Sozialberatung | 16.02.2017

Der vorgezogene Ruhestand

Es gibt verschiedene Formen der Frührente. Welche das sind und was sich durch das italienische Bilanzgesetz 2017 für sie geändert hat, das erläutert dieser abschließende Teil der dreiteiligen Serie im „Südtiroler Landwirt“.

Bei der APE handelt es sich um eine vorfinanzierte Rente in Form eines Bankdarlehens.

Bei der APE handelt es sich um eine vorfinanzierte Rente in Form eines Bankdarlehens.

Das Bauernbund-Patronat ENAPA hat für den „Südtiroler Landwirt“ die verschiedenen Formen des vorgezogenen Ruhestandes zusammengefasst. Lesen Sie hier die Details.

Frührente (APE)
Beim „anticipo pensionistico“ (APE) handelt es sich um eine vorfinanzierte Rente in Form eines Bankdarlehens. Die Frührente kann zwar schon vor Erreichen der Rentenvoraussetzungen beantragt werden, der Vorschuss muss jedoch im Nachhinein zurückgezahlt werden. Für diese Art der Rente besteht die Pflicht einer Versicherung für den Fall eines vorzeitigen Ablebens. Die Maßnahme wird versuchsweise von 1. Mai 2017 bis 31. Dezember 2018 eingeführt.
Die interessierten Personen müssen mindestens 63 Jahre alt sein und mindestens 20 Dienstjahre vorweisen können. Außerdem müssen sie die Voraussetzungen für die Altersrente innerhalb von drei Jahren und sieben Monaten erfüllen. Die APE kann bis zum Erreichen der frühesten Rentenvoraussetzungen beansprucht werden, das heißt maximal für drei Jahre und sieben Monate, mindestens aber für sechs Monate.
Der Nettobetrag der geforderten APE darf einen Betrag von 1,4-mal die Mindestrente nicht unterschreiten. Für das Jahr 2017 beträgt dieser Mindestbetrag 702,65 Euro.
Den Antrag stellen Berechtigte über das Portal des Nationalen Fürsorgeinstituts NISF/INPS. In der Folge prüft das NISF die Voraussetzungen und teilt den Mindest- und möglichen Höchstbetrag mit. Dann muss der Betroffene den Antrag um Auszahlung der APE und gleichzeitig den Antrag um Altersrente stellen. Beide Anträge können rückgänig gemacht werden. Lediglich von der gewählten Versicherung kann er innerhalb von 14 Tagen zurücktreten.
Die Wahl der Kreditanstalt und der Versicherungsagentur obliegt dem Antragsteller. Er kann jene Gesellschaften wählen, die die Vereinbarungen mit dem Wirtschafts- und Arbeitsministerium, der italienischen Bankenvereinigung und nationalen Vereinigung der Versicherungsgesellschaften unterzeichnet haben.
Die APE ist ein steuerfreies Einkommen. Der Kreditnehmer erhält jährlich ein Steuerguthaben von 50 Prozent der Zinsen für das Darlehen und der Versicherungsprämie. Dies entspricht einem Zwanzigstel der anfallenden Spesen.
Im Falle eines vorzeitigen Ablebens während des Genusses der APE oder nach Pensionierung aber noch innerhalb der 20-jährigen Rückzahlungszeit wird die Versicherung das restliche Darlehen tilgen. Bei einer eventuellen Hinterbliebenenrente werden keine Abzüge gemacht.

Anpassung der Lebenserwartung
Eine Frage im Zusammenhang mit der APE ist, wie sich die Anpassung der Lebenserwartung da­rauf auswirkt. Im Jahr 2018 gibt es noch keine Probleme mit den APE-Voraussetzungen. Denn die Altersvoraussetzungen für die Altersrente liegen bis ins Jahr 2018 bei 66 Jahren und sieben Monaten. Die APE-Voraussetzungen dagegen liegen bei einem Mindestalter von 63 Jahren und einer maximalen Dauer von drei Jahren und sieben Monaten.
Schwierigkeiten könnte es dagegen in den Jahren 2019 und 2020 geben: Dann steigen die Voraussetzungen für die Altersrente.
Derzeit sind drei Szenarien möglich:
- Mit einer Reform im Jahr 2011 wurde eine hypothetische Steigerung der Voraussetzungen in den Jahren 2019/2020 auf mindestens 66 Jahre und elf Monate festgelegt.
- Im Jahr 2015 wurde durch die effektive Veränderung der Lebenserwartung und somit auch das Rentenalter auf plus fünf Monate festgelegt.
- In Anbetracht der durchgeführten Studie und der Feststellung einer sinkenden Lebenserwartung wurde für das Jahr 2016 auch eine Anpassung von null vermutet. Das würde eine Weiterführung der Regelung mit 66 Jahren und sieben Monaten bedeuten.  
Im Bilanzgesetz ist keinerlei Hinweis auf diese Problematik enthalten. Eine Veränderung der Voraussetzungen für die Altersrente kann aber eine große Auswirkung auf die Kosten und Dauer der APE haben.

Kosten und Berechnung
Es ist äußert schwierig zu berechnen, wann die APE vorteilhaft ist. Der Antragsteller bekommt ein Nettoeinkommen ohne Steuereinbehalte, muss sich aber damit abfinden, eine niedrigere Rente zu beziehen. In den Jahren des Bezugs der APE werden keine weiteren Beiträge mehr eingezahlt: Außerdem werden in den ersten 20 Jahren der Altersrente die vorfinanzierten Rentenbeträge der APE abgezogen. Eine verfrühte oder hohe APE kann sich somit stark auf die spätere Rentenhöhe auswirken. Die Altersrente kann demnach um einiges geringer als die vorherige APE ausfallen. Beansprucht man hingegen eine geringe APE, so kann diese geringer als ein mögliches Einkommen aus einer Arbeitstätigkeit ausfallen, hinzu kommt der Verlust der Beiträge in diesen Jahren.

„APE Sociale“
Neben der freiwilligen APE gibt es für Personen in bestimmten Notlagen auch eine zweite Möglichkeit. Die Altersvoraussetzungen bleiben dabei dieselben wie bei der gewöhnlichen APE. Es wurden vier Kategorien festgelegt, für die der Staat die Finanzierung der vorgezogenen Rente übernimmt:
1.) Personen, die durch Kündigung, einvernehmliche Kündigung oder Selbstkündigung aus triftigem Grund ihre Arbeit verloren haben und zusätzlich seit mindestens drei Monaten bereits  die gesamte Arbeitslosenunterstützung aufgebraucht haben;
2.) Personen, die seit mindestens sechs Monaten den Partner oder einen Verwandten innerhalb des ersten Verwandtschaftsgrades mit Schweregrad der Behinderung betreuen;
3.) Personen mit einer Zivilinvalidität von mindestens 74 Prozent;
4.) Personen, die seit mindestens sechs Jahren schwere und risikoreiche Arbeiten verrichten (z. B. Kranfahrer, Turnusarbeiter in Krankenhäusern, Pfleger, Kindergärtner).
Die Kategorien 1–3 müssen mindestens 30 Beitragsjahre vorweisen können. Für die Kategorie 4 werden 36 Beitragsjahre benötigt.
Die „APE Sociale“ ist mit einer direkten Rente nicht vereinbar und obliegt der Beendigung der Arbeitstätigkeit. Die vorgezogene Rente wird in zwölf Monatsraten ausgezahlt. Der Betrag ist gleich der errechneten Rente zum Zeitpunkt der Antragstellung.
Für die Beträge sind keine Anpassungen vorgesehen, und sie dürfen keinesfalls einen monatlichen Betrag von 1500 Euro überschreiten. Bei einer höher errechneten Rente kann eine Integrierung beantragt werden. Die Kosten hierfür muss jedoch der Antragsteller übernehmen.
Die „APE Sociale“ ist mit keinen einkommenstützenden Maßnahmen vereinbar wie z. B. die Asdi oder der Vergütung bei Auflassung einer Handelstätigkeit. Es darf hingegen ein lohnabhängiges Jahreseinkommen von höchstens 8000 Euro und selbstständiges Jahreseinkommen von höchstens 4800 Euro erzielt werden. Für die öffentlich Bediensteten wird es ein Problem mit den Abfertigungen geben. Diese werden nicht mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses, sondern erst nach Erreichung der Rentenvoraussetzungen ausgezahlt.
Die „APE Sociale“ endet mit Erreichen der Rentenvoraussetzungen.

„APE Aziendale“
Bei der „APE Aziendale“ müssen die interessierten Personen mindestens 63 Jahre alt sein und mindestens 20 Dienstjahre vorweisen können. Außerdem müssen die Voraussetzungen für die Altersrente innerhalb von drei Jahren und sieben Monaten erfüllt werden.
Diese APE kann bis zum Erreichen der frühesten Rentenvoraussetzungen beansprucht werden, das heißt maximal für drei Jahre und sieben Monate, mindestens aber für sechs Monate.
Sämtliche Kosten der vorgezogenen Rente trägt der Antragsteller selbst. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können zusätzlich die Einzahlung von höheren Sozialbeiträgen für den Arbeitnehmer vereinbaren. Dadurch würde sich der Betrag des Darlehens für den Arbeitnehmer verringern, durch den Ausstieg des Arbeitnehmers aus dem Betrieb würden für den Arbeitgeber diese Kosten entfallen. Die vereinbarte Höhe muss mindestens 32,87 Prozent der Entlohnung des Vorjahres entsprechen. Der Arbeitgeber muss sie mindestens für die Dauer des APE-Anspruchs vorstrecken. Nach der Einigung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer muss der Betrag in einer einmaligen Zahlung an das NISF/INPS entrichtet werden – und zwar vor Auszahlung der ersten Rate der „APE Aziendale“.

„Rita“
Bei der Maßnahme „Rita“ handelt es sich um eine vorgezogene Zusatzrente. Genau wie die APE wird auch diese Maßnahme versuchsweise von 1. Mai 2017 bis 31. Dezember 2018 eingeführt. Die Betroffenen können die Auszahlung einer monatlichen Rente bis zur Erreichung der Rentenvoraussetzungen beantragen. Die interessierten Personen müssen mindestens 63 Jahre alt sein und mindestens 20 Dienstjahre vorweisen können. Außerdem müssen die Voraussetzungen für die Altersrente innerhalb von drei Jahren und sieben Monaten erfüllt werden.
Die Auszahlung des angereiften Fonds kann ganz oder nur zum Teil ausgezahlt werden, je nach Bedürfnis des Antragstellers.
Auch die öffentlich Bediensteten können Anspruch auf die „Rita“ stellen. Sie erhalten hingegen die Abfertigung nicht vor Erreichung der Rentenvoraussetzungen.

Details noch zu klären
Für einige der Maßnahmen müssen in ­kürzester Zeit Dekrete und in der Folge auch NISF/INPS-Rundschreiben erlassen werden. Damit die APE ab Mai in Kraft treten kann, müssen noch innerhalb von 60 Tagen ab Inkrafttreten des Gesetzes die nötigen Abkommen und Verträge mit Banken und Versicherungsgesellschaften abgeschlossen werden.