Bauernbund | 22.04.2008

Kovieh: Rekordjahr 2006 war außer Reichweite

Der historische Höhepunkt der Vollversammlung des Südtiroler Viehvermarktungskonsortiums Kovieh war der Rückblick auf das 25-jährige Bestehen. Aufschlussreich war die – gedämpft positive – wirtschaftliche Bilanz des Jahres 2007. Der bewegendste Augenblick war der Abschied des langjährigen Obmanns Johann Runggatscher. Fast untergegangen wäre dabei, dass das Kovieh auch einen neuen Verwaltungsrat und Obmann gewählt hat.

Als das Kovieh im Jahr 1983 aus den Trümmern der Viehvermarktungsorganisation Vives geboren wurde, hätte ihm niemand jene Erfolgsgeschichte zugetraut, die 25 Jahre später daraus geworden ist. Auf der Vollversammlung vor zwei Wochen in Bozen gedachten die Kovieh-Verantwortlichen in einer schlichten Feier der Gründung. Über den von großen Hürden und Rückschlägen geprägten Aufstieg des Kovieh wird der „Südtiroler Landwirt“ in seiner nächsten Ausgabe berichten.

Trotz Einbußen über 40.000 Tiere vermarktet
Nicht ganz zufrieden ist man beim Kovieh mit dem Geschäftsjahr 2007. Obmann Johann Runggatscher sagte: „Wir konnten nicht an die Vermarktungszahlen des Vorjahres anschließen, das außerordentlich gut verlaufen war. Zwar konnten wir die 40.000 Stück-Marke halten, die wir 2006 erstmals überschritten hatten. Dennoch bedeutet dies ein Minus von 1.676 Tieren.“
Geschäftsführer Ferdinand Strauß berichtete, dass das Jahr auch preismäßig eher schwierig war: „Der Mastkälbermarkt hat einen starken Einbruch erlitten. Die Ursachen dafür liegen zum einen in der Steigerung der Milchpulverpreise. In der Folge haben viele kleinere Mäster in Norditalien ihre Tätigkeit aufgegeben und sind uns als Kunden verloren gegangen. Auch die Nachfrage nach teurem Kalbfleisch war gedämpft. Ganz besonders schwer ließen sich Kälber mit niedriger Qualität verkaufen.“
Entsprechend ist der Preis um 13,33 Prozent zurückgegangen, bei den Rindern zwar weniger drastisch, aber immerhin um 3,66 Prozent.
Runggatscher bedauerte auch, dass die Kosten pro vermarktetem Tier wegen der erhöhten Transport-, Personal- und Vertriebskosten von 35,42 auf 38,68 Euro angestiegen seien. Auch der bürokratische Aufwand nehme immer mehr zu und sei in den Tagen nach den Versteigerungen kaum zu bewältigen.
Landwirtschaftslandesrat Hans Berger sah aber keinen Grund, Trübsal zu blasen: „Sicher – die Daten sind nicht unbedingt erfreulich. Aber sie sind auch nicht besorgnis erregend.“
Stattdessen hob Berger die Bedeutung des Kovieh für die Südtiroler Viehwirtschaft hervor: „Es garantiert den Absatz für einen Großteil des Südtiroler Mast- und Schlachtviehs und an den Kovieh-Versteigerungspreisen orientiert sich die gesamte Region.“ Besonders der geordnete und reibungslose Verlauf der Versteigerungen sei mit Blick auf den Umwelt-, Tier- und Konsumentenschutz immens wichtig.
Auch deshalb hofft Berger, dass es gelingt, „die Viehvermarktung ohne Konfrontation mit den Viehhändlern noch stärker auf die Kovieh-Tätigkeit zu konzentrieren.“ Weiters sei der Weg zum Qualitätsfleisch konsequent weiter zu verfolgen, eventuell auch mit weiteren Qualitäts- oder gar einer eigenen Bio-Versteigerung.

2008: Trend nach oben
Auch die Kovieh-Verantwortlichen selbst konnten Positives berichten: Unter anderem ist das Jahr 2008 besser gestartet. Laut Ferdinand Strauß „haben sich die Preise halbwegs erholt – wenn auch nicht so gut wie 2006, als sie fast unnatürlich hoch waren.“
Erfreut zeigten sich Runggatscher und Strauß auch über die gelungene Osterochsenversteigerung. Die Gsieser Ochsenproduzenten haben in den letzten Jahren eine wahre Marktlücke gefüllt. Auch das im Jahr 2007 gestartete Qualitätsfleischprogramm findet laut Runggatscher „immer größeren Anklang. Die Tiere konnten zu guten Preisen vermarktet werden“.

Runggatschers Abschied
Dickes Lob von allen Seiten erntete Johann Runggatscher für seine zu Ende gehende zwölfjährige Obmannschaft. Als einziges Vorstandsmitglied war er seit der Gründung des Kovieh im Jahre 1983 bis heute tätig. 1996 wurde er unter eher schwierigen Verhältnissen zum Obmann gewählt.
Geschäftsführer Strauß würdigte, dass das Kovieh „seither eine gute Entwicklung erfahren hat. Die Gradlinigkeit des Obmanns, seine Genauigkeit und Führungsqualitäten, der Respekt und die Offenheit anderen Meinungen gegenüber, seine Fairness und Entschlossenheit wurden sehr geschätzt.“ Landesrat Berger dankte Runggatscher für die „stets gute Zusammenarbeit.“ Hartnäckigkeit und Geradlinigkeit hätten ihn zur treibenden Kraft für das gemeinsame Haus der Tierzucht werden lassen.
Sichtlich bewegt dankte Runggatscher selbst: „In Ehrfurcht und Dankbarkeit verneige ich mich vor der Wertschätzung, die ich von euch allen erfahren durfte.“
Fast untergegangen wäre bei all den Festlichkeiten die Wahl des neuen Obmannes, seines – ebenfalls neuen – Stellvertreters und Verwaltugnsrates: Lorenz Gasser (Obmann), Michael Treyer (Stellvertreter) und weitere zwölf Verwaltungsratsmitglieder übernehmen nun für die nächsten drei Jahre die Verantwortung für diese Südtiroler Viehvermarktungsorganisation.

gst



Im Bild:
Der neue Verwaltungsrat des Kovieh: (v.l.) Richard Gamper (Haflinger Pferdezuchtverb.), Hans Dorfmann (Braunviehzuchtverb. SBV), Martin Felder (SBV), Robert Außerhofer (Fleckviehzuchtverb. SFV), Anton Michael Wallnöfer (SBV), Kovieh-Geschäftsführer Ferdinand Strauß, Johann Götsch, (Kleintierzuchtverb.), Heinrich Ennemoser (Rinderzuchtverband SRV), Kovieh-Obmannstellvertreter Michael Treyer (SFV), Roland Thomaser (SBV), Emmerich Silbernagl (SFV), Paul Markart (SRV), scheidender Kovieh-Obmann Johann Runggatscher, Kovieh-Obmann Lorenz Gasser (SBV).