Bauernbund | 29.08.2008

Berglandwirtschaft: EU-Spitzenfunktionär in Südtirol

Klaus-Dieter Borchardt gilt als wichtigster Berater von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel, wenn es um die Ausrichtung der EU-Agrarpolitik geht. Ende August hat er sich ein Bild von der Südtiroler Berglandwirtschaft gemacht. Dabei wurde ein "Bergpaket" in der neuen EU-Agrarplanung ebenso angedacht, wie eine Milchkuhprämie.

Getroffen hat er sich unter anderem mit Bauernbund-Landesobmann Georg Mayr, Landwirtschaftslandesrat Hans Berger, dem EU-Parlamentarier Michl Ebner und verschiedenen Spitzenbeamten aus der Land- und Forstwirtschaft in Südtirol.
Der stellvertretende Kabinettchef von Kommissarin Fischer Boel konnte sich Südtirols Landwirtschaft zunächst zunächst aus der Luft ansehen. Beim Besuch einiger Ultner Bergbauernhöfe hatte er auch die Möglichkeit, sich Informationen aus erster Hand zu holen. Er hat das Gespräch mit den Bauern gesucht und so einen direkten Eindruck von deren Arbeit, Zukunftsperspektiven und Anliegen erhalten. Borchardt versicherte, dass es die Berglandwirtschaft unbedingt zu erhalten gelte, weil ansonsten Lebensraum und ein wichtiges Element für alle Wirtschaftsbereiche im Berggebiet verloren gehe.

Am zweiten Tag stand der "theoretische" Teil des Treffens auf dem Programm. An diesem waren auch der Trientner Landwirtschaftslandesrat Tiziano Mellarini, Vertreter der Tiroler Landwirtschaft beteiligt. Mit Borchart haben sie die Perspektiven der Berglandwirtschaft diskutiert. Dies vor allem vor dem Hintergrund einer Abschaffung der Milchquoten. "Je lockerer die Quotenregelung gehandhabt wird, desto höher wird der Druck auf die Preise und desto unsicherer wird die Lage der Milchbauern", so Berger, der deshalb Ausgleichsmaßnahmen für die Bauern im Berggebiet angeregt hat.

Konkret wurde mit Borchardt heute über eine flächenbezogene Milchkuhprämie verhandelt, die den Betrieben einen Ausgleich sichern und zudem - dank des Flächenbezugs - die extensive und damit umweltschonende Viehhaltung belohnen würde. Borchardt hat versichert, dass eine solche Prämie für ihn bereits in der Übergangsphase vor Abschaffung der Quoten denkbar sei. Allerdings seien es die Staaten, die über die Zuteilung der Mittel im Bereich der ländlichen Entwicklung entschieden. "Entsprechend wird es dann auf die Verhandlungen mit Rom ankommen", so Berger.

Für die weitere Zukunft, konkret jene nach Auslaufen des Planungszeitraums 2013, sei das Ziel der Berggebiete - allen voran Südtirols - ein eigenes "Bergpaket" in der EU-Agrarplanung. "Die Berglandwirtschaft muss als eigene Realität und nicht als Ausnahme zur herkömmlichen Landwirtschaft gesehen werden", so Berger. Es gehe nun darum, auf allen Ebenen- und auch mit Hilfe anderer Bergregionen - Meinungsbildung für ein solches Bergpaket zu betreiben. Bereits innerhalb von zwei Monaten soll ein erster Schritt bei einem Treffen mit EU-Kommissarin Fischer Boel gesetzt werden, das Borchardt ermöglichen wird. Schritt zwei sei dann ein Berglandwirtschafts-Forum in Brüssel, zu dem alle für die Agrarpolitik Verantwortlichen eingeladen werden sollen.


LPA-Mitteilung
Foto: LPA/Pertl