Bauernbund | 17.06.2008

Landwirtschaft ist ein Juwel für Südtirol

Im Vergleich zum gesamten Italien hat die Landwirtschaft in Südtirol überdurchschnittlich große Bedeutung. Das WIFO spricht daher aufgrund ausgewerteter ISTAT-Daten von der Südtiroler Landwirtschaft als „Juwel“. Und doch sind die Daten nicht nur rosig: Die Steigerung des Einkommens aus der Landwirtschaft lag in den letzten zehn Jahren unter der Inflationsrate.

Kürzlich hat das ISTAT Daten zu Stand und Entwicklung der Landwirtschaft (Valore aggiunto dell‘ agricoltura per regione, 5/2008) veröffentlicht. Das Wirtschaftsforschungsinstitut der Handelskammer Bozen hat die Daten für Südtirol unter die Lupe genommen und – im Vergleich mit dem nationalen Durchschnitt – viele Überraschungen herausgefunden: Sie entwickelt sich deutlich besser als auf nationaler Ebene. Einer der besonders großen Erfolgsfaktoren ist der Zuerwerb am Hof. All diese Daten führen laut WIFO zum Schluss, dass die Landwirtschaft als strategischer Wirtschaftssektor in Südtirol anzusehen ist. Dennoch dürfen die statistischen Daten nicht zu rosig gesehen werden. Die Ergebnisse im Detail:
Hat die gesamte Südtiroler Wirtschaft an jener Italiens einen Anteil von einem Prozent, ist der entsprechende Anteil für die Landwirtschaft doppelt so hoch. Das heißt, dass in Südtirol die Landwirtschaft verglichen mit dem nationalen Durchschnitt eine zweimal so große Bedeutung hat: 630 Mio. an Wertschöpfung bedeuten fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes bzw. der gesamten Wirtschaftsleistung Südtirols.

Ein Grund für die überdurchschnittlich große Bedeutung der Landwirtschaft in Südtirol liegt in den bestehenden Möglichkeiten zu Nebeneinkommen, wie der Urlaub auf dem Bauernhof. Tatsächlich unterscheidet sich die landwirtschaftliche „Produktionsstruktur“ Südtirols wesentlich von jener Italiens: Obst- und Weinbau (Anteil von 36%) sowie der Zuerwerb (20%) sind in Südtirol verhältnismäßig sehr viel wichtiger, während italienweit der Gemüseanbau auf nationaler Ebene mit einem Anteil von 35 Prozent eine größere Bedeutung hat als in Südtirol mit ach Prozent (siehe Grafik).

Geringe Wertschöpfung
Aber auch bezüglich der Entwicklung der letzten zehn Jahre kann für Südtirol noch ein leichter Zuwachs der nominalen Wertschöpfung (+4%) festgestellt werden, während diese Italienweit um sieben Prozent abgenommen hat. Dies ist dennoch eine besorgniserregende Entwicklung, zumal das Gesamteinkommen aus der Landwirtschaft damit real nicht mit der Inflationsrate Schritt gehalten hat.

Landwirtschaft unverzichtbar
Südtirol braucht seine Landwirtschaft und wird sie in Zukunft noch stärker brauchen: Die Bewirtschaftung der Flächen bringt Lebensqualität für Einheimische und Gäste. Die Südtiroler Landwirtschaft wird weiters als Rohstofflieferant (Hackschnitzel) immer wichtiger. Damit sichert sie nicht nur Arbeitsplätze im eigenen und in anderen Sektoren. Aufgrund der steigenden Lebensmittelpreise und der steigenden Transportkosten werden die landwirtschaftlichen Nahrungsmittel aus lokaler Erzeugung einen wachsenden Stellenwert erfahren. Die überdurchschnittlich große Bedeutung der Landwirtschaft, welche in Südtirol gehalten werden konnte, ist deshalb nicht nur rückblickend als positiv zu sehen, sondern für die Zukunft als strategisch einzustufen!