Südtiroler Landwirt, Politik | 16.02.2017

Wolfsfreies Land ist das Ziel

Wenn es um den Wolf geht, ist die Meinung der Landwirtschaft klar: Südtirol muss ein wolfsfreies Gebiet bleiben, alles andere wäre eine Gefahr – nicht nur – für die heimische Almwirtschaft. Das haben Bauernvertreter aus Ulten und vom Deutschnonsberg vergangene Woche im Landtag bekräftigt.

Südtirol ist für den Wolf kein geeigneter Lebensraum. Das stellten die Bauern im Landtag klar. (Foto: Peter Reinäcker, www.pixelio.de)

Südtirol ist für den Wolf kein geeigneter Lebensraum. Das stellten die Bauern im Landtag klar. (Foto: Peter Reinäcker, www.pixelio.de)

Anlass des Besuchs der Bauernvertreter im Südtiroler Landtag war eine öffentliche Anhörung zum Thema Großraubwild-Management, die vergangene Woche auf der Tagesordnung stand.
Die Bauern übergaben am Rande der Anhörung Landtagspräsident Roberto Bizzo und Präsidialsekretärin Maria Hochgruber Kuenzer einen Brief, in dem sie ihre Sorgen erläutern und genauer begründen. Der italienische Wolfsplan sei kein Schutz für ihre Tiere, denn der Abschuss von Wölfen sei prinzipiell verboten, eine Ausnahme praktisch nicht möglich und die vorgesehenen Präventionsmaßnahmen in der Südtiroler Berglandwirtschaft kaum umsetzbar.
Das gelte sowohl für Zäune als auch für Herdenschutzhunde – beides Maßnahmen, die Naturschützer häufig als Wolf-Gegenmaßnahmen anführen. „Zäune sind aber wegen der Ausdehnung der Almen und des teilweise steilen und unwegsamen Geländes kein geeignetes Instrument zum Schutz der landwirtschaftlichen Nutztiere“, heißt es in dem Schreiben. Man müsste auf die Beweidung großer Teile der Almen verzichten.

Schon jetzt treiben Bauern ihre Tiere anderswo auf die Almen
Laut Gotthard Gamper, Bauernbund-Ortsobmann von Proveis, gibt es schon jetzt Beispiele dafür: „Einige Bauern bei uns treiben ihre Schafe und Ziegen schon jetzt auf Almen im Schnalstal oder Ötztal auf, weil sie auf unseren Almen vor dem Großraubwild nicht sicher sind. Sollten sich Wolfsrudel bilden, dann sind bald wohl auch Rinder in Gefahr.“
Herdenschutzhunde schützen die Nutztiere nicht nur vor Wolfen, sondern verteidigen sie auch gegenüber Wanderern. „In einem stark touristischen Gebiet wie Südtirol sind Herdenschutzhunde daher nur sehr beschränkt einsetzbar“, stellen die Bauern in ihrem Brief fest.
Zudem sei der Aufwand für all diese Schutzmaßnahmen enorm und die Kosten hoch: Zusätzliches Personal und Material seien notwendig, die Kosten für Zäune usw. würden nur teilweise vergütet.
Landtagspräsident Bizzo versprach, sich um die Sache auch auf römischer Ebene zu kümmern. Er werde das Thema mit Ministerpräsident Gentiloni besprechen und ihm auch erklären, dass Südtirol mit seiner fließenden Grenze zwischen Naturgebiet und menschlichem Lebensraum kein geeignetes Siedlungsgebiet für Wölfe ist. Auch die Gefahr für die ansässige Bevölkerung und für die Touristen müsse bedacht werden.
Die Ultner und Nonsberger Bauern weisen in ihrem Brief darauf hin, dass der staatliche Wolfsplan – der noch ein Entwurf ist – die Ausnahmen vom Abschussverbot eng begrenzt: Laut Plan müssten bereits präventive Maßnahmen (Zaun, Hirtenhund u.a.) gesetzt sein, es müssten schwere Schäden am Nutztierbestand vorliegen und der Wolfsbestand dürfe durch die Abschüsse nicht gefährdet sein.

Wölfe vor allem für Kleinbauern ernste Bedrohung
Grund für die Rückkehr des Wolfs in den Alpenraum seien der strenge Schutz, der vor allem von der Stadtbevölkerung gewünscht werde, aber auch die günstigen Bedingungen mit vielen Zuchttieren, bemerkte Landesrat Arnold Schuler.
„Für die Landbevölkerung, vor allem für die Kleinbauern, sind Wölfe eine ernste Bedrohung. In allen Gebieten in Europa mit einer hohen Anzahl an Wölfen gibt es Regelungen zur Entnahme: entweder eine geregelte Jagd auf sie oder einen aktiven Schutz von Mensch und Tier – ohne aufwendige bis unmögliche Einzelnachweise zur Notwendigkeit. Die einzige Ausnahme bildet Italien“, stellte Schuler fest.
Luigi Spagnolli, Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei, verwies während der Anhörung auf die Habitat-Richtlinie der EU, die zwar den Abschuss der großen Raubtiere verbiete, aber auch Ausnahmen vorsehe: um Flora und Fauna zu schützen, um Schaden an Kulturflächen oder an Nutztieren zu verhindern, aus Gründen der öffentlichen Gesundheit u.a. Der italienische Plan für den Wolf sehe auch Ausnahmen vor, die vom Ministerium zu gewähren seien. In einer Stellungnahme, die das Landesamt für Jagd und Fischerei an den „Südtiroler Landwirt“ gerichtet hat, werden zwei Optionen für die Südtiroler Berglandwirtschaft genannt: sich grundsätzlich den Herdenschutzmaßnahmen verwehren und sich bald den zunehmenden Angriffen durch Wolf und Bär aussetzen – oder sich einer Umgestaltung der Almbewirtschaftung öffnen und sich somit erfolgreich an die Präsenz der großen Beutegreifern anpassen. „Mit solchen Optionen können wir nichts anfangen. Wir und unsere Familien müssen von dem Reingewinn leben, den wir durch die Aufzucht der Tiere erwirtschaften“, entgegnet Ortsobmann Gamper und verweist auch auf die lange Tradition der Almbewirtschaftung.

Bildung von Rudeln verhindern
Die bäuerlichen Vertreter schreiben in ihrem Brief: „Wenn uns unsere gepflegte Kulturlandschaft etwas bedeutet, muss Südtirol ein wolfsfreies Gebiet bleiben und es gilt, die Bildung von Wolfsrudeln in Südtirol zu verhindern.“ In Italien und in Europa gebe es genügend schwach besiedelte Gebiete, in denen Wölfe geschützt werden können und in denen sich Mensch und Wolf nicht in die Quere kommen. „Der Erhalt der Tierart Wolf in Europa ist durch Abschüsse in Südtirol nicht gefährdet“, betonten die Bauern.


Wolfsplan

Diskussion verschoben
Mit dem staatlichen Wolfs-Managementplan hätte sich Anfang des Monats auch die Staat-Regionen-Konferenz in Rom beschäftigen sollen. Die Diskussion über den Plan stand auf der Tagesordnung, wurde dann aber kurzfristig verschoben – nicht etwa, weil sich die Mitglieder der Konferenz Gedanken über die Sorgen der Landwirtschaft machten, sondern weil eine Reihe von Tierschutzorganisationen massiven Druck auf mehrere Regionen-Präsidenten ausübten. Sie wollen damit jegliche Möglichkeit zur Entnahme von Wölfen verhindern. Wann der Wolfs-Managementplan wieder auf der Tagesordnung der Staat-Regionen-Konferenz stehen wird, steht noch nicht fest.