Bauernbund | 29.04.2008

Sennereiverband: Futtermittelpreise waren Spielverderber

Vollversammlung des Sennereiverbandes Südtirol – Milchmenge 2007 rückläufig

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickten die Verantwortlichen des Sennereiverbandes Südtirol bei der Jahresvollversammlung in Bozen auf das Jahr 2007 zurück: Erstmals seit vielen Jahren ist der Milchpreis für die Bauern wieder deutlich gestiegen – der Preisboom bei den Futtermitteln frisst dieses Plus aber fast wieder auf. Gekürt wurde bei der Versammlung auch wieder der beste Milchlieferant des Jahres.
Insgesamt 168,8 Millionen Euro erhielten die rund 5700 Südtiroler Milchlieferanten im vergangenen Jahr für knapp 376,4 Millionen Kilogramm angelieferte Milch, was einem durchschnittlichen Milchpreis von 44,86 Cent pro Kilogramm entspricht – bei natürlichen Inhaltsstoffen und inklusive Mehrwertsteuer und Qualitätszuschlägen. Soweit die nackten Zahlen. Hinter diesen verbirgt sich ein Jahr, das für die Milchwirtschaft – in Südtirol ebenso wie international – so turbulent verlaufen ist wie schon lange nicht mehr.
Dabei hatte alles ganz ruhig begonnen, wie auch Sennereiverbands-Obmann Joachim Reinalter zu berichten wusste. „Im Sommer geschah dann etwas, womit in diesem Ausmaß kaum einer gerechnet hat: Die Milchmengen wurden knapp, die Preise schnellten dementsprechend in die Höhe“, blickte Reinalter zurück. In Südtirol stieg der Auszahlungspreis im Vergleich zum Vorjahr um fast elf Prozent an, im restlichen Europa fiel das Plus zum größten Teil noch wesentlich höher aus.

Lebensmittel waren noch nie so günstig
Für die heimischen Milchbauern also ein erfreuliches Ergebnis und der gerechte Lohn für ihre harte Arbeit, der ihnen auch von allen Seiten vergönnt wird – möchte man zumindest meinen. Doch weit gefehlt: „Die steigenden Preise sorgten für Alarmstimmung bei Politikern und Konsumentenschützern, die sofort nach stabilen und niedrigeren Preisen riefen. Interessanterweise war in diesen Diskussionen kaum die Rede vom Produzenten, welcher vom Erlös seines Produktes wirtschaften und leben muss. Eine Anpassung der Produktpreise war längst fällig. Noch nie waren Lebensmittel so billig und dabei qualitativ so hochwertig“, unterstrich Reinalter.
Ein weiterer Rückschlag für die Milchbauern war ein rasanter Anstieg der Futtermittelpreise. „Die Rohstoffpreise sind allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich 55 Prozent angestiegen, für den einzelnen Bauern bedeutet dies einen Anstieg der Produktionskosten von vier bis sechs Cent pro Kilogramm Milch“, rechnete Annemarie Kaser, die Direktorin des Sennereiverbandes, vor. Höhere Preise für Milch seien daher zur Aufrechterhaltung der Produktion längst dringend notwendig gewesen. „Trotz des Preisbooms bei den Produktionskosten schaut für die heimischen Milchbauern im Jahr 2007 ein kleines Plus heraus, das sie sich redlich verdient haben“, verkündete Reinalter. Nachdem die Milchpreise zu Jahresanfang 2008 vielerorts wieder gesunken sind, hofft Reinalter auf steigende Preise im zweiten Halbjahr.

Ziegenmilchproduktion immer professioneller
Zur Milchanlieferung in Südtirol: Diese war im vergangenen Jahr erstmals seit Anfang der 1990er-Jahre wieder rückläufig. „Gründe dafür waren eine allgemein schlechtere Grundfutterqualität wegen der ungünstigen Witterung, das Auflassen der Milchproduktion auf mehreren Höfen und die hohen Futtermittelpreise, die dazu führen, dass keine Kuh zuviel im Stall gehalten wird", erklärte Kaser. Um 68 Prozent gestiegen ist im vergangenen Jahr die Ziegenmilchproduktion, die immer professioneller betrieben wird und sich einer sehr guten Nachfrage erfreut. Das Flaggschiff unter den Südtiroler Milchprodukten bleibt nach wie vor der Joghurt: „Im Jahr 2007 stieg die Produktion wiederum um fünf Prozent an, täglich werden in Südtirol zwei Millionen Becher Joghurt abgefüllt“, berichtete Kaser.
Die Käseproduktion ist insgesamt gesunken, einen starken Zuwachs verzeichneten die Frischkäsesorten. Die Frischmilch konnte trotz der starken Konkurrenz von Billigprodukten aus dem Ausland ihre Marktposition behaupten und erfuhr einen Zuwachs von 2,2 Prozent, die Butterproduktion war stabil, die Sahneproduktion stieg leicht an. Weiter an hält der positive Trend bei den Bioprodukten, auch wenn das Segment mengenmäßig nach wie vor sehr klein ist.

Labor bestätigt hohe Qualität

Die Haupttätigkeit des Sennereiverbandes bleibt aber die La-bortätigkeit. Insgesamt wurden im Bereich der Rohmilchkontrolle 634.092 Proben angenommen. 51,9 Prozent davon waren Leistungskontrollproben. Die Milchgüteproben werden auf die Parameter Fett, Eiweiß, Gesamtkeimzahl, Zellzahl, Gefrierzahl, Laktose, fettfreie Trockenmasse, Hemmstoff und Harnstoff überprüft. Insgesamt wurden daher 2.065.269 Einzelergebnisse ermittelt. Von den 129.982 Hemmstoffprobenwaren lediglich 0,05 Prozent positiv. „Dies zeigt, dass die Südtiroler Milch von Jahr zu Jahr qualitativ immer noch hochwertiger wird. Dies ist auch der konsequenten Arbeit unserer Bauern zu verdanken“, freute sich Kaser. Die Lieferanten können die Ergebnisse jederzeit abrufen bzw. sie werden automatisch informiert, wenn neue Ergebnisse vorhanden sind. Immer mehr Bauernhöfe haben inzwischen einen Internet-anschluss, sodass immer mehr Ergebnisse auf digitalem Weg verschickt werden. So gibt es 1085 Lieferanten mit E-Mail-Abruf und 699 Lieferanten mit Fax-Abruf.
Seit Jahren leicht rückläufig ist die Anzahl der untersuchten Milchprodukte, im vergangenen Jahr wurden 13.666 Produkte mikrobiologisch, chemisch, physikalisch und sensorisch geprüft. „Der Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass sich der Sennereiverband in Absprache mit den Mitgliedsgenossenschaften auf Spezialuntersuchungen konzentriert und die Routineuntersuchungen in den Milchhöfen selbst geschehen.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Tätigkeit im Sennereiverband war auch 2007 die Beratung: Die fünf Milcherzeugerberater besuchten insgesamt 2644 Betriebe. Den größte Anteil in der Beratung nimmt die Kontrolle der Melkanlagen ein. Die Zahl der milchverarbeitenden Almen, welche das Qualitätssicherungs- und Beratungsprogramm des Sennereiverbandes in Anspruch nehmen, ist um sieben auf nunmehr 49 gestiegen. Betreut wurden zudem 45 Hofkäsereien, fünf mehr als im Vorjahr, weitere acht befinden sich in der Planungsphase.

Bester Milchlieferant 2007 aus Hafling
Ein besonderer Höhepunkt der Vollversammlung war auch in diesem Jahr die Auszeichnung für den besten Milchlieferanten des abgelaufenen Jahres. „Alle Lieferanten, welche die Kriterien für die Prämierung einhalten, erhalten eine Plakette. Im Jahr 2007 waren dies 682 Lieferanten, 116 Lieferanten mehr als im Vorjahr“, freute sich Obmann Reinalter. Den Titel als landesbester Milchlieferant holte sich mit Alois Wilhelm Eschgfäller vom Glatzhof in Hafling ein Milchbauer, der bereits in den vergangenen Jahren mehrmals knapp auf Platz zwei gelandet war.
Raum blieb bei der Vollversammlung auch für Grußworte der Ehrengäste. Landesrat Hans Berger lobte die Milchhöfe für die geleistete Arbeit, nun gelte es, den Trend der biologischen und silofreie Produktion aufzugreifen und das noch immer hohe Potential für Kosteneinsparungen durch vermehrte Zusammenarbeit im Sinne der Mitglieder zu nutzen. Landtags-Vizepräsidentin Rosa Thaler rief auch die bäuerlichen Familien zu höherer Wertschätzung für heimische Lebensmittel auf, Landesbäuerin Maria Kuenzer verwies auf die Zusammenarbeit der Bäuerinnen mit dem Sennereiverband im Rahmen der Milchwerbung in den Schulen. Der Landtags-Abgeordnete Seppl Lamprecht wünschte sich, dass bei Ausschreibungen von Mensadiensten in öffentlichen Einrichtungen heimische Produkte den Vorzug erhalten.

bch

Bild rechts unten:
Familie Alois Wilhelm Eschgfäller vom Glatzhof in Hafling mit Direktorin Anni Kaser, Landesrat Hans Berger und Obmann Joachim Reinalter