Südtiroler Landwirt, Produktion | 16.02.2017

Mehr Bienenschutz im Obstbau

Südtirols Bauern wissen um die Bedeutung der Bienen für den Obstbau. Zum besseren Schutz der wertvollen Bestäuber ergreift die Obstwirtschaft jetzt weitere Maßnahmen. Die Grundlage dafür lieferte das Bienen-Monitoring Apistox der Laimburg, das nun abgeschlossen wurde. von Tobias Egger

Die Obstwirtschaft will die Bienen in Zukunft noch besser schützen.

Die Obstwirtschaft will die Bienen in Zukunft noch besser schützen.

Bienen leisten durch ihre Bestäubungsarbeit einen unschätzbar wichtigen Beitrag für das Ökosystem. Dies wurde bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Apistox-­Ergebnisse und der neuen Bienenschutzmaßnahmen einleitend von Landesrat Arnold Schuler betont.
Auf der anderen Seite – und das werde laut Schuler oft vergessen – schafft die Landwirtschaft Lebensraum und Trachtflächen für Bienen. Der Landesrat wies in diesem Zusammenhang auf die über 37.000 Bienenvölker in Südtirol hin, aber auch auf rund 460 Wildbienenarten, die hierzulande beheimatet sind. „Drei Viertel der Wildbienenarten finden sich auf Kulturflächen und nicht in Naturräumen.“
Schuler betonte die gemeinsamen Interessen von Landwirtschaft und Imkerei. „Darum gibt es auch einen offenen Dialog zwischen beiden Partnern.“

Apfelanbau bedeutet Lebensraum
Auch Georg Kössler, Präsident des Südtiroler Apfelkonsortiums, rief die bewährte Zusammenarbeit von Bauern und Imkern in Erinnerung. „Die Imkerei hat in unseren Bauernfamilien eine lange Tradition. Zahlreiche Obstbauern betreiben gleichzeitig auch Imkerei.“
Kössler stellte fest, dass die Imkerei zum Apfelanbau gehört und umgekehrt der Apfelanbau zur Imkerei. „Denn Apfelwiesen sind ein attraktiver Lebensraum für Bienen – und es ist im Interesse aller, diesen Lebensraum für die Bienen zu erhalten.“
Rund 14.000 Bienenvölker leben im Obst- und Weinbaugebiet; zusätzlich bringen die Imker jährlich weitere 7000 Völker zur Obstblüte. Dass der Apfelanbau maßgeblich zur hohen Bienendichte in Südtirol beiträgt, unterstrich Kössler anhand von Zahlen: Im Vergleich zu anderen Ländern weist Südtirol demnach mit fünf Völkern pro Quadratkilometer eine sehr hohe Bienendichte auf. In den Obstanlagen ist die Bienendichte sogar doppelt so hoch. Zum Vergleich: In Österreich liegt die Bienendichte bei 3,8 Völkern, in Deutschland sogar bei nur 1,9 Völkern je Quadratkilometer.

Apistox-Studie vorgestellt
„Wenn man zusammenlebt“, gab Kössler offen zu, „gibt es jedoch auch immer wieder Anlass für kleinere oder größere Diskussionen.“ Daher freue ihn die Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Imkerbund ebenso wie die mit dem Versuchszentrum Laimburg, um auftretende Probleme untersuchen und Lösungen ergreifen zu können.
Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurde die Bienenstudie Apistox an der Laimburg initiiert. Drei Jahre – von 2014 bis 2016 – hat ein Team des Versuchszentrums untersucht, inwiefern der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Obstbau Auswirkungen auf Bienenvölker um die bzw. während der Bienenwanderung haben kann.
Anlass zur Studie waren Meldungen über erhöhte Flugbienenverluste und eine schleppende Volksentwicklung im Jahr 2013 hauptsächlich im Imkereibezirk Burggrafenamt gewesen. Es kam die Vermutung auf, dass die Intensivierung des Insektizideinsatzes zur Eindämmung der Apfeltriebsucht dafür verantwortlich sein könnte.
Für die Studie wurden Volksentwicklung und Sterblichkeit von 65 bis 75 Bienenvölkern an 15 Standorten untersucht. Neun davon befinden sich im Burggrafenamt, das mit der Apfeltriebsucht zu kämpfen hat und entsprechende Insektizide wie Chlorpyrifos einsetzt, sowie vier Standorte im Unterland außerhalb des Besenwuchsgebietes.

Schadensfälle in der Nachblüte
Die Ergebnisse der Apistox-Studie fasste Projektleiter Manfred Wolf zusammen: „Wir konnten keine größeren Unterschiede zwischen den Bienenvölkern in den beiden Untersuchungsgebieten feststellen“, sagte er. Also seien nicht die vermehrten Insektizid­einsätze im Besenwuchsgebiet das Problem, wenn sich Bienenvölker schwach entwickeln. Dafür haben die Wissenschaftler außerhalb der Bienenschutzzeit, und zwar vor allem in der Zeit nach der Blüte, eine erhöhte Sterblichkeitsrate von Bienen im Stockbereich beobachtet.
Diese Schadensfälle in der Nachblüte erklärte Wolf mit der Kombination dreier Faktoren: die Nachblütebehandlungen im Obstbau, das fehlende Trachtangebot nach der Apfelblüte und das Verhalten der Bienen. „Die Sammelbienen fliegen nach der Bienenschutzzeit wieder zurück in die Obstanlagen, da es außerhalb nur wenige Trachtpflanzen gibt“, versuchte Wolf das Problem zu beschreiben. „Die Bienen suchen die Blüten im Unterwuchs der Apfelanlagen auf und können so in Kontakt mit den Pflanzenschutzmitteln kommen, was zu einem erhöhten Bienensterben führen kann.“
Dadurch bleibe laut Manfred Wolf auch die Entwicklung der Bienenvölker in Obstbaugebieten hinter den Erwartungen zurück, so das Fazit der Apistox-Studie.

Zahlreiche Maßnahmen ergriffen
Für die Probleme in der Nachblüte müsse man Lösungen finden, kommentierte Landesrat Schuler die Ergebnisse. „Eine davon ist, dass wir künftig zusätzliche Bienenweiden fördern wollen.“
Zugleich hob Schuler hervor, dass es in der Zeit des Ausbringungsverbotes bienengefährlicher Mittel kaum Bienenschäden gibt. „Das zeigt, dass sich die Bauern an die Bienenschutzzeiten halten.“
Südtirols Obstwirtschaft, das die Apistox-Studie mitfinanziert, hat in Absprache mit dem Imkerbund und der Politik bereits Maßnahmen getroffen, um die Bienen in Zukunft noch besser zu schützen. „Uns war es wichtig, Ursache und Wirkung genau zu erforschen und dann zusammen mit dem Beratungsring und der Agrios entsprechende Maßnahmen zum Bienenschutz zu setzen“, erklärte Georg Kössler.

Verzicht auf Chlorpyrifos
Welche Maßnahmen das sind, erklärte Agrios-Obmann Harald Weis bei der Pressekonferenz. Er betonte, dass der Bienenschutz seit jeher eine zentrale Rolle im Agrios-­Programm spielt. „Im Bereich des Pflanzenschutzes verzichten wir auf breitenwirksame Insektizide und ersetzen, wo es möglich ist, bienengefährliche Mittel.“ Weis verwies in diesem Zusammenhang auf die Verwirrungsmethode, die fast flächendeckend gegen den Apfelwickler eingesetzt wird. Ab heuer wird zudem kein Chlorpyrifos-Ethyl mehr verwendet. „Das haben wir aus dem Agrios-Programm gestrichen.“
Auch bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln konnten in letzter Zeit deutliche Verbesserungen erreicht werden, berichtete Harald Weis: „Auf über 80 Prozent der Südtiroler Obstbaufläche kommt die neue, abdriftmindernde und zielgenauere Technik zum Einsatz.“
Im Bereich Bodenpflege wurde zum Schutz der Bienen das alternierende Mulchen als ökologische Maßnahme aus dem Agrios-­Programm gestrichen. „Der Blühstreifen in den Anlagen ist zwar für viele Nützlinge eine wertvolle Maßnahme“, erklärte Weis. „Wie die Apistox-Studie zeigt, gibt es dadurch aber negative Folgen für die Bienen.“

Imkerbund erfreut
Der Obmann des Südtiroler Imkerbunds, Engelbert Pohl, zeigte sich erfreut darüber, dass durch das Apistox-Programm Klarheit bezüglich der Situation der Bienenvölker in Südtirols Obstbaulagen geschaffen worden sei. Er begrüßte auch die im Jänner von allen Beteiligten unterzeichnete Vereinbarung zum Bienenschutz (siehe Kasten unten).

Weitere Maßnahmen geplant
Landesrat Schuler wies zum Abschluss der Pressekonferenz auf die gesetzliche Regelung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln während der Obstblüte hin. „Darüber hinaus wollen wir  aber  weitere Maßnahmen ergreifen, etwa zu den Ausbringungszeiträumen bei Pflanzenschutzmitteln oder zur Verbesserung des Bienenhabitats.“
Das Bienen-Monitoring-Programm Apistox werde weitergeführt, kündigte Landesrat Schuler an, und auf Beeren- und Steinobstanlagen sowie auf Bioanbau sowie auf private und öffentliche Gärten ausgeweitet. „Denn auch dort werden bienengefährliche Pflanzenschutzmittel eingesetzt“, erklärte der Landesrat.


VERTRAG

Vereinbarung zum Schutz der Bienen unterzeichnet
Ein weiterer wichtiger Schritt zum Wohle der Imkerei ist die Vereinbarung zum Bienenschutz. Sie sieht die Errichtung einer permanenten technischen Arbeitsgruppe vor, die die Gesundheit der Südtiroler Bienenvölker überwachen und Vorschläge für Maßnahmen zur Förderung der Bienengesundheit und der Verbesserung der Bedingungen für die heimische Imkerei erarbeiten soll. Die Vereinbarung wurde im Jänner unterzeichnet.
Unterzeichner sind der Südtiroler Bauernbund, der Südtiroler Imkerbund, das Südtiroler Apfelkonsortium, das Konsortium Südtiroler Wein, das Julius-Kühn-Institut, der Beratungsring für Obst- und Weinbau, der Beratungsring für Berglandwirtschaft (BRING), das Versuchszentrum Laimburg und das Amt für Obst- und Weinbau.