Sozialberatung | 24.01.2017

Staat ändert Regeln für die Rente

Mit dem Bilanzgesetz 2017 hat der Staat gleich einige Spielregeln für Rentner geändert. So können Rentner mit dem „Cumulo“ Versicherungszeiten in verschiedenen Verwaltungen leichter zu einer einzigen Pensions-auszahlung zusammenlegen.

Der sogenannte „Cumulo“ besteht darin, eine einzige Pensionsauszahlung aus der Summe der Versicherungszeiten von verschiedenen Verwaltungen zu erhalten. Diese Möglichkeit kann seit 1. Jänner 2017 beansprucht werden. Bisher war es nur möglich, durch den „Cumulo“ eine Altersrente, Arbeitsunfähigkeitsrente oder Hinterbliebenenrente zu erhalten, unter der Voraussetzung von mindestens 20 Beitragsjahren in allen Verwaltungen.  
Mit dem neuen „Cumulo“ kann man nun auch eine Frührente beanspruchen. Außerdem wird der neue „Cumulo“ vollkommen kostenlos sein. Zudem werden die Beträge in den jeweiligen Verwaltungen berechnet. Ausgeschlossen vom „Cumulo“ sind die Erreichung der Voraussetzungen für die „lavoratori precoci“ und di „lavoratori usuranti“ (Erklärung siehe weiter unten).
Hat jemand bereits früher einen Antrag um Totalisierung gestellt, so kann dieser nur annulliert werden, solange das INPS den Antrag noch nicht vervollständigt hat. Ebenso können die Anträge um kostenpflichtige Zusammenlegung nur zurückgezogen werden, sofern nicht bereits die gesamten Beiträge an das Fürsorgeinstitut entrichtet wurden.
In diesen Fällen würden auch die bereits eingezahlten Raten rückerstattet werden. Der Rückzug muss allenfalls innerhalb eines Jahres ab Inkrafttreten des Gesetztes beantragt werden.
Öffentlich Bedienstete, die den „Cumulo“ beanspruchen möchten, erhalten die Abfertigung mit Erreichung der Altersvoraussetzungen für die Altersrente.
Mit dem neuen Bilanzgesetz wird es möglich sein, auch Versicherungszeiten aus den Kassen der Freiberufler mit anderen Versicherungszeiten kostenlos zusammenzulegen. Anders als Maßnahmen wie Totalisierung und kostenpflichtige Zusammenlegung kann diese Maßnahme viel vorteilhafter sein. Außerdem werden die Zeiten der verschiedenen Verwaltungen in den jeweiligen Verwaltungen als Rente umgerechnet und als gemeinsame Rente ausgezahlt.

Lavoratori precoci (Früh Arbeitende)
Als „Lavoratori Precoci“ werden jene Personen bezeichnet, die vor Erreichen des 19. Lebensjahres Versicherungszeiten von mindestens zwölf Monaten vorweisen können. Sie können ab 1. Mai 2017 bereits die Frührente beanspruchen: Neben gewissen weiteren Voraussetzungen müssen sie auf mindestens 41 Dienstjahre kommen.
Um in Genuss dieser Maßnahme zu gelangen, muss mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt werden:
- Arbeitslosenstatus bedingt durch Kündigung, einvernehmliche Kündigung oder Selbstkündigung aus triftigem Grund und zusätzlich seit mindestens drei Monaten bereits die gesamte Arbeitslosenunterstützung aufgebraucht;
- Betreuung des Partners oder eines Verwandten innerhalb des ersten Verwandtschaftsgrades mit Schweregrad der Behinderung seit mindestens sechs Monaten;
- Zivilinvalidität von mindestens 74 Prozent.
- zum Zeitpunkt der Antragstellung müssen mindestens sechs Jahre eines schweren (usurante) abhängigen Arbeitsverhältnisses vorausgegangen sein;
„- Lavoratori usuranti“.
Die Frührente für die „Precoci“ ist für einen bestimmten Zeitraum nicht mit anderen lohnabhängigen oder selbstständigen Einkommen vereinbar. Der Zeitraum dafür berechnet sich aus der Differenz zwischen den gesetzlich vorgesehenen Dienstjahren und den erreichten Dienstjahren zum Zeitpunkt der Pensionierung.

Lavoratori usuranti (Schwerarbeiter)
Hiervon betroffen sind:
- Arbeiter mit besonders schweren Arbeiten, z. B. Minenarbeiter.
- Nachtarbeiter – entweder Turnusschichten von mindestens sechs Nachtstunden an mindestens 64 Tagen im Jahr oder Arbeiter, die täglich mindestens drei Arbeitsstunden zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens ausführen;
- Laufbandarbeiter;
- Busfahrer.
Die interessierten Personen müssen mindestens 61 Jahre und 7 Monate alt sein und mindestens 35 Dienstjahre vorweisen können. Die Summe aus Alter und Dienstjahren muss eine Quote von mindestens 97,6 ergeben. Außerdem müssen mindestens sieben Dienstjahre in den letzten zehn Jahren oder mindestens die Hälfte der gesamten gearbeiteten Jahre als „Lavoratore usurante“ getätigt worden sein.
Seit 1. Jänner gilt die „Fensterregelung“ für diese Arbeiter nicht mehr: Die Laufzeit der Rente beginnt künftig also ab dem Folgemonat nach Erreichung der Voraussetzungen.
Außerdem werden in diesen Fällen die Lebenserwartungsanpassungen bis zum ­31. Dezember 2026 ausgesetzt.
Zur Überprüfung der Voraussetzungen (s. Tab. 1) muss ein Antrag innerhalb gewisser Fristen an das Fürsorgeinstitut gestellt werden.

No tax area
Mit 1. Jänner wurde die steuerfreie Grenze für alle Rentner mit 8000 Euro festgesetzt und somit jener der lohnabhängigen Rentner gleichgestellt.

14. Monatsrate für Rentner
Um die Anzahl der Anspruchsberechtigen von 2,1 Millionen auf 3,3 Millionen zu erhöhen, wird die Einkommensgrenze aus Renten von 1,5 auf zweimal den Betrag der Mindestrente erhöht. Ebenso erhöht wird der zustehende Betrag für jene, die die 14. Monatsrate bereits beziehen (s. Tab. 2).

Weitere Änderungen
„Penalizzazione“: Ab 2018 wird der prozentuelle Rentenabzug im Falle eines Rentenanspruchs vor dem 62. Lebensjahr abgeschafft.
Option Frau: Diese Maßnahme wird ausgeweitet auf die Jahrgänge 1957 und 1958 mit mindestens 35 Beitragsjahren innerhalb 2015.
8. Salvaguardia: Diese Sonderregelung gilt für bestimmte Arbeiterkategorien, um noch mit den Voraussetzungen vor der Monti-Fornero-Reform in den Genuss der Rente zu kommen.
Beitragsreduzierung der Versicherten in der Separatverwaltung mit MwSt.-Nr.: Für selbstständige Personen mit einer Mehrwertsteuernummer, die nur in der Separatverwaltung eingetragen sind und noch keine Rente beziehen, werden ab 2017 die Beiträge auf 25 Prozent reduziert.
Befreiung Rentenbeiträge für Junglandwirte: Wer die Voraussetzungen für die Befreiung und Reduzierung der Rentenbeiträge für neuversicherte Junglandwirte erfüllt, wird für die ersten drei Folgejahre vom Rentenbeitrag befreit. Im vierten Jahr werden diese um 66 und im fünften Jahr um 50 Prozent reduziert. Die Rentenbeiträge für diese Zeit werden voll gutgeschrieben und zählen als effektive Arbeitszeiten. Die Voraussetzungen sind:
- Personen unter 40 Jahre;
- Neueintragung als Selbstbebauer (coltivatore diretto) innerhalb 2017, für Berggebiete ab 2016.


Tab. 1 – „Lavoratori Usuranti“ – Fristen

Erreichung der Voraussetzungen

Frist für den Überprüfungsantrag

Innerhalb 2017

Innerhalb 1. März 2017

Innerhalb 2018

Innerhalb 1. Mai 2017

Innerhalb 2019

Innerhalb 1. Mai 2018

Ab 2020

Innerhalb 1. Mai des Vorjahres



Tab. 2 – 14. Monatsrate für Rentner – Einkommensgrenzen

Anzahl der Beitragsjahre

(Mindestalter von 64 Jahren)

Bis 2016

Ab 2017

Jährlicher Betrag

Jährliches Höchsteinkommen des Rentners

Jährlicher Betrag

Jährliches Höchsteinkommen des Rentners

Von

Bis

Von

Bis

Maximal 15 Beitragsjahre,

Maximal 18 Jahre bei Selbständigen

336,00 €

0,00 €

9.786,86 €

437,00 €

0,00 €

9.786,86 €

-

-

-

336,00 €

9.786,87 €

13.049,15 €

Zwischen 15 und 25 Beitragsjahre

Zwischen 18 und 28 Jahre bei Selbständigen

420,00 €

0,00 €

9.786,86 €

546,00 €

0,00 €

9.786,86 €

-

-

-

420,00 €

9.786,87 €

13.049,15 €

Über 25 Beitragsjahre

Über 28 Beitragsjahre bei Selbständigen

504,00 €

0,00 €

9.786,86 €

655,00 €

0,00 €

9.786,86 €

-

-

-

504,00  €

9.786,87 €

13.049,15 €



______________________________

Dreiteilige Serie

Soziale Neuerungen 2017
Mit dem Bilanzgesetz 2017 hat der Staat mehrere Spielregeln im Sozialbereich geändert. Das Bauernbund-Patronat ENAPA hat sie in einer dreiteiligen Serie für die Leserinnen und Leser des „Südtiroler Landwirts“ aufgearbeitet. In Teil 1 geht es um die wesentlichsten Änderungen für Rentner.