Bauernbund | 31.07.2008

Weinmarkt läuft nach neuen Regeln

Neue EU-Weinmarktordnung tritt heute in Kraft – Einige Neuerungen umstritten

Lange ist darüber diskutiert, doch schlussendlich ist sie nun doch beschlossen worden. Die Reform der gemeinsamen Marktorganisation für Wein tritt am heutigen 1. August 2008 in Kraft. Und mit ihr einige wesentliche Änderungen im Weinsektor. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte der im April vom Ministerrat verabschiedeten Verordnung.
Ein erster wichtiger Punkt betrifft den nationalen Finanzrahmen: Diese Finanzrahmen wird den Mitgliedstaaten die Möglichkeit geben, die Maßnahmen an ihre jeweilige Situation anzupassen. Mögliche Maßnahmen sind unter anderem: Absatzförderung in Drittländern, Umstrukturierung/Umstellung von Rebflächen, Investitionen zur Modernisierung der Produktionskette und in die Innovation, Unterstützung für die grüne Weinlese, neue Maßnahmen zum Krisenmanagement sowie einfache produktionsentkoppelte Einkommensstützung.

Maßnahmen für ländlichen Raum
Finanzielle Mittel werden auf die Maßnahmen zur ländlichen Entwicklung übertragen und sind den Weinbauregionen vorbehalten. Die Maßnahmen könnten Folgendes umfassen: Niederlassung von Jungweinbauern, Verbesserung  der Vermarktung, Berufsbildung, Förderung von  Erzeugerorganisationen, Unterstützung zur Deckung der mit der Erhaltung von Kulturlandschaften verbundenen Zusatzkosten und Einkommenseinbußen sowie Vorruhestand. Die Pflanzungsrechte werden Ende 2015 abgeschafft, mit der Möglichkeit, sie auf nationaler Ebene bis 2018 beizubehalten.

Schrittweises Aus für Destillation

Die Dringlichkeitsdestillation wird nach Ermessen der Mitgliedstaaten auf vier Jahre bis zum Ende des Wirtschaftsjahres 2011/12 begrenzt, wobei die Ausgaben im ersten Jahr auf 20 Prozent, im zweiten Jahr auf 15 Prozent, im dritten Jahr auf zehn Prozent und im vierten Jahr auf fünf Prozent des nationalen Finanzrahmens beschränkt sind. Die Destillation zu Trinkalkohol wird innerhalb von vier Jahren schrittweise abgeschafft, wobei eine produktgekoppelte Zahlung während der Übergangszeit durch die Einbeziehung in die entkoppelte Betriebsprämie abgelöst wird. Die Mitgliedstaaten
werden die Destillation von Nebenerzeugnissen verlangen können, die aus dem nationalen Finanzrahmen in deutlich geringerer Höhe als bisher finanziert wird, wobei die Erfassungs- und Verarbeitungskosten der Nebenerzeugnisse gedeckt sind. Neu ist auch die Einführung der Betriebsprämienregelung: Die entkoppelte Betriebsprämie wird den Keltertraubenerzeugern nach Ermessen der Mitgliedstaaten sowie allen Weinbauern gewährt, die ihre Rebflächen roden.

Rodung

Es gibt eine dreijährige freiwillige Rodungsregelung für eine Gesamtfläche von 175.000 Hektar mit einer im Laufe der drei Jahre  schrittweise verringerten Prämie. Ein Mitgliedstaat kann die Rodung einstellen, wenn die gerodete Fläche acht Prozent der gesamten Weinbaufläche des Mitgliedstaats oder zehn Prozent der gesamten Weinbaufläche einer Region übersteigt. Die Kommission kann die Rodung einstellen, wenn die gerodete Fläche 15 Prozent der gesamten Weinbaufläche eines Mitgliedstaats erreicht. Die Mitgliedstaaten können auch Rodungen in Berggebieten und Steillagen sowie aus umweltbedingten Gründen ausschließen.

Önologische Verfahren
Die Zuständigkeit für die Genehmigung neuer bzw. die Änderung bestehender önologischer Verfahren wird auf die Kommission übertragen, welche die von der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) genehmigten önologischen Verfahren bewertet und einige davon in die Liste der genehmigten EU-Verfahren aufnimmt.

Etikettierung

Das Konzept für Qualitätsweine aus der EU wird sich auf Weine mit geschützten geografischen Angaben und Weine mit geschützter  Ursprungsbezeichnung gründen. Fest etablierte nationale Qualitätspolitiken werden beibehalten. Die Etikettierung wird vereinfacht und wird so bei EUWeinen ohne geografische Angabe ermöglichen, die Rebsorte und den Jahrgang auf dem Etikett anzugeben. Bestimmte traditionelle Begriffe und Flaschenformen können weiterhin geschützt werden.

Trockenzuckerung

Die Trockenzuckerung ist weiterhin erlaubt, obwohl die Höchstgehalte der Anreicherung mit Zucker oder Traubenmost gesenkt werden. Die Mitgliedstaaten könnenbei der Kommission im Falle außergewöhnlicher klimatischer Bedingungen beantragen, die höchstzulässige Anreicherung anzuheben. Die Beihilfe für die Verwendung von Traubenmost darf in ihrer derzeitigen Form vier Jahre lang weitergezahlt werden. Nach dieser Übergangszeit können die Ausgaben für die Mostbeihilfe in entkoppelte Zahlungen an die Traubenerzeuger umgewandelt werden.