in der Bauernzeitung ganz stark für die ÖVP als Garant für eine gute Zukunft der Landwirtschaft geworben. Die ÖVP hat stark verloren. Was ist schiefgegangen?
Fritz Kaltenegger: Man muss hier trennen. Einerseits haben wir versucht, die Bauernbund-Kandidaten in den Bundesländern gut zu positionieren, um eine gute Interessensvertretung im Nationalrat zu haben. Das ist mit überzeugenden Argumenten und der Bauernzeitung als schlagkräftigem Kommunikationsmittel zu einem guten Teil gelungen. Immerhin haben 78 Prozent der Bauern wieder ÖVP gewählt. Andererseits ist das Wahlergebnis insgesamt eine bittere Niederlage. Es ist nicht gelungen, dem klassischen Mittelstand ein Angebot zu machen.

Ist die Landwirtschaft nun schlechter vertreten?
Wenn die Partei insgesamt verliert, ist das auch ein Rückschritt für die Interessensvertretung der Bauern. Insofern sind wir jetzt sicher in einer schlechteren Position. Immerhin stehen auf EU-Ebene in den nächsten Jahren unumkehrbare Entscheidungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik und deren Finanzierung an. Hier steht viel auf dem Spiel.
Nun hängt es von den Regierungsverhandlungen ab. Wenn die ÖVP mitregiert, kann ich garantieren, dass die Landwirtschaft weiterhin gut vertreten sein wird. Das wäre auch ein klares Signal an Südtirol: Weil der Österreichische Landwirtschaftsminister in den vergangenen Jahrzehnten immer auch ein Partner der Südtiroler Bauern auf internationaler Ebene war.

Am 26. Oktober wählt auch Südtirol. Was geben Sie den Menschen am Lande für die Landtagswahlen mit?
Wählen gehen. Das ist das alles Entscheidende. Und möglichst zwei, drei Leute überzeugen, mit zur Wahl zu gehen und die richtige Partei zu wählen. Und das kann nur die SVP sein, weil dort die Interessen der Landwirtschaft und des ländlichen Raums am besten aufgehoben sind.

 
   

Bild oben: In der Obstgenossenschaft Frubona - Geschäftsführer Kurt Mayr (rechts) informiert die Redakteure über die Obsterzeugung in Südtirol
Bild unten: Fritz Kaltenegger, Direktor Öst. Bauernbund und Geschäftsführer Bauernzeitung