Bauernbund | 23.09.2008

„Massiv bäuerliche Kandidaten wählen“

Der Nordtiroler ÖVP-Politiker Anton Steixner ist als einer der Sieger aus der Landtagswahl in Tirol von einigen Wochen hervorgegangen. Der Landeshauptmann-Stellvertreter, Landesrat für Land- und Forstwirtschaft und Tiroler Bauernbundobmann war kürzlich auf Einladung des Südtiroler Bauernbund in Brixen. Dabei hat Steixner die Eisacktaler Funktionäre des Bauernbundes, der Bäuerinnenorganisation, der Bauernjugend und der Seniorenvereinigung auf die Bedeutung einer starken Vertretung im nächsten Südtiroler Landtag hingewiesen. Das gelinge aber nur, wenn die Funktionäre massiv für die Kandidaten werben würden, so Steixner.

www.sbb.it: Tirol hat vor kurzem einen neuen Landtag gewählt, Bayern ebenso, Südtirol wählt im Oktober. In allen drei Ländern zeigt sich, dass es nicht mehr selbstverständlich ist, die teils mit absoluter Mehrheit regierenden bürgerlichen Parteien zu wählen. Was sind die Gründe dafür?
Anton Steixner: Es ist eine Protesthaltung spürbar. Zum Teil aber auch unbegründet. Derzeit zeigen sich ganz klar die negativen Folgen der Globalisierung. Die Preise für Energie und Dinge des täglichen Bedarfs werden teurer. Arbeitsplätze gehen durch die Globalisierung verloren. Für diese negativen Veränderungen werden die regierenden regionalen Parteien verantwortlich gemacht, obwohl sie eigentlich nichts für die hohen Preise können. Und diese Stimmung ist derzeit vielerorts spürbar.

www.sbb.it: Der Tiroler Wahlkampf wurde sehr hart geführt. Nicht zuletzt hat die Liste Dinkhauser Stimmung gegen die Bauern gemacht – auch mit Unterstützung der Medien. Wie konnte es so weit kommen?
Steixner: Für uns war die Schärfe der Auseinandersetzung selbst überraschend. Man hat Berufsgruppen gegeneinander ausgespielt, das sich entschieden ablehne. Wir haben in Tirol das Problem, dass Baugrund und somit Wohnraum sehr teuer sind. Einige Kandidaten haben damit Wahlkampf gemacht und den Bauern vorgeworfen, für die hohen Grundstückspreise verantwortlich zu sein. Gleichzeitig wurde den Bauern vorgeworfen, die Lebensmittel zu verteuern. Das alles hat zu einer negativen Stimmung geführt. Nach der Wahl nun werden wir alles unternehmen, damit sich die Stimmung für die Bauern wieder bessert.

www.sbb.it: In Südtirol wird der Südtiroler Bauernbund und besonders der Urlaub auf dem Bauernhof immer wieder massiv vom Hoteliers- und Gastwirteverband attackiert. Die Bauern sind als Landschaftspfleger willkommen, sollen aber vom Tourismuskuchen nichts abbekommen. Wie ist die Situation in Tirol?
Steixner: In Tirol wäre es völlig undenkbar, dass der Hoteliersverband die Landwirtschaft und den Urlaub auf dem Bauernhof kritisiert. Alle sind sich im Klaren darüber, dass die Landwirt die Voraussetzungen für den Tourismus schafft. Wir haben auch weniger Probleme, was die Verwendung heimischer Produkte betrifft.

www.sbb.it: In Tirol ist es kurz vor der Wahl doch noch gelungen, die Stimmung zu verbessern und die Bauern aus der Schusslinie zu bringen. Was ist getan worden?
Steixner: Es hat am Ende des Wahlkampfes – in den letzten zwei Wochen – ein Umdenken gegeben. Den Bauern, aber auch der Landwirtschaft nahe stehenden Bevölkerung, ist die Kritik an der Landwirtschaft zu viel geworden. Gleichzeitig haben sich die Funktionäre voll ins Zeug gelegt und sind von Haus zu Haus gegangen, um Überzeugungsarbeit zu leisten und für die bäuerlichen Kandidaten zu werben. Ich denke, dass gerade die Bauern wissen müssen, dass nur bäuerliche Kandidaten die Interessen der Bäuerinnen und Bauern im Landtag angemessen vertreten. Sonst vertritt niemand unsere Interessen. Das ist heute wichtiger denn je, denn die nächsten Jahren werden nicht einfacher. Die totale Liberalisierung im Agrarhandel wird früher oder später kommen. Wenn es dann in den regionalen Parlamenten nicht Kandidaten gibt, die für die Anliegen der Bauern kämpfen, werden die Anliegen eben nicht vertreten. Das ist in Tirol gleich wie in Südtirol.

www.sbb.it: Was rät Toni Steixner den Südtiroler Wählerinnen und Wählern?
Steixner: Es sollte selbstverständlich sein, dass bäuerliche Familien und das gesamte bäuerliche Umfeld die bäuerlichen Kandidaten wählen, weil die Bäuerinnen und Bauern eine starke Vertretung dringend brauchen. Ich kann deshalb nur jeden bitten und empfehlen, massiv für die Kandidaten zu werben und bei der Wahl den bäuerlichen Kandidaten alle vier Vorzugsstimmen zu geben.

Interview: Michael Deltedesco